Als Fernseher noch vermöbelt wurden

Allen Unkenrufen vom sterbenden Medium zum Trotz ist der Fernseher hierzulande noch immer das Zentrum diverser Wohnzimmer. Eigens für ihn entworfene Anrichten setzen den meist flachen Bildschirm in altarhafter Manier in Szene und bieten DVD-Player und weiterem Zubehör Raum. Doch das war nicht immer so: die ersten Geräte, die für den Heimgebrauch angeboten wurden, antizipierten ihr neues Umfeld und eroberten das Wohnzimmer in hölzerner Tarnung. Eine jüngst erschienene Untersuchung nimmt diese Medien-Vermöbelung in den Blick und sucht nach Rückschlüssen auf die bundesrepublikanische Wohnkultur.

Der Fokus liegt auf den mächtigen Geräten der 1950er und 60er Jahre. Mit der Analyse von historischem Quellenmaterial aus Einrichtungs- und Programmzeitschriften, Werbeanzeigen und Fernsehfibeln stellt die Studie dabei einen Kulturvergleich mit den USA an. Doch so historisch, wie der Gegenstand auf den ersten Blick scheint, ist die Vermöbelung des Fernsehers gar nicht: 2012 brachte ein großer schwedischer Möbelhersteller eine Einrichtungskombination auf den Markt, die, so versprach die Werbung, „Fernsehen, Soundsystem und Möbelstück […] endlich [!] vereint“. (jr, 25.10.18)

Miggelbrink, Monique, Fernsehen und Wohnkultur. Zur Vermöbelung von Fernsehgeräten in der BRD der 1950er- und 1960er-Jahre, transcript, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-4253-7.

Landwarenhaus, Lübow, 1960 (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-71699-0003, CC BY SA 3.0)

Viel Stauraum

Das Punkthochhaus PH 16 zählte in der DDR zu einem der höchsten Plattenwohnbautypen. Auch in Leipzig prägte das PH 16 das Stadtbild gleich mehrerer Stadtteile. Inzwischen sind viele dieser markanten Bauten abgerissen oder durch eine Sanierung bis zur Unkenntlichkeit verändert. Vor diesem Hintergrund hat es sich die Leipziger „deinTischler“ – wie wir über einen Hinweis der Plattform ostmodern.org erfuhren, auch „Jeder Quadratmeter Du“ liebt dieses Möbel – der Aufgabe verschrieben, „dieses und anderer Gebäude in Form von Möbelstücken“ zu archivieren.

Das Möbelstück „PunktHochhausMöbel – PHM 16“ eignet sich nach Herstellerangabe für Büro oder Zuhause. Es steht frei im Raum, kann daher über viel ostmodern aussehenden Stauraum hinaus auch als Raumteiler dienen. Hierfür kombiniert „deinTischler“ drei Hochhausschränke zu einer Grundfläche von ca. 150 x 150 cm. Die Maße werden wie folgt angegeben: zwei Stück à 94,3 x 222,5 x 60 cm, ein Stück à 112,7 x 236,7 x 60 cm. Jeder Schrank verfügt über zwei große „Push-to-open“-Türen. Das Innenleben kann den Kundenwünschen individuell angepasst werden. Durch Zahnleisten lassen sich Fachböden, Schubkästen oder Kleiderstangen einsetzen. So praktisch kann Denkmalpflege sein! (kb, 2.10.18)

PunktHochhausMöbel – PHM 16 (Bild: dein-tischler-leipzig.de)

Gesessen wird immer

Auch in stürmischen Zeiten gibt es einige wenige Branchen, die krisensicher scheinen: Friseur (Haar wachsen immer), Chocolatier (muss man nicht begründen) – und Möbel. Das Sitzen, Liegen, Arbeiten, Wohnen zählt zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Da ist es nur konsequent, dass die Baumeister mit dem Haus auch gleich die Einrichtung entwerfen. Denn hier greifen Architektur und Design ineinander und im besten Fall entstehen kleine Kunstwerke. Mit der Präsentation „Architektenmöbel. Möbelmanifeste“ stellt das Neue Museum Nürnberg (Staatliches Museum für Kunst und Design) nun Möbel-Entwürfe von verschiedenen architektonischen Strömungen und Gruppierungen vor.

So zeigen die Stuhlkonstruktionen von Egon Eiermann (1904-70) auch die funktionale Seite der deutschen Nachkriegsmoderne. Im Material der Möbel von Frank Gehry (* 1929) offenbart sich sein dekonstruktivistischer Ansatz. Oder in den Flächenrastern der Objekte von Superstudio (ab 1966 in Florenz) wird dessen in die Unendlichkeit fortgeführte Utopie abgebildet. Damit machen diese sehenswerten Zeugnisse der Designentwicklung auch ein Stück moderner Architekturgeschichte greifbar. (kb, 26.4.18)

Blick in die Ausstellung „Architektenmöbel“ (Bild: Neues Museum Nürnberg, Foto: Anna Seibel)