Schlagwort: München

München-Obersendling, Wohnanlage Mollau (Bild: TU Kaiserslautern)

Johannes Ludwig: Bauen „ohne Pfiff“?

Der Münchner Architekt und Hochschullehrer Johannes Ludwig (1904–1996) ist vor allem für seine Kirchenbauten wie die Paul-Gerhardt-Kirche in München-Laim, seine Schulbauten oder die Innenraumgestaltung der Staatlichen Antikensammlung in München bekannt. Er plante und realisierte jedoch auch insgesamt mehr als 2170 Wohnungen in München, darunter die Siedlung Mollau in Sendling, Zeilenbauten und Hochhäuser in der Parkstadt Bogenhausen, Geschosswohnungen in der Maxvorstadt und Unterkünfte in Milbertshofen. Es entstanden Wohnhäuser in der Reihe, im Block, in stadterweiternden Siedlungen oder als Solitäre, die in der Summe auch heute noch das Bild der Stadt prägen. Alle „ohne falsche Ambition“ und „ohne Pfiff“, wie es Johannes Ludwig selbst ausdrückte.

Auf den ersten Blick eher harmlos und unprätentiös wirkend, zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass gerade dies eine besondere Qualität ist und wie klar, fein und sparsam sie gestaltet, wie präzise die architektonischen Entscheidungen getroffen wurden. Als Beitrag zur aktuellen Debatte um den Wohnungsbau zeigt die Bayerische Architektenkammer in Kooperation mit der TU Kaiserslautern bis zum 23. November diese unaufgeregten und unspektakulären Bauten des Alltags in einer umfangreichen Ausstellung: Aktuelle Fotos und Zeichnungen, die mit Studierenden der TU Kaiserslautern entstanden sind, dokumentieren Ludwigs Werk und werden historischen Fotos, Plänen und Referenzen gegenübergestellt. (db, 9.11.18)

München-Obersendling, Wohnanlage Mollau (Bild: TU Kaiserslautern)

Stuttgart-Heslach, Seilbahn (Bild: Fyrtaarn, CC BY SA 4.0, 2017)

Tipps zum TofD: Dem Himmel entgegen

Sie streben nach Höherem? Haben wir! Hier drei Tipps zum TofD im Süden: Die Pfarrkirche Erscheinung des Herrn (Terofalstraße 66, München-Blumenau) entstand 1970 in der Parkwohnanlage Blumenau nach Plänen des Architekten Günter Eisele. Die an Stahlseilen aufgehängte Holzbalken-Decke lässt den Dachstuhl wie schwebend, wie auf den Kopf gestellt wirken. Am 9. September ist die Kirche von 11 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen werden um 11 und 15 Uhr angeboten (Kontakt: Dr. Kurt Einhellig, kurt.einhellig@online.de). Auch in Nürnberg lohnt ein Besuch: Die Christuskirche (Siemensplatz 2, Nürnberg-Steinbühl) aus dem Jahr 1957 kann – neben einer sehenswerten Architektur – mit bestechend schönen Meistermannfenstern aufwarten. Am 9. September ist die Kirche von 9.30 bis 14.30 Uhr geöffnet (Torben Schultes, Diakon, 0911 446200), es gibt Kaffee und Kuchen!

Ganz wörtlich erhebend ist unser letzter Tipp: Die Standseilbahn (Böblinger Straße 237, Seilbahnstraße, Südheimer Platz, Stuttgart) in Stuttgart-Heslach wurde 1929 von der Maschinenfabrik Esslingen erbaut. Kubische Wagen aus Teakholz und Mahagoni machen die Anlage ebenso zum Highlight wie die ästhetisch behutsam eingepasste Streckenführung. Die Öffnungszeiten am 9. September liegen zwischen 9 und 17.50 Uhr, Tickets sind in der Tal- und Bergstation erhältlich. Führungen werden um 10, 10.45, 11.30, 12.15, 13.30, 14.15, 15, 15.45 und 16.30 Uhr angeboten. Für die Technikführungen in den Maschinenraum ist eine Voranmeldung nötig unter: 0711 78857713 (Kontakt: Hans-Joachim Knupfer, Pressestelle, Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), 0711 78852686, presse@ssb-ag.de). (kb, 1.9.18)

Stuttgart-Heslach, Seilbahn (Bild: Fyrtaarn, CC BY SA 4.0, 2017)
München-Neuperlach, Blick zu den Alpen, 2007 (Bild: buzzard525, CC BY SA 3.0)

Ein Auftakt in München

Das frisch gegründete DFG-„Netzwerk Bauforschung jüngerer Baubestände 1945+“ beschäftigt sich mit der Erhaltung und dem Weiterbauen von Nachkriegsarchitektur. Das Problem ist bekannt: Rund 60 Prozent unseres heutigen Bestands sollen aus den Jahren zwischen 1960 und 1980 stammen. Daher müsste nachhaltiger geplant, das ressourcenschonende Potential dieser Bauten besser erkannt und erhalten werden. Der Auftaktworkshop findet am 28. September an der TU München (ehem. Architekturbibliothek, Raum 2350) statt und wird die Erfassung, Inventarisierung und den architektonischen Umgang mit Bestandsgebäuden zu Thema haben.

In einem einleitenden Vortrag stellen die Mitglieder Netzwerks sich und ihre Herangehensweise vor. Es folgen sieben Vorträge, die sich um das Erfassen von Bestandsgebäuden drehen. Drei Arbeitsgruppen thematisieren neue Messmethoden, Dokumentationswerkzeuge oder Erfassungskriterien und spannen einen Bogen von der Restaurierung und Konservierung zur Translozierung als letzter Möglichkeit des Erhalts. Schlusspunkt der Veranstaltung sind zwei Vorträge zur qualitativen Erfassung von Bestandsgebäuden. Vor diesem Hintergrund sollen Positionen und Strategien des Weiterbauens entwickelt werden. Um Anmeldung wird gebeten unter: anmeldung@nbjb1945.de. (kb, 21.7.18)

Moderne mit Alpenblick: München-Neuperlach (Bild: buzzard525, CC BY SA 3.0)

Arabella-Hochhaus (Bild PD)

Arabellas Galgenfrist

In München geht es dem Arabella-Hochhaus an den Kragen. Freunden der markanten Hochhausscheibe bleibt allerdings noch einige Zeit, sich zu verabschieden: Nach Informationen der Münchner Abendzeitung schlägt dem Bau erst im Jahr 2026 das letzte Stündlein. Eine Sanierung des 72 Meter hohen Kolosses, der bei einer Länge von 150 Metern rund 27000 Quadratmeter Nutzfläche bietet, hatte sich in Untersuchungen als sehr teuer bis undurchführbar erwiesen. Doch auch der Abriss verspricht, aufwendig zu werden: Da eine Sprengung nicht möglich ist, muss der 23-stöckige Bau Etage für Etage abgetragen werden.

Tragische Ironie: Das Arabella-Hochhaus wird damit pünktlich zum 60. Jahrestag der Grundsteinlegung abgerissen. Es wurde 1966 bis 1969 nach Plänen des Architekten Toby Schmidbauer errichtet. Als Bauherr fungierte der Unternehmer Josef Schörghuber. Anlässlich der Olympischen Spiele 1972 wurde ein Teil des Hauses zum Hotel umgebaut, noch heute vereint es Hotelzimmer, Mietwohnungen, Büros, Arztpraxen und eine Klinik. Die Nachfolge des Baus wird eine neue Hochhausscheibe antreten, die sich auch in der Konzeption an ihrem Vorgänger orientiert. (jr, 12.5.18)

Arabella-Hochhaus, München (Bild: PD)

Rom, Palazzo della Civiltà Italiana, 1943, Giovanni Guerrini, Ernesto Bruno Lapadula and Mario Romano (Ausstellung: „Ritual und Abstraktion“, TU München, Bild: Julián Bustamante)

Ritual und Abstraktion

Nüchtern, modern, marmorverkleidet – die Architektur des italienischen Faschismus hat über siebzig Jahre nach dem Ende der Diktatur nicht an Reiz eingebüßt. Die verführerische Faszination dieser Bauten hat seit der Nachkriegszeit viele Architekten, Historiker, Künstler und Intellektuelle auf- und angeregt. Heute stehen die Schönheit und Qualität der meisten Bauwerke der Mussolini-Zeit für die italienische Öffentlichkeit außer Frage, das war allerdings nicht immer so. Mal galten sie als hassenswerte Kulissen für die Selbstverherrlichung der Diktatur, mal als Meisterwerke der Moderne.

Warum werden ihre geometrisch geschnittenen Formen von heutigen Betrachtern immer stärker von den Umständen ihrer Entstehungszeit getrennt? Warum hat sich eine Ästhetisierung der faschistischen Architektur durchgesetzt? Die Ausstellung „Ritual und Abstraktion“ untersucht dieses Phänomen anhand dreier Fallbeispiele. Durch historisches Material, Texte und Fotografien wird der Besucher eingeladen, das Thema zu hinterfragen und Schlussfolgerungen zu einem zeitgemäßen und kritischen Umgang mit diesen komplexen Gebäuden zu ziehen. Die Präsentation ist noch bis zum 10. März zu sehen (je 9-13 und 14-18 Uhr) in der Fakultät für Architektur der TU München (Ecke Luisen-/Gabelsbergstr., Raum 2349 (2.Stock), 80333 München). (kb, 7.3.18)

Rom, Palazzo della Civiltà Italiana, 1943, Giovanni Guerrini, Ernesto Bruno Lapadula and Mario Romano (Ausstellung: „Ritual und Abstraktion“, TU München, Bild: Julián Bustamante)

Dortmund, Nicolai-Kirche (Bild: Rainer Halama, CC BY SA 3.0)

Bei deinem Namen genannt

Die Namen von Orten, Gebäuden und Personen sind Teil unseres „kulturellen Erbes“. Ausgehend von den Vornamen Maria und Nikolaus knüpft das Projekt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Europäischen Kulturerbejar (ECHY, oder neuerdings EYCH) „Bei Deinem Namen genannt“ an der persönlichen Identität an, die mit dem eigenen Namen verbunden ist. Die Wanderausstellung wird im Laufe des Jahres 2018 bundesweit an 16 Marien- und 16 Nikolaikirchen gezeigt.

In Kirchen, die Maria und Nikolaus in ihrem Namen tragen, werden die unterschiedlichen Formen dieser Namen in Europa entfaltet und in ihrer ikonografischen Bedeutung entfaltet. Was z. B. steckt hinter den drei Äpfel des Nikolaus oder hinter dem Schutzmantel der Maria? Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung den Zusammenhang von „Heimat und Person“, „Name und Erbe“ sowie von „Kultur und Identität“. Begleitend zur Ausstellung finden Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie andere Formate statt. Unter den ausgewählten Kirchen finden sich erwartungsgemäß vorwiegend historische Bauten, aber auch einige sehenswerte Räume des 20. Jahrhunderts: z. B. in München die Kirche Maria Königin des Friedens, in Bremen-Oslebshausen die Marienkirche, in Hamburg die moderne Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern oder in Dortmund die Nicolai-Kirche. (kb, 26.2.18)

Dortmund, Nicolai-Kirche (Bild: Rainer Halama, CC BY SA 3.0)

Tasche trifft U-Bahn (Bild: kurzzug.de)

Rettet die U-Bahn(-Bezüge)!

Es dürfte schwer zu leugnen sein: Das hier ist ein Ding für Bart- und Mützenträger. Aber irgendwie auch schön. Über die Bedrohung nachkriegsmoderner U-Bahnstationen müssen wir hier – leider – immer wieder berichten. Nicht immer kann man konkret was tun. Aber hier, hier kann man aktive Erhaltungsarbeit leisten. Die Münchener U-Bahn wurde für die Olympischen Spiele 1972 ins Leben gerufen. Doch viele der über 40-jährigen Wagen werden aktuell samt ihrer Bezüge ausrangiert. Damit wenigstens ein Teil dieser geschichtsdurchzogenen Materialien nicht verloren gehen, haben sich Jörg Schleburg und Wolfgang Bischoff 2013 zu ihrem Projekt „kurzzug“ zusammengetan, das 2016 mit einem erfolgreichen Crowdfunding in die Umsetzung ging.

Ihr Stoff sind die original gebrauchten Sitzbezüge der Münchner U-Bahnen, und dieser Stoff ist endlich. Noch dazu ist jeder Bezug einzigartig, je nach dem, wer ihn wie und wofür weichgesessen hat. Damit versteht kurzzug jedes seiner Produkte als Unikat, und limitiert seine Taschen und Beutel entsprechend. Im Angebot sind Wochenender, Stadttaschen, Geldbeutel und Schlüsselzüge. Die Preise entsprechen durchaus dem Selbstbewusstsein der Hersteller, Einzelstücke feil zu bieten. Wer hier passen muss, dem bleibt der Erwerb einer Münchener ÖPNV-Tageskarte und die Rundfahrt auf der Suche nach verbliebenen Originalbezügen – aber bitte nur in Form einer Fotosafari. (kb, 19.1.18)

Tasche trifft U-Bahn (Bild: kurzzug.de)

München, Arabella-Haus (Bild: Rufus46, CC BY SA 3.0)

Dem Arabella-Haus droht Unheil

Vor über 50 Jahren war Baubeginn, 1969 wurde es eröffnet: das Arabella-Hochhaus in München-Bogenhausen (Toby Schmidbauer). In dem 23 Etagen hohen Gebäude sind neben einem Hotel auch zwei Privatkliniken, etwa 500 Wohnungen, rund 100 Büros und mehrere Arztpraxen untergebracht. Im Dachgeschoss befindet sich der derzeit höchstgelegene Pool Münchens. Bauherr war die Schörgruber-Unternehmensgruppe, der das Gebäude nach wie vor gehört – und die nun möglicherweise den Abriss plant. „Es gab Gespräche mit der Gebäudeverwaltung“, bestätigte Ingo Trömer, Sprecher des städtischen Planungsreferats, der Münchner Abendzeitung. Inhalt seien Sanierung und weiterführende Maßnahmen gewesen, wie auch ein Neubau.

Das Arabellahaus habe ein Alter erreicht, in dem Sanierungs- und Reparaturarbeiten ständig mehr würden, sagt Kathrin Borrmann, Sprecherin der „Bayerischen Hausbau“, dem Bauunternehmen der Schörghuber-Gruppe. Derzeit prüfe man Alternativen, ein möglicher Abriss könne aufgrund laufender Vertrage nicht vor 2026 erfolgen. Der Bayerische Generalkonservator Prof. Mathias Pfeil hat bereits signalisiert, das Arabella habe keine Aussichten auf Denkmalschutz. Man habe genau geprüft und sich lange Gedanken gemacht, doch letztlich sei es „ein stinknormales Scheibenhochhaus mit einer charakteristischen, netzartigen Fassade, bloß halt ein bisserl größer“. Und es sei auch in der damaligen Zeit „kein bisschen innovativ“ gewesen. Daher reiche es nicht zum Kulturdenkmal. Die Zeichen stehen nicht gut … (db, 29.11.17)

München, Arabella-Haus (Bild: Rufus46, CC BY SA 3.0)

München-Hasenbergl, Evangeliumskirche (Bild: Rufus46m, CC BY SA 3.0)

Grüß Gott, Denkmalpflege?

Wenn eine Kirche in einem Stadtteil namens Hasenbergl steht und über ein „Grüß-Gott-Haus“ verfügt, klingt das für mittel- bis norddeutsche Ohren sehr nach heiler Welt. Doch bei der Münchener Evangeliumskirche gehen die Meinungen dieser Tage kontrovers auseinander. Der imposante Stahlbetonskelettbau mit Backsteingefachen wurde bis 1962 von den Architekten Helmut von Werz und Johann-Christoph Ottow gestaltet. Auch mit Arbeiten des Bildhauers Heinrich Hofmann und des Malers Heiner Schumann steht die Kirche künstlerisch mehr als gut da – und unter Denkmalschutz. Doch auch hier gibt es weniger Mitglieder/Gottesdienstbesucher, daher will die Gemeinde ihre Kirche umbauen und die benachbarte Diakonie als Nutzungspartner hineinnehmen.

Das Büro Brechensbauer Weinhart und Partner hat den Plan eines dreigeschossigen Einbaus im Kirchenschiff entwickelt. Der vordere Teil würde Gottesdienstraum bleiben. (Schon 2015 diskutierte man diese Mischnutzung, damals war von Teilung/Teilaufstockung die Rede.) In ganz München überprüft die evangelische Kirche ihren Gebäudebestand und plant so einiges: vom Anbau an den evangelischen Dom St. Lukas bis zum Abriss des Turms (mit Ersatzbau?) der Kapernaumkirche. Bei der Evangeliumskirche jedenfalls würden die Veränderungen aus Sicht der Landesdenkmalpflege entschieden zu weit gehen – 2018 soll ein Fachsymposion Klärung bringen. (kb, 28.11.17)

München-Hasenbergl, Evangeliumskirche (Bild: Rufus46, CC BY SA 3.0)

Bonn, Wissenschaftszentrum (Bild: Hans Weingartz, CC BY SA 2.0)

Erich Schneider-Wessling ist tot

Bevor der Architekt Erich Schneider Wessling in Köln 1960 sein eigenes Büro eröffnete, hatte er in Amerika bei zwei Ikonen der überaus eleganten Internationalen Moderne gearbeitet: Frank Lloyd Wright und bei Richard Joseph Neutra. Geboren wurde der spätere Architekt am 22. Juni 1931 im oberbayerischen Weßling, sein Studium führte ihn nach München, seinen ersten Berufsjahre aus der jungen Bundesrepublik heraus nach Übersee. Wieder zurück in Deutschland, suchte er in Köln die Nähe der Künstlerbewegung „Fluxus“ und gründete 1968 auch mit Peter Busmann die Architektengemeinschaft „BAUTURM“. In seinen folgenden Münchener Jahren folgte 1978 der Reichenauer Architekturkreis mit dem Schlagwort der Realen Architektur.

Sein Werk findet sich sowohl im Wohnungs- als auch im Bildungsbau, darunter das Künstlerhaus Karlheinz Stockhausen (mit H. P. Hachenberg) in Kürten (1965), das Wissenschaftszentrum Bonn (1973) und das Torhaus Brühlstraße in Hannover (2002). Wessling lehrte in München an der Akademie der Bildenden Künste und als Gastprofessor in Cambridge. Zu seinen vielen Auszeichnungen zählen u. a die Heinrich-Tessenow-Medaille in Gold, der Gottfried-Semper-Architekturpreis und die Ehrenmitgliedschaft in der Akademie der Bildenden Künste München. Am 29. September verstarb Erich Schneider-Wessling im Alter von 86 Jahren in Köln , wo er am 6. Oktober auch beigesetzt werden wird. (kb, 3.10.17)

Bonn, Wissenschaftszentrum (Bild: Hans Weingartz, CC BY SA 2.0)

München, Olympisches Dorf (Bild: High Contrast, CC BY SA 3.0)

TofD im Süden: Wohnen und/oder Arbeiten?

Einst Flugplatz, dann Sportler-Quartier der Olympiade 1972, seit 1973 Wohnstätte für ca. 8.000 Menschen im Olympiapark: Das Olympische Dorf (Helene-Mayer-Ring 7A, 80809 München Milbertshofen/Am Hart) steht seit 1998 unter Denkmalschutz. Als visionäre Verbindung von Privat-, Gemeinschafts-, Arbeits- und Erholungsberiechen werden hier der Auto- und Fußgängerverkehr programmatisch getrennt. Zum „Tag des offenen Denkmals“ (TofD) zeigt der der Kulturverein Forum2 einige Archivfilme zum Bau des Olympiastadions und des Olympischen Dorfs. Führungen erfolgen um 11 und 14 Uhr durch Architekten und Einwohner, die Kurzfilme (Dauer je ca. eine Stunde) werden um 13 und 16 Uhr im Kulturverein forum2 gezeigt (Kontakt: Manuela Feese-Zolotnitski, Tel.: 089 524589, feese@eig-olympiadorf.de; Tatjana Eckerlein, teckerle@gmx.de).

Auch Stuttgarter GEDOK-Haus (Hölderlinstraße 17, 70174 Stuttgart) verbindet zeichenhaft Arbeiten und Wohnen unter einem Dach: 1954 plante die Architektin Grit Bauer-Revellio den Bau für die Künstlervereinigung GEDOK als Wohn- und Atelierhaus mit Veranstaltungssaal. 1959 erfolgte ein Erweiterungsbau mit Ballettsaal, im gleichen Jahr zeichnete die Stadt das Haus der Künstlergemeinschaft mit dem Paul-Bonatz-Preis aus. Seit 1992 Kulturdenkmal von besonderem Rang, wurde der Bau bis 2015 aufwendig und denkmalgerecht saniert. Am 10. September 2017 ist das GEDOK-Haus von 13 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen erfolgen nach Bedarf durch Christiane von Seebach, parallel ist in der GEDOK-Galerie eine Kunstausstellung zu sehen (Kontakt: GEDOK Stuttgart e. V., 0711/297812, gedok@gedok-stuttgart.de). (kb, 27.8.17)

München, Olympisches Dorf (Bild: High Contrast, CC BY SA 3.0)

München 50 60 70

In wenigen Tagen erscheint im Verlag Dölling und Galitz der Titel „50 60 70. Architektur aus drei Jahrzehnten im Münchner Stadtbild“. In dieser „ersten umfassenden Dokumentation zur Münchner Nachkriegsarchitektur“, so der Verlag, untersucht Alexander Fthenakis systematisch die gestaltgebenden Einflüsse der Architektur zwischen 1949 und 1979 auf den Stadtraum Münchens. Das Buch vereint Texte und Dokumentationsmaterial mit aktuellen Aufnahmen des Architekturfotografen Oliver Heissner.

Das Buch wird vorgestellt am 27. Juni 2017, um 19 Uhr im Gemeindesaal der Kirche St. Matthäus am Sendlinger-Tor-Platz in München. Die Kirche, 1957 gestaltet vom Architekten Gustav Gsaenger, ist selbst ein eindrückliches Zeugnis dieser Stilepoche. Es sprechen: Prof. Dr. (I) Elisabeth Merk, Stadtbaurätin der Landeshauptstadt München, Prof. Andreas Hild, Ordinarius am Lehrstuhl für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege der TU München, und Dipl. Ing. Alexander Fthenakis, Herausgeber des Buchs. (kb, 10.6.17)

Fthenakis, Alexander (Hg.), 50 60 70. Architektur aus drei Jahrzehnten im Münchner Stadtbild, mit Fotografien von Oliver Heissner, Dölling und Galitz, München 2017, 672 Seiten, 850 Abbildungen, Broschur mit Fadenheftung, ISBN 978-3-86218-098-1.