Tipps zum TofD 2020 – Analoges

Auch wenn der diesjährige Tag des offenen Denkmals (TofD) offiziell rein virtuell vonstattengeht, bieten einzelne Institutionen und Städte doch das ein oder andere analoge Highlight an. Für den diesjährigen TofD, den 13. September 2020, setzen einige Städte an diesem Wochenende auf eine ausgewogene Mischung aus – wie jedes Jahr haben wir von mR ein paar Modernehighlights für Sie herausgesucht:

Berlin, Maria Regina Martyrum (Bild: Rabanus Flavus, PD)

Berlin, Maria Regina Martyrum (Bild: Rabanus Flavus, PD)

Berlin

Berlin hat wieder ein eigenes, online abrufbares Programm aufgelegt. Heute, am 13. September 2020, bietet der Gartenhistoriker Axel Zutz z. B. eine Führung zu „Landschaftsarchitekturen der Ostmoderne im Zentrum Berlins“ an (14 Uhr, Treffpunkt: Freitreppe unter dem Fernsehturm (Westseite), Axel Zutz in Kooperation mit Initiative Offene Mitte Berlin, axel.zutz@posteo.de). Ebenfalls am heute, am 13. September 2020, öffnet die Evangelische Gedenkkirche im Gemeindezentrum Plötzensee (1970) zu seinem 50. Einweihungsjubiläum die Türen: Heckerdamm 226, Öffnungszeit 12 bis 17 Uhr, Führung 50 Jahre Plötzenseer Totentanz um 13 und 15 Uhr, maillard@charlottenburg-nord.de. Parallel ist die benachbarte Kirche Maria Regina Martyrum geöffnet zwischen 8 und 17 Uhr.

Hamburg, „Oldtimer-Tankstelle“ am Brandshof (Bild: Wolf1949, CC0, 2014)

Hamburg

Auch in Hamburg lassen sich die analogen Angebote zentral online abrufen. Natürlich darf auch in diesem Jahr die Großtankstelle („Oldtimer-Tankstelle“) Brandshof (1953), dieses Jahr Hamburger Titelmotiv zum TofD, nicht fehlen: Billhorner Röhrendamm, am Sonntag (13. September 2020) geöffnet von 11 bis 17 h, Führung nur nach Anmeldung bei tankwart@tankstelle-brandshof.de. Nicht zuletzt steht die ehemalige Schule Berne (1929) Interessierten offen: Lienaustraße 32, Führung Sonntag (13. September 2020) um 13 und 14.30 Uhr, nur nach Anmeldung unter kontakt@ kubiz-schule-berne.de – und es gibt einen Infostand am Sonntag zwischen 12 und 16 Uhr.

Dortmund, WestLB-Bank (Bild: Lucas Kaufmann, CC BY SA 4.0, 2015)

Dortmund, WestLB-Bank (Bild: Lucas Kaufmann, CC BY SA 4.0, 2015)

Am Sonntag geöffnet

Ebenfalls am 13. September 2020 haben geöffnet: Im bayerische Erding steht die Erlöserkirche (1963) tagsüber für Besucher bereit. In Dortmund kann man die ehemalige Dresdener Bank (1978) – gegen Online-Voranmeldung – am 13. September 2020 besichtigen: Kampstraße 47, 44137 Dortmund, baugeschichtliche Führungen um 11, 13 und 15 Uhr, Treffpunkt: Eingangsbereich Kampstraße 47. Und in Dresden im 20. Jahrhundert gewachsene Alberthafen besichtigen: Magdeburger Straße 58, geöffnet ab 10 Uhr, geöffnet, stündlich Führungen um das historische Terminal und den Elbe-Schleppkahn „Waltraut“. (kb, 13.9.20)

Titelmotiv: Berlin-Plötzensee, Ev. Gedenkkirche (Bild: Alexrk2, CC BY SA 3.0, 2012)

Viele analoge Angebote unterliegen besonderen Hygieneregel, teils ist eine Anmeldung erforderlich oder die Teilnehmerzahl ist beschränkt – bitte informieren Sie sich jeweils vor Ort.

Der Turm wird eingestürzt …

Etliche Bauten prägen die Silhouette Münchens: die Frauenkirche, das Zeltdach des Olympiastadions oder das BMW-Vierzylinder-Hochhaus zählen dazu. Und ein Turm, der sich lange unbemerkt und eher ungewollt zum (Mit-)Wahrzeichen der Stadt entwickelte: Der 1970 errichtete, 176 Meter hohe Kamin des Heizkraftwerks Süd, nach dem 291 Meter hohen Olympiaturm das zweithöchste Bauwerk der Bayernmetropole. Fast fünf Jahrzehnte reckte er sich unablässig dampfend – und gerade dadurch ziemlich eindrucksvoll – empor. Seit 2018 ist er aber stillgelegt, und schon seit fast einem Jahr laufen Abbrucharbeiten an ihm.

Aufgrund des dicht besiedelten Umlands kommt eine Sprengung nicht infrage, daher wurde zunächst die Stahlverstrebung im Inneren entfernt. Nun arbeitet sich ein außen aufgehängtes Abbruchwerkzeug Stück für Stück am Turm hinab. „Der Kamin stammt noch aus der alten Kraftwerkswelt“, sagt Helge-Uve Braun, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke München. Sein Verschwinden mache den Wandel innerhalb des Kraftwerks auch nach außen deutlich: Weg von Verbrennung, hin zu erneuerbaren Energien und Geothermie. Folgerichtig wurden 1997 bereits die Müllverbrennungs-, 2004 die Hochdruckanlage und 2018 das Spitzenheizwerk vom Netz genommen. Wie auch immer wird München um ein Symbol des Fortschritts des 20. Jahrhunderts ärmer – auch wenn´s dem Klima wohl nutzen wird … (db, 18.8.20)

München, Heizkraftwerk Süd (Bild: High Contrast, CC BY SA 3.0)

Die Architekturmaschine

Erst das Buch, dann die Ausstellung: „Die Architekturmaschine“, kuratiert von Teresa Fankhänel (und herausgegeben mit Andres Lepik), widmet sich der Rolle des Computers in der Architektur. Heute ist die elektrifizierte Rechenmaschine aus dem Bauwesen nicht mehr wegzudenken. Doch nun wird ihre Rolle in der Architektur erstmals umfassend aufbereitet – und die Gretchenfrage gestellt: Hat sie oder hat sie nicht (das Entwerfen verändert)?

Insgesamt 40 Fallstudien und 200 Abbildungen beleuchten die Entwicklung von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart. In vier Kapiteln präsentieren die Fachautoren den Computer als Zeichenmaschine, als Entwurfswerkzeug, als Medium des Geschichtenerzählens und als interaktive Kommunikationsplattform. Die Ausstellung zum Buch startet am 14. Oktober 2020 im Architekturmuseum der TUM in München, die Publikation kann man bereits jetzt erwerben. (kb, 11.7.20)

Fankhänel, Teresa/Lepik, Andres (Hg.), Die Architekturmaschine. Die Rolle des Computers in der Architektur, Birkhäuser-Verlag, Berlin 2020, ISBN: 978-3-0356-2155-6.

Otto Beckmann, Imaginäre Architektur, 1977-80, Fotomontage (Bild: © Archiv Otto Beckmann)