Unvollendete Metropole

Jubiläen, die auf 2020 fallen (oder gefallen wurden), haben es in Corona-Zeiten schwer. Der Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlin-Brandenburg (AIV) hat sich dieses Jahr zum Anlass genommen, um 100 Jahre Metropole zu feiern: Am 1. Oktober 1920 wurde die „neue Stadtgemeinde Berlin“, kurz „Groß-Berlin“, ausgerufen. Aus 66 wurden 878 Quadratkilometer Fläche, aus 1,9 wurde knapp 3,9 Millionen Einwohner. Bereits 2019 hatte der AIV den Schinkel-Wettbewerbs 2020 ausgelobt, um einen Blick auf die Großstadt im Jahr 2070 zu werfen. Neben den Leitthemen Städtebau, Landschaftsarchitektur, Architektur, konstruktiver Ingenieurbau, Verkehrsplanung und freie Kunst wurde darin die Denkmalpflege zum „Querschnittsthema“ erklärt.

Allen Corona-Einschränkungen zum Trotz, wird der runde Berlin-Geburtstag 2020 unter dem Motto „Unvollendete Metropole“ gleich dreifach gefeiert: mit der Vorstellung der Ergebnisse aus dem Zukunfts-Ideenwettbewerb, mit einer städtebaugeschichtlich ausgelegten Ausstellung (die zugleich Ergebnisse des Ideenwettbewerbs zeigt) und mit einer Veranstaltungsreihe, die über Altes und Neues in der Metropole ins – mal virtuelle, mal analoge – Gespräch kommen will. Die von Harald Bodenschatz, Christina Gräwe und Benedikt Goebel kuratierte Ausstellung ist im Berliner Kronprinzenpalais (Unter den Linden) zu sehen bis zum 3. Januar 2021. Begleitend ist bei Dom Publishers eine zweibändige Publikation erschienen, dessen zweiter Teil auch einen Blick in die städtebauliche Zukunft wagt. (kb, 2.10.20)

Berlin-Marzahn, das 2005 eröffnete Shoppingcenter Eastgate neben ostmoderner Architektur (Bild: Thomas Spier, apollovision, 2020)