Kramer zum Umhängen

Ferdinand Kramer verbindet man in erster Linie mit den nüchtern-modernen Universitätsbauten, die er beim Wiederaufbau der Frankfurter Goethe-Universität in den 1950er und 1960er Jahren baute. Dabei beschränkte er sich nicht auf die Planung der Gebäude, sondern entwarf in vielen Fälle auch gleich das passende Mobiliar dazu. Nun erfährt eine Arbeit Kramers aus einer ganz anderen Richtung eine Wiederauflage: eine Handtasche, die der Architekt 1963 entworfen hatte.

Das Unikat entstand ursprünglich aus einer privaten Verlegenheit: Als Kramer kein passendes Geschenk für seine Ehefrau finden konnte, entwarf er kurzerhand selbst Handtasche und Abendkleid für die Gattin. Das Frankfurter Label Tsatsas nahm den schlicht-eleganten Entwurf nun zur Vorlage einer kleinen Handtaschenkollektion. Die ursprüngliche Handtasche wurde dabei nur leicht verändert, da die zeitlose Form bis heute modern wirkt. Die Handtasche ist nicht die erste Wiederauflage eines Kramermodells. So hat die Firma e15 seit 2013 verschiedene Möbel nach Entwurf des Architekten im Sortiment. (jr, 26.1.18)

Kramer-Handtasche (Bild: TSATSAS)

Fashion on the Ration

Flicken sind patriotisch, zumindest forderte dies die Parole „Make Do and Mend“ in den frühen 1940er Jahren von den Briten. Genauer gesagt von den Britinnen, denn während die Männer durch Soldatenuniformen dem Modezwang in wirtschaftlich knappen Zeiten entkamen, standen viele Frauen vor Beschaffungsproblemen. Mit einem Coupon-System waren die wenigen verkäuflichen Kleidungsstücke streng rationiert. Da half nur Extra-Geld – oder eben Flicken.

Wie sich die Britinnen dieser Herausforderung während des Zweiten Weltkriegs kreativ stellten, ist noch bis zum 31. August 2015 in Londoner Imperial War Museum zu sehen. Die Ausstellung „Fashion on the Ration. 1940s Street Style“ gewährt anhand des scheinbar leichten Themas Mode einen tiefen Blick in die alltäglichen Seiten eines Krieges. Denn die verbliebene Modeindustrie wusste sich zu helfen und erklärte kurzerhand das gute Aussehen zur patriotischen Pflicht – um den Kampfgeist des Mannes zu stärken und den Siegeswillen der Nation zu vertreten. Wer die Reise über den Kanal scheut, kann sich in das Thema auch mit  der begleitenden Publikation von Julia Summers vertiefen. (kb, 28.5.15)

In London widmet sich eine Ausstellung dem „Street Style“ der 1940er Jahre, als Mode in knappen Zeiten zur „Patriotenpflicht wurde (Bild: Imperial War Museum, London)

Das Mondrian-Kleid wird 50

Mondrian-Kleid, Yves Saint Laurent (Bild: Eric Koch/Anefo (Nationaal Archief), CC BY-SA 3.0)
Das legendäre Mondrian-Kleid stellte Yves Saint Laurent 1965 der Modewelt vor (Bild: Eric Koch/Anefo (Nationaal Archief), CC BY-SA 3.0)

„Drei Löcher für die Arme und den Kopf, das ist alles“ – so soll sich der französische Unternehmer Pierre Bergé über das Mondrian-Kleid geäußert haben. Entworfen hatte es sein Lebensgefährte, der Modeschöpfer Yves Saint Laurent. Das Jersey-Minikleid mit dem strengen grafischen Muster wurde durch den niederländischen Künstler Piet Mondrian inspiriert. Alle Flächen in den Mondrianfarben Rot, Gelb und Blau wurden durch gerade schwarze Nähte verbunden.

Der fast architektonische Schnitt des Kleids – in der Fachsprache uncharmant auch „Sackkleid“ genannt – ignorierte den weiblichen Körper völlig: Er wurde zum puren „Gerüst“ für das künstlerisch angehauchte Muster. Nachdem Yves Saint Laurent seinen Entwurf 1965 in Paris vorgestellt hatte, machte er rasch Furore. Das Mondrian-Kleid schaffte es auf die Titelseiten der angesagten Gazetten wie „Elle“. Auf seiner letzten Modenschau präsentierte es Yves Saint Laurent 2002 selbst als einen seiner wegweisenden Entwürfe. Heute zeigen Museen wie das Metropolitan Museum of Art das Mondrian-Kleid als eine Schöpfung, die Modegeschichte schrieb. (kb, 27.1.15)