Konstruktivistischer Reiseführer

Konstruktivistischer Reiseführer

Constructivist Moscow Map (Bild Blue Crow Media)
Die Constructivist Moscow Map versammelt Ikonen des Konstruktivismus in Moskau (Bild Blue Crow Media)

Die Feriensaison neigt sich ihrem Ende zu. Wer sie mit einem Trip nach Moskau beschließen möchte, sollte unbedingt den jüngst erschienenen Reiseführer „Constructuvist Moscow Map“ einpacken, der sich der konstruktivistischen Architektur in Russlands Hauptstadt widmet. Die Karte ist zweisprachig (englisch/russisch) gehalten und versammelt über 50 Ikonen der sowjetischen Avantgarde der 1920er und 1930er Jahre.

Der faltbare Plan lädt ein zu einem breit angelegten Rundgang, der ikonische Bauten wie den Šuchov-Radioturm, das seit Jahren leestehende Kommunehaus Narkomfin oder das Redaktionsgebäude der Zeitung Isvestija umfasst. Auf der Rückseite findet sich eine Einführung in die Architektur des Konstruktivismus sowie Erläuterungen zu den einzelnen Bauten. Die „Constructivist Moscow Map“ ist der dritte Teil einer Serie von Karten für architekturhistorische Feinschmecker. Wer es eher regnerisch mag, kann sich mit den Vorgängern „Brutalist London Map“ und „Art Deco London Map“ in der britischen Hauptstadt auf Streifzug begeben. (jr, 12.9.16)

Moskau: Narkomfin-Haus zu verkaufen

Moskau: Narkomfin-Haus zu verkaufen

Narkomfin_Building_Moscow (Bild: NVO, CC-BY-SA 3,0)
Das Narkomfin-Haus in Moskau (Bild: NVO, CC BY SA 3.0)

Das ehemalige Kommunewohnhaus Narkomfin in Moskau steht seit Jahren leer. Der 1928 bis 1930 von Majsej Ginzburg errichtete Bau ist eines der wichtigsten Zeugnisse des sowjetischen Konstruktivismus. Trotz Denkmalschutzstatus verfällt das Bauwerk zusehends, Initiativen zu seiner Rettung konnten bislang kaum Erfolge verbuchen. Die UNESCO listet es als eines der meist gefährdetsten Baudenkmäler der Welt. Nun soll das Haus offenbar unter den Hammer: Construction.ru meldet, dass die Stadt Moskau den Bau Ende Juli 2016 bei einer Auktion versteigern will.

Das sechsstöckige Wohnheim sollte ursprünglich den Angestellten des sowjetischen Kommissariats für Finanzen Wohnraum bieten. Dabei setzte der Architekt auf das Konzept des Kommunehauses, das seinerzeit nicht nur in sowjetischen Architektenkreisen viel diskutiert wurde. Das Narkomfin-Haus wurde in kleine Wohneinheiten untergliedert, die dem Privatleben seiner Bewohner vorbehalten waren. Der Großteil ihres Lebens sollte sich aber im Kollektiv abspielen – zum Beispiel in den gemeinschaftlichen Küchen. (jr, 3.8.16)

SOS Konstruktivismus!

SOS Konstruktivismus!

SOS-Konstruktivismus (Bild Moskauer Avantgarde-Zentrum)
Rettet die Denkmäler der Avantgarde! (Bild Moskauer Avantgarde-Zentrum)

In Moskau geht es den Baudenkmälern des Konstruktivismus an den Kragen. Anfang Juni begann im Stadtteil Chamovniki unter Protesten von Architekten und Denkmalschützern der Abriss des Wohnkomplexes Pogodinskaja. Die Arbeitersiedlung wurde 1928/29 von Alexander Volkov, Jakov Ostrovski und Valentin Bibikov gebaut. Teil des Ensembles ist der berühmte Arbeiterklub der Kautschukfabrik von Konstantin Melnikov. Dieser bleibt zwar erhalten, wird sich aber demnächst in der Nachbarschaft neo-stalinbarocker Luxuswohnhäuser wiederfinden.

Chamovniki ist nicht das erste Moskauer Viertel, das seine konstruktivistischen Bauwerke einbüßt. In den letzten Monaten rückten die Bagger letzteren immer wieder zu Leibe. Prominentes Beispiel ist das Taganer ATZ-Gebäude, eine der ersten automatisierten Telefonzentralen Moskaus, das 1929/30 nach Plänen Vasilij Martynovič errichtet wurde. Trotz Protesten und einer Sammlung von 38 000 Unterschriften wurde es 2016 abgerissen – ohne Einwände des städtischen Denkmalschutzes. Die Freunde des Konstruktivismus geben sich dennoch nicht geschlagen. So funken zum Beispiel das Avantgarde-Zentrum der Moskauer Bibliothek „Prosveshenije trudjasshichsja“ oder The Constructivist Project SOS und informieren umfassend über aktuelle Planungen und Entwicklungen, die das konstruktivistische Kulturerbe bedrohen. (jr, 22.6.16)