Frei nach Mies

Frei nach Mies

Das ursprüngliche Denkmal nach Entwurf von Mies van der Rohe (Bild: Bundesarchiv, 183-H29710, CC-BY-SA 3.0)
Das ursprüngliche Denkmal nach Entwurf von Mies van der Rohe (Bild: Bundesarchiv, 183-H29710, CC-BY-SA 3.0)

1926 wurde mit dem Revolutionsdenkmal in Berlin eines der kontroversesten Werke Mies van der Rohes eingeweiht. Im Auftrag der KPD hatte er auf dem Friedhof Friedrichsfelde ein blockartiges Denkmal aus Klinkersteinen errichtet, das an die ermordeten Politiker Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht erinnern sollte. 1935 wurde es von den Nazis zerstört, Pläne zum Wiederaufbau zerschlugen sich immer wieder. Nun könnte das Denkmal aber ein Comeback feiern. Eine Berliner Ausstellung präsentiert Entwürfe der Künstlerin Sanja Iveković für ein neues, an Mies angelehntes Monument.

Die Künstlerin greift die Form des Denkmals auf, passt seine Konzeption aber in die Gegenwart ein. Nicht mehr einer Kommunistischen Partei soll es gewidmet sein, sondern der globalen Geschichte der sozialen Bewegungen. Entsprechend sollen die einzelnen Bausteine aus verschiedenen Orten mit revolutionärer Geschichte stammen. Gewerkschaften, Frauenrechtsorganisationen und antifaschistische Aktivisten aus aller Welt sollen an einem „kollektiven Prozess des Zusammentragens“ teilnehmen und eine neue Erinnerungskultur ins Leben rufen. Ivekovićs Entwürfe sind zur Ausstellung „Ich war, ich bin, ich werde sein“ bis zum 1. August 2015 in der daadGalerie in Berlin zu sehen. (jr, 15.7.15).

Mehr Mies!

Mehr Mies!

Die Krefelder Häuser Lange und Esthers von Mies van der Rohe stehen bei den 10. Krefelder Architekturtagen im Fokus (Bild: Hans Peter Schaefer, CC-BY-SA 3.0)
Die Krefelder Häuser Lange und Esthers von Mies van der Rohe stehen bei den 10. Krefelder Architekturtagen im Fokus (Bild: Hans Peter Schaefer, CC-BY-SA 3.0)

Zweimal im Jahr widmen die Kunstmuseen Krefeld unter dem Titel „Mehr Mies. Krefelder Architekturtage“ dem ehemaligen Bauhausdirektor Mies van der Rohe ein Wochenende. 2015 findet das erste Mies-Wochenende vom 27. Februar bis zum 1. März statt. Es sind bereits die 10. Krefelder Architekturtage, diesmal unter dem Motto „Moderne für alle“. Neben dem Werk Mies van der Rohes steht Egon Eiermann im Rampenlicht. Die Architekturtage sollen die enge Verbindung der beiden Architekten anhand ihrer Krefelder Projekte sichtbar machen. Die von Mies Ende der 1920er Jahre gebauten Wohnhäuser „Haus Lange“ und „Haus Esters“ sind zwei der drei Dependancen der Krefelder Kunstmuseen und stellen ein Gros der Ausstellungsfläche.

Zu den Architekturtagen steht die Architektur selbst im Vordergrund: Führungen und ein Workshop sollen die Entwurfshaltung Mies van der Rohes anhand der Bauten verdeutlichen. Das Werk Egon Eiermanns wird u. a. mit zwei Führungen durch das Krefelder Stadthaus beleuchtet. Die Anlage entstand zwischen 1950 und 1956 als Verwaltungsgebäude der Vereinigten Seidenwebereien nach Plänen Eiermanns. Tickets für die Architekturtage sind ab 6 Euro (ermäßigt 2,50 Euro) erhältlich, für einige der Veranstaltungen ist eine Anmeldung erforderlich. (jr, 19.2.15)

Wohnen mit Chrom

Wohnen mit Chrom

Fauteuil Gispen 407 (W. H. Gispen, 1933) (Bild: Marc Chang Sing Pang)
Fauteuil Gispen 407 (W. H. Gispen, 1933) (Bild: Marc Chang Sing Pang)

Wenn nach einem ein Sandwich oder ein Möbelstück benannt wird, hat man es geschafft. Willem Hendrik Gispen oder Mies van der Rohe haben es geschafft. Ihre Freischwinger inszenieren das moderne Sitzen mit Polsterflächen zwischen viel Chrom. Verchromte Stahlmöbel gehörten zur frühen Moderne dazu wie Flachdach und Neonröhre. In München will nun die Tagung „Wohnen mit Chrom“ am 21. November 2014 den Besonderheiten dieses Materials nachgehen.

Als 3. Forschungsgespräch des DFG-Projekts „Kommentiertes Werkverzeichnis der Möbel und Möbelentwürfe Ludwig Mies van der Rohes“ widmen sich im Münchener Zentralinstitut für Kunstgeschichte (Katharina-von-Bora-Straße 10, 80333 München, Raum 242, 2. OG) sprechen Kunsthistoriker, Restauratoren und Hersteller über Fragen der Produktion, Rezeption und Konservierung der glänzenden Möbeloberflächen. Die Themen reichen von der Rolle der „Neuzeitliche Stahlmöbel“ in der Zwischenkriegszeit bis zur Herstellungs- und Bedeutungsgeschichte von Chrom. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, das ausführliche Programm ist online abrufbar. (kb, 16.11.14)

Obdachlos zum Jubiläum?

Obdachlos zum Jubiläum?

Das historische Bauhausgebäude in Dessau (Bild: Mewes)
Das historische Bauhausgebäude in Dessau (Bild: Mewes)

Im Jahr 2019 wird das Bauhaus 100. Bis zu diesem Jubiläum soll in Dessau ein neues Bauhausmuseum entstehen, um den Geburtstag im gebührenden Rahmen begehen zu können. Dieser Zeitplan scheint jedoch ebenso in Gefahr zu sein wie der Museumsneubau an sich: Nach Informationen von DeutschlandradioKultur ist die zugesagte Teilfinanzierung seitens des Bundes nicht sicher. Statt der in Aussicht gestellten 12,5 Millionen sind bisher offenbar gerade einmal 500 000 Euro für das Projekt eingeplant.

Mit dem prestigeträchtigen Neubau befasste sich jüngst auch ein Ausschuss des Magdeburger Landtages. Wenngleich das Land Sachsen-Anhalt zu seiner Finanzierungszusage steht, gibt es doch heftige Auseinandersetzungen um die Höhe der Baukosten und den Standort des neuen Museums. Während sich die Mitarbeiter des Bauhauses für einen Platz in unmittelbarer Nähe der Meisterhäuser aussprechen, wünscht sich Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) einen Neubau in der Dessauer Innenstadt. Pessimisten befürchten nun, das Jubiläum im Zelt feiern zu müssen… (jr, 22.10.2014)