Le Corbusier in Belgien

Die Französchischen Wochen Stuttgart 2022 bieten Wissenswertes über Le Corbusier – im Weissenhofmuseum im Haus Mies van der Rohe: Marc Dubois, Präsidet von Docomomo Belgien wird analog und digital berichten über das Wirken des Baumeisters in Belgien. Sein Vortrag behandelt die fünf Projekte, die Le Corbusier in Belgien entwarf und von denen drei realisiert wurden. Ein Jahr vor der Weissenhofsiedlung in Stuttgart entstand 1926 das Haus Guiette in Antwerpen, 1935 entwarf und realisierte Le Corbusier zusammen mit Charlotte Perriand den „Pavillon du Jeune Homme“ in Brüssel. Ein weiteres Projekt nach 1945 war der Philips-Pavillon, der für die 1958 stattfindende Weltausstellung in Brüssel gebaut wurde.

Der zweite Teil der (auf englisch stattfindenden) Veranstaltung zeigt den Einfluss Le Corbusiers auf die Werke der belgischen Architekten Gaston Eysselinck (1907-1953) und Leon Stijnen (1899-1990). Der Vortragende Marc Dubois ist Architekt und Autor zahlreicher Texte und Publikationen. Seit 2015 ist er Präsident von DOCOMOMO Belgien. Der Vortrag findet statt am Freitag, 25. März um 19.00 Uhr in der Weissenhofwerkstatt im Haus Mies van der Rohe, Am Weissenhof 20, 70191 Stuttgart. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, Anmeldung bitte unter kraemer@weissenhofmuseum.de. Pandemiebedingt ist weiterhin die digitale Teilnahme über Zoom möglich. (db, 19.3.22)

Der Link lautet: https://us02web.zoom.us/j/86127520188?pwd=a0lFdUVsSXRyRDQ0cU5PdnhDSFNXUT09

Meeting-ID: 861 2752 0188, Kenncode: 690948

Brüssel, Maison Guite (Bild: Stomme, CC BY-SA 4.0)

Krefeld industriell

Spektakuläre Fabrikgebäude und repräsentative Villen, zeittypische Wohn- und Verwaltungsbauten sowie einst zukunftsweisende Büro- und Hochschulbauten: Krefeld ist reich an Gebäuden, die an die Hochphase der Industrialisierung und die hier vorherrschende Seidenindustrie erinnern. Die Vertreter dieser stets auf Innovation und zeitgemäße Gestaltung bedachten, früh globalisierten Branche knüpftenoft Kontakt zur zeitgenössischen Avantgarde, beauftragten und beschäftigten Künstler, Gestalter und Architekten, die für eine explizit moderne Handschrift bekannt waren. So lässt sich etwa die hohe Anzahl von ehemaligen Lehrern und Absolventen des Bauhauses erklären, die von Mitte der 1920er bis in die 1960er-Jahre in Krefeld tätig waren. Ludwig Mies van der Rohe, Johannes Itten, Lilly Reich, Georg Muche und viele andere schufen bedeutende Architekturen, prägten das Textildesign und revolutionierten die Ausbildung der Gestalter:innen. Auch Hans Poelzig, Egon Eiermann und Bernhard Pfau bauten in Krefeld für die Seidenindustrie.

Dieses Kapitel der Wirtschafts- und Kulturgeschichte hat Projekt MIK e.V. 2019 aus Anlass des Bauhaus-Jubiläums mit einem Wissenschaftlerteam erforscht, in einem Buch dokumentiert und in einer Ausstellung im Krefeld Pavillon von Thomas Schütte präsentiert. Ein themenorientierter Architekturführer ist nun online zu finden. Er stellt Gebäude, Institutionen und Personen vor, die in Zusammenhang mit der Seidenindustrie stehen, dazu ihre Kontore, Fabriken, Schulen und Institutionen. Ebenso präsentiert er die Wohnhäuser der Unternehmer und zeigt, wo die führenden Künstler und Gestalter:innen in Krefeld lebten. 75 Bauten und 65 Biografien erzählen von der produktiven Kooperation von Industrie, Kultur und Stadt. Die Auswahl folgt der Spur der Moderne, die mal in einen Industriekomplex der 1890er Jahre, mal zu einem Wohnhaus von Mies van der Rohe und schließlich zu einem futuristischen Schulgebäude der 1950er-Jahre von Bernard Pfau führen kann. Ziel dieses Projekts ist, die Stadt ein Stück weit lesbar und ihre Geschichte erfahrbar zu machen. Die Erarbeitung dieses Guides wurde durch die NRW-Stiftung finanziell unterstützt. (db, 21.5.21)

Krefeld, Mies van der Rohe – VerSeidAG (Copyright: Der Unfassbare, CC0)

Bald wieder Mies

Fünf Jahre hat es gedauert, doch nun wird Berlins größter Tempel wieder seine Türen öffnen: Am 21. August 2021 macht die Neue Nationalgalerie planungsgemäß wieder auf – dies hat der Leiter Joachim Jäger am Freitag bekanntgegeben. Die Schlüsselübergabe soll am 29. April stattfinden, anschließend wird es Tage der Offenen Tür geben. Als erste Ausstellungen sind angekündigt “Die Kunst der Gesellschaft” mit Werken aus der Sammlung des Hauses (22. August bis Sommer 2023) sowie “Alexander Calder. Minimal/Maximal” (22. August bis 12. Februar 2022). Ein Bewunderer des Bildhauers Calder (der 1975 auch das erste “BMW Art Car” gestaltete) war Ludwig Mies van der Rohe, und hier schließt sich der Kreis: van der Rohe ist der Architekt der 1968 fertiggestellten Berliner Moderne-Ikone.

Die Neue Nationalgalerie wurde gebaut als Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts und ist Teil des Kulturforums im Bezirk Tiergarten. Zum Forum zählen unter anderem auch die Berliner Philharmonie (1960-63, Hans Scharoun), die Staatsbibliothek (1967-78, Hans Scharoun/Edgar Wisniewski) und das Kunstgewerbemuseum (1978-85, Rolf Gutbrod). So richtig glücklich ist bis heute niemand mit der Konzeption und der städtebaulichen Einbindung des Areals, Philharmonie und Neue Nationalgalerie sind allerdings längst als Inkunabeln anerkannt. Die etwa 140 Millionen Euro teure Sanierung des Baus wurde von Chipperfield Architekten durchgeführt. Und nach dem, was bislang zu sehen ist, hat sich das Büro im eigenen Ausdruck sehr zurückgehalten und “Mies pur” realisiert – ganz im Sinne des Urhebers und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der die Staatlichen Museen Berlin gehören. (db, 20.3.21)

Berlin, Neue Nationalgalerie (Bild: DrKssn, CC BY-SA 3.0)