24 Räume pro Sekunde

Ein Modell allein erzählt schon viel über ein Gebäude: Im verkleinerten Maßstab lassen sich die Proportionen der Architektur besser überschauen und im Wortsinn begreifen. Mit der Ausstellung “24 Räume pro Sekunde – Wenn Film das Modell zum Leben erweckt” wird dieses Medium um den Kurzfilm erweitert. Das Kurator:innenteam versteht dies als “eine wertvolle Ergänzung zur konventionellen Architekturdarstellung”, wobei auch der narrative Aspekt nicht zu kurz kommen soll. Gezeigt werden vier ausgewählte filmkünstlerische Werke: „Transparent Scenario (Set for a Possible Movie)“ von Karina Nimmerfall, „HausBauMaschine“ von Amir Yatziv, „Construction Lines“ von Max Colson und „Het wezen van de Stad“ von Maurice Bogaert. Alle Installationen aus Film und Modell drehen sich bewegen um den Umbau der Städte – von der klassischen Moderne des frühen 20. Jahrhunderts über die Rationalisierung des Bauwesens und den industriellen Massenwohnungsbau bis hin zur gegenwärtigen Bodenspekulation.

Die Ausstellung ist bis zum 21. November 2021 in der Architekturgalerie am Weißenhof in Stuttgart zu sehen – und nimmt auch künstlerisch Bezug auf diesen Standort und die hier greifbaren Ideale des Werkbunds. Im Rahmen einer Kooperation mit „Raumwelten – Plattform für Szenografie, Architektur und Medien“ ist parallel vom 17. bis zum 21. November 2021 in der Karlskaserne Ludwigsburg (Hindenburgstraße 29, 71638 Ludwigsburg) die fünfte Installation „Reconstructing Mariënbad“ von Mats Dekock zu sehen. Dort wird die Ausstellungseröffnung am 16. November 2021 um 17.30 Uhr im Kunstzentrum Karlskaserne gefeiert. Für den 19. November 2021 ist in Ludwigsburg um 9.45 Uhr ein Vortrag von Mats Dekock angesetzt. Die Finissage findet am 20. November 2021 um 16 Uhr in der Architekturgalerie am Weißenhof in Stuttgart statt. Zu den jeweiligen Hygieneregeln informieren Sie sich bitte vorab bei den Veranstalter:innen. (kb, 2.11.21)

HausBauMaschine (Bild: Amir Yatziv)

Papier-Brutalismus

Ein Brutalismus-Wohnblock, der zu 100 Prozent biologisch abbaubar ist? Klingt komisch – ist aber so. Denn er ist aus Papier und kann in den heimischen vier Wänden sowohl gebaut als auch aufgestellt werden. Die polnischen Bastelbogen-Künstler von ZUPAGRAFIKA bieten eine breite Palette solcher Papier-Brutalismen an: Im Programm sind etwa moderne Schönheiten aus London und Paris. Ebenso kann man sich in den Grundformen und Primärfarben des Konstruktivismus seine eigene “Avantgarde-Siedlung” zusammenbasteln.

Nun gibt es auch sieben grandiose Beton-Burgen des ehemaligen Ostblocks zu kaufen. Unter anderem der von 1967 bis 1975 entstandene “Manhattan”-Wohnkomlex in Wroclaw/Breslau (Jadwiga Grabowska) und das Haus der Sowjets in Kaliningrad. Wenn Sie also anhaltendes Regenwetter aus dem Freibad in den heimischen Bastelkeller zwingt, haben Sie hoffentlich vorgesorgt. An uns hat es dann jedenfalls nicht gelegen! (db, 30.7.17)

Breslau, Hochhaus-Bastelbogen (Foto: Copyright Zupagrafika)