Viele bunte Steine – für Selbstabholder

Solange ein gutes Bier in guter Gesellschaft immer noch coronabedingten Beschränkungen unterliegt, haben wir hier eine Alternative: In der ehemaligen Kantine der Holstenbrauerei findet sich ein Wandmosaik, das Bier-Herstellung zum Thema hat – vom Brauvorgang über die Abfüllung bis hin zur fertigen Flasche. Die Gestaltung stammt aus den Nachkriegsjahrzehnten, der Künstler ist unbekannt.

Leider steht das Mosaikbild nicht unter Denkmalschutz. Weder der alte noch der neue Eigentümer zeigen sich interessiert, den Wandschmuck zu erhalten. Wohl im September 2020 wird die Kantine samt Mosaik niedergelegt. Noch ist Rettung möglich, zumindest für das Wandbild. Wer einen mindestens fünfstelligen Betrag für die Translozierung und Sicherung aufbringen möchte, kann sich wenden an: Torsten Koschützke von der Projektgruppe Holsten des Bezirksamts Altona (Kontakt auch über den Denkmalverein Hamburg). (kb, 23.5.20)

Hamburg, Holsten-Brauerei, Kantine (Bild: Walter Schießwohl)

Hamburg, Holsten-Brauerei, Kantine (Bilder: Walter Schießwohl)

ÜBER ECK: Das bunte Erbe der DDR

In Potsdam wird der Diskurs über die baulichen Zeugen der Ex-DDR besonders leidenschaftlich geführt. Einige Kräfte bemühen sich dort eifrig, die Überbleibsel des lange verschwundenen Staates gänzlich aus dem Stadtbild zu tilgen. Die Uhr sollte dieser Position zufolge, zumindest ästhetisch, auf die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurückgedreht werden. Unter akuter Abrissbedrohung steht auch das ehemalige Rechenzentrum – heute Heimstätte für Künstler und Kreative – welches von einem herausragenden Beispiel ostmoderner Kunst am Bau geziert wird. Fritz Eisel schuf 1971 das Mosaik: „Der Mensch bezwingt den Kosmos“. Von nun an kündeten Kosmonauten vom vermeintlichen Sieg des Sozialismus inmitten der alten preussischen Residenz.

Vor diesem Hintergrund findet das Symposium „ÜBER ECK: Bauerbe der DDR“ statt. Beginn der Veranstaltung ist am 28.02.2020, zunächst im Potsdam Museum, Am Alten Markt 9, 14467 Potsdam. Weiter geht es dann im Rechenzentrum selbst, Dortusstraße 46, 14467 Potsdam. Themenschwerpunkt wird die Bedeutung und Interpretation des Mosaiks, sowie grundsätzlich baubezogene Kunst im öffentlichen Raum sein. Die Ergebnisse des Symposiums werden als Dokumentation gesichert, zeitgleich findet im Potsdam Museum eine Begleitausstellung statt. (jm, 24.2.20)

Potsdam, Rechenzentrum (Bild: rzpotsdam)

Die Rückkehr eines Wandbilds

Überall fallen künstlerische Zeugnisse der Ostmoderne. Überall? Nein, Erfurt … Bis zum Sommer 2017 lässt die Stadt das 6 x 28 Meter große Glaskeramik-Wandmosaik „Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik“ von Josep Renau (1907-82) restaurieren. Der bis 1976 in der DDR ansässige spanische Künstler schuf das monumentale Werk für das ehemalige Kultur- und Freizeitzentrum in Erfurt. Seine Beauftragung zog sich von 1975 bis 1980 hin, die Einweihung erfolgte 1984.

2008 wurde das Wandbild am Moskauer Platz in Erfurt unter Denkmalschutz gestellt. Als das leerstehende Kultur-und Freizeitzentrum abgerissen werden sollte, wurde das monumentale Kunstwerk 2012 abgenommen und eingelagert. Nun kehrt es, in einer konzertierten Aktion von Stadt, Kulturdirektion, Wüstenrot Stiftung, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und „bürgerschaftlichem Engagement“, an seinen alten Ort zurück. Zu diesem Anlass werden aktuell im Grafikkabinett des Angermuseums (Anger 18, 99084 Erfurt) Studien, Entwürfe, Fotodokumente und der maßstäbliche Karton zum Wandbild präsentiert. Die Ausstellung „Josep Renau und sein Erfurter Wandbild“ ist noch bis zum 28. Mai 2017 zu sehen. (kb, 18.4.17)

Titelmotiv: Josep Renau, Entwurf zum Erfurter Wandbild (Detail), 1982, Mischtechnik auf Holz (Bild: © Stadtverwaltung Erfurt/D. Urban)