Ostmoderne – Westmoderne

Neben der West- gab es auch eine Ostmoderne, oder umgekehrt – so die These des Designtheoretikers Walter Scheiffele. In seiner neuen Publikation, frisch erschienen bei Spectator Books, zeichnet er das Wechselspiel zwischen beiden nach: am Beispiel der Möbel, die seit Werkbundzeiten in den Deutschen Werkstätten Hellerau gebaut wurden. Künstler wie Mart Stam, Selman Selmanagic oder Franz Ehrlich gaben hier schon früh Impulse, die von der Möbelgestaltung bis zum Städtebau lange weiterwirken sollten.

Nach Kriegsende avancierten die Deutschen Werkstätten zum führenden Möbelhersteller der DDR, der die Möbelprogramme von Selmanagic und Ehrlich in Serie produzierte. In der BRD gelangten zeitgleich das Typenmöbelprogramm M 125 von Hans Gugelot und das INwand-System von Herbert Hirche in die Wohnzimmer. In der Ostmoderne, in Hellerau wiederum führte Rudolf Horn das Möbeldesign mit seinem MDW-Montagemöbelsystem die Möbelgestaltung zu einem neuen Höhepunkt. Am 1. Oktober findet im Zentrum für Baukultur Sachsen (Schloßstraße 2, Dresden) um 19 Uhr eine Buchvorstellung statt. (kb, 1.10.19)

Scheiffele, Walter, Ostmoderne – Westmoderne, Spectator Books, Leipzig 2019, 382 Seiten, fadengehefteter Festeinband, 21,7 x 27 cm, ISBN: 9783959053266.

Hellerau, Möbelfabrik, Stuhlpresse, 1951 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-12500-0004, CC BY SA 3.0, Foto: Peter Heinz Junge)

Magdeburg: Reformstadt der Moderne

Das diesjährige Landesmotto Sachsen-Anhalts „Hier machte das Bauhaus Schule“ zieht die Aufmerksamkeit sofort in den Orbit der berühmten Dessauer Kunstschule. Dabei geht wieder einmal unter, was viele längst vergessen haben: Die Landeshauptstadt Magdeburg marschierte in den 1920er Jahren in der ersten Reihe der modernen Bewegung. Bereits 1921 berief man keinen Geringeren als Bruno Taut zum Stadtbaurat. Danach wurde es bunt in Magdeburg: Nicht nur die Fassaden, auch der Kreis junger progressiver Gestalter um Taut versuchten, die Industriestadt in das lichte Zeitalter der Moderne zu katapultieren. Wenige Jahre später entstand hier mit der Beimssiedlung die erste  moderne Großsiedlung ihrer Art in Deutschland.

Dass Magdeburg sich nicht hinter dem dem Schatten des zu Recht häufig memorierten „Neuen Frankfurt“ ducken brauchte, zeigt nun die Ausstellung „Reformstadt der Moderne. Magdeburg in den Zwanzigern“ im Kulturhistorischen Museum der Stadt (Otto-von-Guericke Straße 68-73, 39104 Magdeburg). Vom 8. März bis zum 19. Juni 2019 kann man dort Mustergültigem aus jenen Jahren begegnen. Von spielerischen Glasbaukästen Tauts über Grafiken bis hin zu Auszügen aus der international beachteten Theaterausstellung wird hier alles aufgearbeitet, was damals avantgardistisches an der Elbe produziert wurde. 1933 bereitete der Nationalsozialismus auch der modernen Musterstadt Magdeburg ein jähes Ende. (jm, 12.3.19)

Magdeburg, Albinmüller-Turm im Stadtpark anlässlich der Deutschen Theaterausstellung im Jahr 1927 (Bild: Kulturhistorisches Museum Magdeburg, Detail)

Stipendium für Moderne-Promotion ausgelobt

Gute Nachrichten für alle Hamburger Modernisten: Das Kunstgeschichtliche Seminar der Uni Hamburg schreibt gemeinsam mit der Sutor-Stiftung zum 1. März 2019 ein Promotionsstipendium im Bereich Architekturgeschichte und -theorie der Moderne aus: 1.365 Euro monatlich (zzgl. max. 103 Euro monatliche Sach- und Reisekosten) für zwei Jahre, die nach Evaluation um ein weiteres Jahr verlängert werden können. Auch Projekte mit einer geringeren Arbeitsdauer können berücksichtigt werden. Der/die Geförderte, der/die seine Promotion an der Uni Hamburg durchführen soll, kann auf Antrag in die Graduiertenschule des Fachbereichs Geisteswissenschaften an der Uni Hamburg aufgenommen werden.

Die Organisatoren wünschen sich ein Thema im Bereich Architekturgeschichte und -theorie der Moderne, wenn möglich mit Hamburg-Bezug – ggf. unter Nutzung einschlägiger Archive wie dem Hamburgischen Architekturarchiv oder dem Hamburger Staatsarchiv. Voraussetzungen sind ein abgeschlossenes Hochschulstudium (Magister/Master/Dipl.-Ing.) der Kunstgeschichte oder eines verwandten Fachs. Zudem müssen die Zulassungsvoraussetzungen zur Promotion laut Promotionsordnung der Fakultät für Geisteswissenschaften der Uni Hamburg erfüllt sein. Bewerbungen mit einem Exposé des Promotionsvorhabens (max. 6 Seiten), Lebenslauf, Kopien der Abschlusszeugnisse, Angabe der Kontaktdaten zweier Referenzpersonen sowie Leseproben (max. 10 Seiten) sind elektronisch in einer einzigen PDF-Datei bis zum 30. Januar 2019 zu richten an Dr. Frank Schmitz: frank.schmitz@uni-hamburg.de. (kb, 5.12.18)

Hamburg, Großmarkt (Bild: LoboStudio Hamburg, CC0 1.0, PD, 2016)