Das Licht ist aus

Gerade in den sich stetig verändernden Städten ist Werbung an Gebäuden oft sehr kurzlebig. Wie schön war es da, in der Metropole München in bester Lage direkt am Karlsplatz, dem „Stachus“, von originalen 1950er-Jahre-Schriftzügen empfangen zu werden: „Osram – hell wie der lichte Tag“ prangte unübersehbar auf den klassizistischen Rondellbauten beidseitig des Karlstors. Nun sind die Wirtschaftswunder-Relikte weg. Anfang September wurden sie demontiert und werden auch nicht wiederkommen! Doch warum hat man diese Kollektiverinnerung überhaupt entfernt?

Osram wollte die Schriftzüge austauschen und die Neonröhren durch LED-Lichter ersetzen. Für diese Modernisierung braucht der Leuchtmittelhersteller jedoch die Genehmigung der Stadt. Das zuständige Referat für Stadtplanung und Bauordnung teilte auf Nachfrage der Münchener Abendzeitung mit, dass die denkmalrechtliche Erlaubnis für die Demontage der Reklame vorlag. Für die Erneuerung mit LED-Lichtern habe das Unternehmen jedoch unvollständige Unterlagen eingereicht, wodurch der Antrag nicht genehmigungsfähig war. Von vornherein ausgeschlossen hat die Denkmalschutzbehörde die neue Reklame jedoch nicht. Ein nachgebesserter Antrag zur Anbringung der LEDs wurde indes nicht eingereicht, und dabei bleibt es wohl: Einem Osram-Sprecher zufolge werde der historische Schriftzug restauriert, anschließend sollen Teile davon im Ausstellungsbereich des Unternehmens untergebracht werden. Der Stachus ist aber nun ein kleines bisschen dunkler … (db, 6.9.19)

München, Stachus 2013 (Bild: Martin Falbisoner, CC BY-SA 3.0)

TofD 2019: Im Süden viel Neues Bauen

Getreu dem Moderne-Motto des diesjährigen Tags des offenen Denkmals zeigen viele Städte im Süden ihre Schätze des Neuen Bauens: In München-Giesing beispielsweise entstand die TeLa-Post (Tegernseer Platz 7, 81541 München-Obergiesing) entstand 1928/29 nach Plänen von Walther Schmidt und Robert Vorhölzer, dem damaligen Leiter der Bauabteilung der Bayerischen Postverwaltung. Am 8. September ist die TeLa-Post geöffnet zu den Führungen um 14:45 und 16:15 Uhr (Führender: Rudolf Hartbrunner, Treffpunkt: Haupteingang zur TeLa-Post, Kontakt: Carmen Dullinger-Oßwald, Bezirksausschuss 17, 089 23361482, bag-ost.dir@muenchen.de). Auch das Naturschutzzentrum Karlsruhe-Rappenwört (Hermann-Schneider-Allee 47, 76189 Karlsruhe-Daxlanden), errichtet 1929 von Walter Merz, folgt den kubischen Formen dieser Zeit. Der Bau ist am 8. September geöffnet von 11.00 bis 18.00 Uhr, Führungen sind angesetzt für 11.00 und 17.30 Uhr (Führende: Nina Rind).

In Konstanz wartet ein Wasserturm mit Jugendherberge (Zur Allmannshöhe 16/18, 78464 Konstanz-Allmannsdorf) auf Besucher: Der verputzter Eisenbetonbau wurde von 1929 bis 1931 nach Plänen von Paul Jordan und Friedrich Hübinger fertiggestellt. Am 8. September ist er zugänglich zu den Führungen um 11.00, 14.00 und 15:30 Uhr (Führende: Ilse Friedrich, eine Voranmeldung ist erforderlich, Kontakt: Christiane Heynen, Stadt Konstanz, Untere Denkmalschutzbehörde, 07531 900777, Christiane.Heynen@konstanz.de). Nicht zuletzt öffnet das Frankfurter Ernst-May-Haus (Im Burgfeld 136, 60439 Frankfurt am Main-Heddernheim), entstanden 1927 im Rahmen des Siedlungsprojekts Neues Frankfurt. heute als Musterhaus seine Türen – am 8. September von 12.00 bis 17.00 Uhr, eine Führung wird angeboten um 15.30 Uhr (Kontakt: Ernst-May-Gesellschaft e. V., 069 15343883, post@ernst-may-gesellschaft.de). (kb, 23.8.19)

Karlsruhe-Rappenwört, Naturschutzzentrum (Bild: nazka.de)

München-Riem: Was nutzt der Kopfbau noch?

In München rottet seit Jahren steinern und schwer, neben den glitzernden Neubauten des Messeareals, ein Zeitzeuge vor sich hin. Als Teil des Flughafens Riem wurde der sogenannte Kopfbau 1937 bis 1939 nach Plänen von Ernst Sagebiel errichtet. Als Besuchertribüne für Flugschauen gedacht, übernahm der Architekt der „Luftwaffenmoderne“ hier ein Konzept, das er auch in Berlin-Tempelhof plante. 1983 konnte man von der Tribüne in Riem zum letzten Mal die Concorde beobachten, dann schloss sich die Unterschutzstellung an. München bekam einen neuen Airport und zur Bundesgartenschau 2005 wurden am Kopfbau noch einmal Gäste empfangen – zum Kaffee. Danach passierte bis heute nicht mehr viel.

Inzwischen gilt der Bau als Problemfall – fast 15 Jahren wurde verzweifelt nach einem Investor gesucht. Es fehlen Heizung und Fußboden, zudem verseuchen Schimmelsporen die Kassenhalle. Vor einer Nachnutzung steht daher eine Grundsanierung an. Alexander Reissl, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Rathaus verlor indes die Geduld: Geht es nach ihm, könnte die denkmalgeschützte Tribüne bald selbst Geschichte sein. Auch andere Politiker zweifeln an der Zukunft des Kopfbaus. Dem hält die Kommunalreferentin Kristina Frank, trotz aller Schwierigkeiten, ein Zwischennutzungskonzept für den anstehenden Sommer entgegen. (jm, 31.5.19)

München-Riem, Kopfbau der Zuschauertribüne des Flughafens (Bild: Renardo la vulpo, CC BY SA 4.0, 2017)