München

München, Hochhaus Johann-Fichte-Straße (Bild: Stadt München)

Hochhaus unter Schutz

Das 1971 eröffnete Restaurant Tantris in München-Schwabing ist berühmt – für seine Küche (zwei Sterne) und für seine ikonische Pop-Architektur (Justus Dahinden). Seit 2012 steht der Feinschmecker-Tempel unter Denkmalschutz und wurde entsprechend häufig fotografiert und dokumentiert. Auf nahezu allen Außenbildern des Tantris erblickt man dabei im Hintergrund ein ziemlich futuristisches, betonsichtiges Hochhaus, das das Siebziger-Jahre-Ensemble komplettiert. Und nun hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege auch den Denkmalstatus komplettiert: Das Hochhaus steht seit Kurzem ebenfalls unter Schutz.

Errichtet wurde es zeitgleich mit dem Tantris 1970/71, Architekt war Hans-Busso von Busse; der Bauunternehmer Fritz Eichbauer, der auch beim Restaurant Tantris und den Münchener Olympiabauten beteiligt war, fertigte die Fassadenelemente. Das Landesamt sieht im Restaurant, den umgebenden Grünanlagen und dem Stahlbetonbau mit der betont glattflächigen Fassade eine bauliche Einheit. So erscheint diese (erweiterte) Unterschutzstellung nur folgerichtig. (db, 8.2.19)

München, Hochhaus Johann-Fichte-Straße (Bild: Stadt München)

Dame mit Falzarego-Kapelle im Faller-Modellbau-Katalog 1961 (Bild: Faller-Katalog 1961)

märklinMODERNE startet in München

Die mR-Wanderausstellung „märklinMODERNE“ zeigt zum ersten Mal, wie modern die vermeintlich spießigen Modelleisenbahner wirklich waren: Im Hobbykeller des Wirtschaftswunders gehörten Flugdach, Glaskuppel und Rasterfassade wie selbstverständlich zum Miniatur-Stadtbild. Vom 14. Dezember 2018 bis 4. Februar 2019 macht märklinMODERNE Station im ArchitekturSalon (ait) München (Hotterstraße 12, 80331 München). Präsentiert werden ausgewählte Modellbausätze, die in großformatigen Fotografien von Hagen Stier ihren architektonischen Vorbildern gegenübergestellt werden. Modellbahnanlagen bringen Bewegung in moderne Stadtlandschaften – und ein eigens für die Ausstellung produzierter Film von Otto Schweitzer und C. Julius Reinsberg ist auch zu sehen.

Zur Eröffnung am 13. Dezember 2018 sprechen um 19.30 Uhr die Kuratoren Dr. Karin Berkemann und Daniel Bartetzko. Im Rahmen des Ausstellungsaufbaus ruft ait Münchener Architekten, Modellbahn-Sammler und Liebhaber dazu auf, vom 10. bis 12. Dezember 2018 eine zusätzliche Modelleisenbahn fertigzustellen, die vom Rosenheimer Eisenbahnclub zur Verfügung gestellt wird. Jeder, der einen oder mehrere Bausätze mitbringt, erhält eine kleine Überraschung. Selbstverständlich werden alle Bausätze nach Ausstellungsende  zurückgegeben. märklinMODERNE ist Teil der Langen Nacht der Architektur am 18. Januar 2019 (Sonderöffnungszeiten bis Mitternacht). Anmeldungen zu den Veranstaltungen werden erbeten unter: muenchen@ait-architektursalon.de. (kb, 7.12.18)

Dame mit Falzarego-Kapelle (Bild: Faller-Modellbaukatalog 1961)

Die Ausstellung von moderneREGIONAL wurde gefördert von der Wüstenrot Stiftung. Sie wurde erstmals gezeigt in Frankfurt und Stuttgart mit den Ausstellungspartner Deutsches Architekturmuseum und Architekturgalerie am Weißenhof.

Katalog und Film zur Ausstellung sind erhältlich im mR-Onlineshop.

München-Obersendling, Wohnanlage Mollau (Bild: TU Kaiserslautern)

Johannes Ludwig: Bauen „ohne Pfiff“?

Der Münchner Architekt und Hochschullehrer Johannes Ludwig (1904–1996) ist vor allem für seine Kirchenbauten wie die Paul-Gerhardt-Kirche in München-Laim, seine Schulbauten oder die Innenraumgestaltung der Staatlichen Antikensammlung in München bekannt. Er plante und realisierte jedoch auch insgesamt mehr als 2170 Wohnungen in München, darunter die Siedlung Mollau in Sendling, Zeilenbauten und Hochhäuser in der Parkstadt Bogenhausen, Geschosswohnungen in der Maxvorstadt und Unterkünfte in Milbertshofen. Es entstanden Wohnhäuser in der Reihe, im Block, in stadterweiternden Siedlungen oder als Solitäre, die in der Summe auch heute noch das Bild der Stadt prägen. Alle „ohne falsche Ambition“ und „ohne Pfiff“, wie es Johannes Ludwig selbst ausdrückte.

Auf den ersten Blick eher harmlos und unprätentiös wirkend, zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass gerade dies eine besondere Qualität ist und wie klar, fein und sparsam sie gestaltet, wie präzise die architektonischen Entscheidungen getroffen wurden. Als Beitrag zur aktuellen Debatte um den Wohnungsbau zeigt die Bayerische Architektenkammer in Kooperation mit der TU Kaiserslautern bis zum 23. November diese unaufgeregten und unspektakulären Bauten des Alltags in einer umfangreichen Ausstellung: Aktuelle Fotos und Zeichnungen, die mit Studierenden der TU Kaiserslautern entstanden sind, dokumentieren Ludwigs Werk und werden historischen Fotos, Plänen und Referenzen gegenübergestellt. (db, 9.11.18)

München-Obersendling, Wohnanlage Mollau (Bild: TU Kaiserslautern)

Stuttgart-Heslach, Seilbahn (Bild: Fyrtaarn, CC BY SA 4.0, 2017)

Tipps zum TofD: Dem Himmel entgegen

Sie streben nach Höherem? Haben wir! Hier drei Tipps zum TofD im Süden: Die Pfarrkirche Erscheinung des Herrn (Terofalstraße 66, München-Blumenau) entstand 1970 in der Parkwohnanlage Blumenau nach Plänen des Architekten Günter Eisele. Die an Stahlseilen aufgehängte Holzbalken-Decke lässt den Dachstuhl wie schwebend, wie auf den Kopf gestellt wirken. Am 9. September ist die Kirche von 11 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen werden um 11 und 15 Uhr angeboten (Kontakt: Dr. Kurt Einhellig, kurt.einhellig@online.de). Auch in Nürnberg lohnt ein Besuch: Die Christuskirche (Siemensplatz 2, Nürnberg-Steinbühl) aus dem Jahr 1957 kann – neben einer sehenswerten Architektur – mit bestechend schönen Meistermannfenstern aufwarten. Am 9. September ist die Kirche von 9.30 bis 14.30 Uhr geöffnet (Torben Schultes, Diakon, 0911 446200), es gibt Kaffee und Kuchen!

Ganz wörtlich erhebend ist unser letzter Tipp: Die Standseilbahn (Böblinger Straße 237, Seilbahnstraße, Südheimer Platz, Stuttgart) in Stuttgart-Heslach wurde 1929 von der Maschinenfabrik Esslingen erbaut. Kubische Wagen aus Teakholz und Mahagoni machen die Anlage ebenso zum Highlight wie die ästhetisch behutsam eingepasste Streckenführung. Die Öffnungszeiten am 9. September liegen zwischen 9 und 17.50 Uhr, Tickets sind in der Tal- und Bergstation erhältlich. Führungen werden um 10, 10.45, 11.30, 12.15, 13.30, 14.15, 15, 15.45 und 16.30 Uhr angeboten. Für die Technikführungen in den Maschinenraum ist eine Voranmeldung nötig unter: 0711 78857713 (Kontakt: Hans-Joachim Knupfer, Pressestelle, Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), 0711 78852686, presse@ssb-ag.de). (kb, 1.9.18)

Stuttgart-Heslach, Seilbahn (Bild: Fyrtaarn, CC BY SA 4.0, 2017)
München-Neuperlach, Blick zu den Alpen, 2007 (Bild: buzzard525, CC BY SA 3.0)

Ein Auftakt in München

Das frisch gegründete DFG-„Netzwerk Bauforschung jüngerer Baubestände 1945+“ beschäftigt sich mit der Erhaltung und dem Weiterbauen von Nachkriegsarchitektur. Das Problem ist bekannt: Rund 60 Prozent unseres heutigen Bestands sollen aus den Jahren zwischen 1960 und 1980 stammen. Daher müsste nachhaltiger geplant, das ressourcenschonende Potential dieser Bauten besser erkannt und erhalten werden. Der Auftaktworkshop findet am 28. September an der TU München (ehem. Architekturbibliothek, Raum 2350) statt und wird die Erfassung, Inventarisierung und den architektonischen Umgang mit Bestandsgebäuden zu Thema haben.

In einem einleitenden Vortrag stellen die Mitglieder Netzwerks sich und ihre Herangehensweise vor. Es folgen sieben Vorträge, die sich um das Erfassen von Bestandsgebäuden drehen. Drei Arbeitsgruppen thematisieren neue Messmethoden, Dokumentationswerkzeuge oder Erfassungskriterien und spannen einen Bogen von der Restaurierung und Konservierung zur Translozierung als letzter Möglichkeit des Erhalts. Schlusspunkt der Veranstaltung sind zwei Vorträge zur qualitativen Erfassung von Bestandsgebäuden. Vor diesem Hintergrund sollen Positionen und Strategien des Weiterbauens entwickelt werden. Um Anmeldung wird gebeten unter: anmeldung@nbjb1945.de. (kb, 21.7.18)

Moderne mit Alpenblick: München-Neuperlach (Bild: buzzard525, CC BY SA 3.0)

Arabella-Hochhaus (Bild PD)

Arabellas Galgenfrist

In München geht es dem Arabella-Hochhaus an den Kragen. Freunden der markanten Hochhausscheibe bleibt allerdings noch einige Zeit, sich zu verabschieden: Nach Informationen der Münchner Abendzeitung schlägt dem Bau erst im Jahr 2026 das letzte Stündlein. Eine Sanierung des 72 Meter hohen Kolosses, der bei einer Länge von 150 Metern rund 27000 Quadratmeter Nutzfläche bietet, hatte sich in Untersuchungen als sehr teuer bis undurchführbar erwiesen. Doch auch der Abriss verspricht, aufwendig zu werden: Da eine Sprengung nicht möglich ist, muss der 23-stöckige Bau Etage für Etage abgetragen werden.

Tragische Ironie: Das Arabella-Hochhaus wird damit pünktlich zum 60. Jahrestag der Grundsteinlegung abgerissen. Es wurde 1966 bis 1969 nach Plänen des Architekten Toby Schmidbauer errichtet. Als Bauherr fungierte der Unternehmer Josef Schörghuber. Anlässlich der Olympischen Spiele 1972 wurde ein Teil des Hauses zum Hotel umgebaut, noch heute vereint es Hotelzimmer, Mietwohnungen, Büros, Arztpraxen und eine Klinik. Die Nachfolge des Baus wird eine neue Hochhausscheibe antreten, die sich auch in der Konzeption an ihrem Vorgänger orientiert. (jr, 12.5.18)

Arabella-Hochhaus, München (Bild: PD)