Vom Bauhausdirektor zum Brigadisten

Hannes Meyer ist der wohl unbekannteste Bauhausdirektor. 1928 übernahm der Architekt das Amt von Walter Gropius, bereits 1930 wurde er aus politischen Gründen wieder entlassen. Meyer hatte unter der Parole „Volksbedarf statt Luxusbedarf!“ die sozialpolitische Verantwortung der Kunstschule in den Mittelpunkt seines Schaffens gestellt. Nach seinem Rauswurf in Dessau setzte er seine Tätigkeit in der Sowjetunion fort. Viele ehemalige Schüler folgten ihm und bildeten die „Brigade Meyer“. Eine Ausstellung in Moskau beleuchtet die Arbeit dieser und weiterer Bauhäusler in der UdSSR.

In den 1930er Jahren erschien der Arbeiter- und Bauernstaat vielen Architekten als attraktive Schaffensstätte. Während die Weltwirtschaftskrise 1929 die Bautätigkeit in Westeuropa und den USA gelähmt hatte, versprachen die gigantischen Bauprojekte des Fünfjahrplans anspruchsvolle Projekte. Neben Meyer fokussiert die Ausstellung die Bauhäusler Konrad Püschel und Philipp Tolziner, die ihre Dessauer Expertise ebenfalls in den sozialistischen Kontext transferierten. Die Schau mit dem Titel Moving Away: The Internationalist Architect“ ist bis zum 30. November 2018 im Moskauer Museum Garage zu sehen. Sie ist Teil des Projekts Bauhaus-Imaginista, das zum Bauhausjubiläum 2019 die Rezeption der Kunstschule in der ganzen Welt in den Blick nimmt. (jr, 7.10.18)

Hanney Meyer, Laubenganghäuser Dessau-Törten (Bild: M_H.DE, CC BY SA 3.0)

Hidden Urbanism

Hidden Urbanism

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Hidden Urbanism (Bild: dom-publishers)

Die Moskauer Metro steht vor einer historischen Expansion. Bis 2017 soll das Streckennetz um 80 Kilometer erweitert werden – das ist rund ein Viertel des derzeitigen Gesamtnetzes. Grund genug, einen ausführlichen Blick auf die U-Bahn zu werfen, die 1930 mit dem Anspruch erbaut wurde, weltweit die schönste ihrer Art zu werden. Die Publikation Hidden Urbanism tut dies und porträtiert den Untergrund von Russlands Hauptstadt in beeindruckenden Fotografien und vertiefenden Aufsätzen.

Die prunkvollen stalinbarocken Stationen der 1930er sind inzwischen wohl hinlänglich bekannt. Der Band belässt es daher nicht bei einem Porträt dieser unterirdischen Paläste, sondern setzt die Fahrt in die publizistisch weit weniger ausgeleuchteten Tunnel der Metro fort. So entsteht eine umfangreiche Dokumentation, die bis in die Gegenwart reicht und den stetigen Ausbau der Metro auch als Instrument der Stadtentwicklung versteht. Das Buch beschränkt sich dabei nicht nur auf architektonische Aspekte, sondern bezieht auch Design und Corporate Identity ein. (jr, 30.9.16)

Kuznetso, Sergey/Zmeul, Alexander/Kagarov, Erken, Hidden Urbanism. Architecture and Design of the Moscow Metro 1935 – 2015, hg. von Philipp Meuser und Anna Martovitskaya, 352 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-86922-412-1 (Englisch), 978-3-86922-413-8 (Russisch) DOM publishers, Berlin 2016.

Konstruktivistischer Reiseführer

Konstruktivistischer Reiseführer

Constructivist Moscow Map (Bild Blue Crow Media)
Die Constructivist Moscow Map versammelt Ikonen des Konstruktivismus in Moskau (Bild Blue Crow Media)

Die Feriensaison neigt sich ihrem Ende zu. Wer sie mit einem Trip nach Moskau beschließen möchte, sollte unbedingt den jüngst erschienenen Reiseführer „Constructuvist Moscow Map“ einpacken, der sich der konstruktivistischen Architektur in Russlands Hauptstadt widmet. Die Karte ist zweisprachig (englisch/russisch) gehalten und versammelt über 50 Ikonen der sowjetischen Avantgarde der 1920er und 1930er Jahre.

Der faltbare Plan lädt ein zu einem breit angelegten Rundgang, der ikonische Bauten wie den Šuchov-Radioturm, das seit Jahren leestehende Kommunehaus Narkomfin oder das Redaktionsgebäude der Zeitung Isvestija umfasst. Auf der Rückseite findet sich eine Einführung in die Architektur des Konstruktivismus sowie Erläuterungen zu den einzelnen Bauten. Die „Constructivist Moscow Map“ ist der dritte Teil einer Serie von Karten für architekturhistorische Feinschmecker. Wer es eher regnerisch mag, kann sich mit den Vorgängern „Brutalist London Map“ und „Art Deco London Map“ in der britischen Hauptstadt auf Streifzug begeben. (jr, 12.9.16)