Majolika-Mosaik steht vor der Sanierung

Das Majolika-Mosaik „Einheit der Arbeiterklasse und Gründung der DDR“ in Halle-Neustadt soll saniert werden: Aus Anlass des 25. Jahrestages der Gründung der DDR (1974) wurden in der damaligen Chemiearbeiterstadt Halle-Neustadt an einem Lehrlingswohnheim zwei Mosaike aus je ca. 11.000 Einzelfliesen eingeweiht. Die jeweils 7 Meter breiten und 35 Meter hohen Majolika-Mosaike des spanischen Malers und Grafikers Josep Renau (Berenguer), der sich 1958 auf Einladung der Regierung in der DDR niedergelassen hatte, gehören, so das denkmalfachliche Gutachten, „zu den herausragenden Werken der ‘Kunst am Bau’ in der DDR“ und stehen seit den 1990er Jahren unter Denkmalschutz. Das Wandbild soll das erste Großprojekt des Künstlers in der DDR darstellen.

Das Wandbild am südlichen Treppenhausrisalit wurde bereits 2005 restauriert, das Bild am nördlichen Treppenhausrisalit ist nun an der Reihe, denn es musste bereits mit Netzen abgesichert werden. Vor fünf Jahren gab es erste Pläne, das Wandbild am jetzigen Verwaltungsgebäude der Stadt Halle zu restaurieren. Die Kosten dafür wurden auf ca. eine Million Euro geschätzt, die zu einem großen Teil aus Fördermitteln kommen sollen. Die Stadt Halle wird etwa 200.000 Euro übernehmen. Gegenwärtig laufen restauratorische Voruntersuchungen am Wandbild. Wenn die Restaurierung nicht zeitnah zustande kommt, müsste das Wandbild abgenommen und gesichert eingelagert werden. Auch an anderen Orten gewinnt Renaus Werk gerade neue Wertschätzung, so zuletzt 2019 mit der Wiederanbringung seines frisch restaurierten Mosaiks in Erfurt. (29.10.21, Wolfram Friedrich)

Halle/Saale, Bildungszentrum, Majolika-Mosaik „Einheit der Arbeiterklasse und Gründung der DDR“ (Bild: Wolfram Friedri
Halle/Saale, Bildungszentrum, Majolika-Mosaik „Einheit der Arbeiterklasse und Gründung der DDR“ (Bild: Wolfram Friedri

Halle-Neustadt, Bildungszentrum, Majolika-Mosaik „Einheit der Arbeiterklasse und Gründung der DDR“ (Bilder: Wolfram Friedrich)

Ein Haufen kleiner Steine

Ob an Schulen, Rathäusern oder privaten Eigenheimen, das Mosaik gehört in der Nachkriegszeit mit zu den beliebtesten Techniken der Kunst am Bau. Architekturbezogene Werke konnten nach 1945 in ganz unterschiedlichen Techniken ausgeführt werden. Ihr Bildprogramm fällt mal hochsymbolisch, mal rein dekorativ aus. In jedem Fall zählt sie rückblickend zu den prägenden Kulturzeugnissen einer in sich abgeschlossenen Epoche. Vor diesem Hintergrund plant das Dresdener Amt für Kultur und Denkmalschutz die Fachtagung “Mosaiken und keramische Wandflächen der Nachkriegsmoderne in der Denkmalpflege”.

Für die Veranstaltung werden vorlaufend noch Themen gesucht. Mögliche Schwerpunkte sind: historische Dimensionen; Programmatik, Ästhetik, Inszenierung; Denkmalpflege und Gesellschaft; Beispiele des Umgangs zwischen Zerstörung und Restaurierung sowie aktuelle Aspekte. Die Veranstaltung soll vom 27. bis 29. Oktober 2021 in Dresden stattfinden. Vorschläge können mit einer kurzen Inhaltsangabe (maximal eine halbe DIN A4-Seite) noch bis zum 30. Januar 2021 eingereicht werden an: denkmaltagung@dresden.de oder Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz, Dr. Bernhard Sterra, Postfach 12 00 20, 01001 Dresden. (kb, 8.12.20)

Basel, Wasgenringschule, Mosaik “Vogelzug” von Hans Weidmann (Bild: EinDao, CC BY SA 4.0, 2019)


Peukert bald weggedämmt?

Im Hanauer Stadtteil Großauheim könnten ein Mosaik und ein Sgraffito August Peukerts aus den 1950er Jahren dank energetischer Sanierung bald unsichtbar sein. Peukert war ein aus Hanau stammender Maler und Glasmaler, der ab den 1930er Jahren an Kunstausstellungen teilnahm. Eine Auswahl seiner Werke ist in einer Abteilung des Museums Großauheim zu sehen. Mosaik und Sgraffito tragen bislang dazu bei, die Giebelflächen zweier schlichter Zeilenbauten aus der Nachkriegszeit ein wenig schmuckvoller aussehen zu lasen. Die Motive beziehen sich dabei auf die Bewohnerschaft der ursprünglichen Arbeitersiedlung: Stilisierte Bauern und Metallarbeiter werden auf dem Acker beziehungsweise in der Werkstatt gezeigt.

Für die Kunst an den Gebäuden im Eigentum einer Genossenschaft gibt es jedoch noch Hoffnung: Wie der Hanauer Anzeiger berichtet, bemüht sich der örtliche Heimat- und Geschichtsverein darum, in einem bereits terminierten Gespräch auf einen Erhalt von Peukerts Werken hinzuwirken. Mittlerweile hat sich auch die SPD Großauheim/Wolfgang für einen Erhalt ausgesprochen. Technisch möglich wäre es, zum Beispiel mit einer Aussparung der Flächen oder gar durch eine Translozierung der Kunstwerke. Doch es dürfte in dem Gespräch vor allem um finanzielle Fragen gehen: Wer trägt die möglichen Kosten für eine Erhaltung? (mk, 31.7.20)