München: Sammeln fürs Café Jasmin

In der Münchener Maxvorstadt wurde Mitte der 1950er Jahre das Café Jasmin eröffnet. Damit zog ein bereits etablierter Szenetreffpunkt aus dem Künstlerhaus am Lenbachplatz an den heutigen Standort Ecke Steinheilstraße/Augustenstraße. Rasch machte sich auch der neue Raum einen Namen mit einer gelungenen Mischung als gutem Kulturprogramm und gediegener Caféhausatmosphäre. Neben der Zielgruppe liegt die Besonderheit des Cafés in der Innenausstattung, die Eugen Heiden damals eigens für den Raum entworfen hat. So steht das Ensemble aus grünen Samtsesselchen und hellen Resopaltischen, einer lederbespannten Kuchentheke und spiegelverkleideten Durchgängen heute unter Denkmalschutz.

Aktuell sammelt das coronabedingt geschlossene Café via Crowdfunding Gelder, um die laufenden Betriebskosten zu tragen und die anstehende Restaurierung des Innenraums durchführen zu können. Geplant ist, „die Polster und den Teppich zu erneuern, die goldene Metalltapete zu sanieren, die Bespannung der Theke und der Durchgänge zu reparieren“. Unterstützer können sich mit freien Beträgen am Crowdfunding beteiligen. (kb, 19.5.20)

München, Café Jasmin (Bild: Café Jasmin)

Ab heute: Neue Heimat in Frankfurt

Eigentlich steht sie seit dem 14. März 2020 im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt: die Ausstellung „Neue Heimat“. Aber erst heute ist der Lockdown soweit gelockert, dass Besucher – unter gewissen Beschränkungen – die Schau auch analog sehen können. Mit der „Neuen Heimat“ verbindet man zwei zweifelhafte Superlative: großformatige Trabantenstädte und die spektakuläre Pleite des gewerkschaftlichen Unternehmens. Doch die Neue Heimat war mehr als ihr öffentliches Scheitern. In der Wirtschaftswunder- und Wiederaufbaueuphorie verband sich mit ihr vor allem die Hoffnung auf ein besseres Leben – „Wohnen für alle“. So entstanden bis unter dem Dach der Neuen Heimat über 400.000 Wohnungen, aber auch Großprojekte wie das Berliner ICC.

Was vom sozialdemokratischen Anspruch dieses Projekts blieb, zeigt nun das DAM in Frankfurt in der Schau: „Die ‚Neue Heimat‘ (1950-1986)“. In Zusammenarbeit mit dem Hamburgischen Architekturarchiv und dem Architekturmuseum der TUM wagt die Ausstellung eine Bilanz, über 30 Jahre nach dem Verschwinden der Neuen Heimat. Gerade angesichts der aktuellen Wohnungskrise kommen damit längst überholt geglaubte Konzepte wieder in den Diskurs. Anhand von ausgewählten Beispielen, vertreten durch Planmaterial, Originalaufnahmen und Modelle, findet eine kritische Neubewertung statt. (kb, 5.5.20)

Darmstadt, Siedlung Kranichstein (1965–1968 Ernst May, Neue Heimat Südwest, Stadtplanungsamt Darmstadt, Günther Grzimek (Landschaftsarchitektur)) (Bild: © Hamburgisches Architekturarchiv)

Mies und die Anderen

Die Grundinstandsetzung der Neuen Nationalgalerie in Berlin durch David Chipperfield Architects steht kurz vor ihrem Abschluss. Aus diesem Anlass widmet sich eine Vortragsreihe in München in diesem Sommer dem baulichen Erbe von Mies van der Rohe und Co. Jenseits der großen Inkunabeln genießen viele dieser Architekturen heute oft zu Unrecht nur wenig Beachtung. Daher stellen die Vortragenden die Frage: Wie können konstruktive Ehrlichkeit, technische Funktionalität, materielle Raffinesse und klare Ordnungsprinzipien dieser Bauten erhalten und für die nächste Generation nutzbar gemacht werden?

Auf dem Mümchener Programm der Reihe „Mies und die Anderen. Lernen aus dem Umgang mit der Moderne“ stehen: 12. Mai 2020, Daniel Lohmann: Mies im Westen. Architektonische Re-Importe im Nordrhein-Westfalen der Nachkriegszeit; 26. Mai 2020, Bernd Rodrian: Billen Pavillon, Wolfsburg; 16. Juni 2020, Andreas Schwarting: Der Mies-Schüler Hermann Blomeier; 30. Juni 2020: 20er Haus/21er Haus, Wien; 14. Juli 2020, Martin Reichert: Die Grundinstandsetzung Neue Nationalgalerie, Berlin. Die Vortragsreihe – eine Veranstaltung der Professur NB, Prof. Dr. Putz, und des Lehrstuhl RKK, Prof. Dr. Danzl – startet coronabedingt zunächst virtuell: jeweils um 19 Uhr als Zoom-Meeting (ID: 975-6712-8908). Das Passwort kann vorab erfragt werden via Mail (mit dem eigenen Namen und dem Betreff „Registrierung“) unter: miesunddieanderen@nb.ar.tum.de. (kb, 1.5.20)

Wolfsburg, Billen-Pavillon (Foto: Copyright Tim Dalhoff, Bildquelle: billen-pavillon.de)