Heidelberger Architekt Dieter Quast gestorben

Der Architekt und Innenarchitekt Dieter Quast ist am 21. November 2020 im Alter von 92 Jahren verstorben, wie seine Familie am vergangenen Samstag bekannt gab. Bis zuletzt lebte Quast im Stadtteil Boxberg, einer Waldsiedlung aus den 1960er Jahren, die er mit zahlreichen Bauten entscheidend prägte. Geboren am 6. Mai 1928, wuchs Quast in der Heidelberger Altstadt auf. Nach dem Abitur begann er eine Schreinerlehre, die die Voraussetzung für sein Studium der Innenarchitektur an der Hochschule für Bildende Künste in Stuttgart bildete. Zu seinen Lehrern zählte der bekannte Designer Herbert Hirche, bei dem Quast nach dem Diplom als Assistent tätig war. 1955 folgte die Eröffnung eines eigenen Architekturbüros in Heidelberg.

Mit seinen Kirchenbauten – wie der Matthäuskirche in Baden-Baden (1961) oder der Lutherkirche in Heidelberg (1966) – konnte sich Quast einen Namen machen. Auf Vermittlung von Herta-Maria Witzemann wurde er für den Wiederaufbau des Karlsruher Schlosses engagiert und gestaltete die Innenräume für das Badische Landesmuseum neu. Auch am Wiederaufbau des Bruchsaler Schlosses war Quast beteiligt. Durch seine Museumsbauten wurde Quast in den 1970er Jahren einem größeren Publikum bekannt. Zu nennen sind der Neubau des Sprengelmuseums in Hannover (1979, mit Peter und Ursula Trint) und der Umbau des documenta-Museums Fridericianum in Kassel (1988). (mk, 4.12.20)

Hannover, Sprengelmuseum (Bild: Axel Hindemith, PD, via wikimedia commons, 2005)

Wochenend und Sonnenschein

Der Klassischen Moderne gehört das Wochenende vom 18. bis 20. September im Berliner Südwesten. Der Fachbereich Kultur des Bezirksamtes Steglitz Zehlendorf widmet sich mehrerer ikonischer Bauten, die zwischen 1910 und 1932 entstanden sind: Von Richard Neutras Villen über Bruno Tauts Siedlung Onkel Toms Hütte bis zu den diversen Reihenhaus-Bauten am Botanischen Garten gibt es am „Wochenende der Moderne“ sechs organisierte Touren, die unterschiedliche Besonderheiten der Moderne aufdecken.

Zum Auftakt wird die Architektin Regine Leibinger am Freitag, 18. September einen Vortrag halten, beschlossen wird das Ganze am Sonntagabend mit einem Abschlusskonzert mit dem KNM Quartett aus Berlin. Beides findet im Haus am Waldsee statt und ist (nach Anmeldung!) kostenlos. Wer an einer der Touren teilnehmen möchte, sollte sich zügig anmelden, denn die Plätze sind jeweils auf 20 Teilnehmer beschränkt. Tickets kosten für jede Tour 12 Euro und sind nur online verfügbar. (db, 9.9.20)

Berlin, Wilskistraße (Bild: Gyxmz, CC BY-SA 3.0)

Gehen Sie über Loos

Im Jahr 2020 jährt sich der Geburtstag von Adolf Loos zum 150. Mal. Anlass für das Architekturzentrum Wien, einem der Pioniere der Moderne ein Schaufenster und eine Installation innerhalb der a_schau (der Dauerschau des Az W) zu widmen. Loos´ Schriften und Bauten haben sich in die globale Architekturgeschichte eingeschrieben. Von entscheidendem Einfluss war vor allem sein Konzept des „Raumplans“, welches er 1930 in einem Vortrag in Pilsen wie folgt beschrieb: „Meine Architektur ist überhaupt nicht in Plänen konzipiert, sondern in Räumen beziehungsweise Kuben. Ich plane keinerlei Grundrisse, Fassaden, Aufrisse. Sondern Räume. (…). Die Geschosse verfließen ineinander und knüpfen aneinander an.“

Die Sonderschau „Adolf Loos – Nachleben“ ist vom 3. bis 30. September im Az W zu sehen; ihre Kuratorinnen Monika Platzer und Sonja Pisarik nehmen die Loos’sche Strahlkraft auf die nachfolgenden Generationen bis in die Gegenwart unter die Lupe. Ausgehend von einem originalen Fundstück eröffnet sich mit einem Fenster zum Hof die Auseinandersetzung. In der Dauerausstellung sind hierzu ergänzende Projekte aus der Sammlung des Az W zu sehen, die sich von Adolf Loos inspirieren ließen. Sind’s also so nett bittschön, und gehen’s über Loos, wenn’s in Wean san … (db, 54.9.20)

Wien, Loos-Haus (Bild: Olga Sitnik, CC BY SA 3.0)