Brokers of Modernity – Mitteleuropas Aufbruch

Nach dem Ersten Weltkrieg stand die Welt Kopf. Die bestehenden Verhältnisse wurden über Bord geworfen und nicht Weniges entstand neu: Kunst, Kultur, Architektur und in Mitteleuropa sogar die ganze Landkarte. Durch den Zerfall der großen Hegemonialmächte bildeten sich von Polen bis Litauen unzählige neue Staaten. Die Zeit kannte nur eine Richtung: Vorwärts! So ist es nicht verwunderlich, dass diese Länder die aufkeimende die Moderne mit offenen Armen empfingen. Der internationale Geist der Bewegung legitimierte die eigene Emanzipation aus den zuvor unterdrückenden Strukturen. 

Martin Kohlrausch skizziert in seiner Schrift „Brokers of Modernity East Central Europe and the Rise of Modernist Architects, 1910-1950“ den Aufstieg und Fall der Moderne in dieser Region. Für viele Protagonisten bedeutete der Begriff vielmehr als reine Raumproduktion. Das Ideal des Neuen Menschen erforderte eine radikale Revision der bisherigen Lebensweise. Im späteren Verlauf der europäischen Geschichte, geprägt durch weitere Radikalisierung aus allen Richtungen, sollten einige dafür bezahlen müssen. Dieses spannende Kapitel Architekturgeschichte ist als freies ebook hier zu lesen – oder klassisch als Paperback zu erwerben. (jm, 21.12.19)

Titlmotiv: Buchcover, Detail

Sozialistischer Realismus

Es gab Jahrzehnte, da wurde der Kalte Krieg – auch – auf Häuserfassaden ausgetragen: Die Abstraktion sollte den Westen, der Realismus den Osten vertreten. In der Rückschau bieten (gerade) die künstlerischen Ausdrucksformen des Sozialistischen Realismus beeindruckende Zeugnisse der Nachkriegsmoderne. Um dieses Erbe in seiner ganzen Vielfalt – von seinen traditionelle Wurzeln über seine realistischen oder rationalistischen Ansätze bis hin zu seinen avantgardistisch-modernen Spielarten – angemessen würdigen zu können, stellte der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) nun eine umfassende Publikation zusammen.

Unter dem Titel „Sozialistischer Realismus und Sozialistische Moderne“ veröffentlichte der Berliner Bäßler-Verlag verschiedene Welterbevorschläge aus Mittel- und Osteuropa. Dokumentiert werden Nominierungsvorschläge von unterschiedlichen nationalen Tentativlisten: Länder wie Tschechien und Weißrussland, aber auch Cuba sind vertreten. Und die deutsche Senatsinitiative „Doppeltes Berlin“, welche die Karl-Marx-Allee und das Hansaviertel als künftiges Welterbe sieht. (5.5.14)

Sozialistischer Realismus und Sozialistische Moderne. Welterbevorschläge aus Mittel- und Osteuropa. Socialist Realism and Socialist Modernism. World Heritage Proposals from Central and Eastern Europe (ICOMOS. Hefte des Deutschen Nationalkomitees LVII), Bäßler-Verlag, Berlin, 2013, broschiert, 168 Seiten, 130 Abbildungen und zahlreiche Dokumente, deutsch/englisch, 21 x 29,6 cm, ISBN 978-3-930388-90-5.

Die neue ICOMOS-Publikation „Sozialistischer Realismus und Sozialistische Moderne“