Neuer Bauen

Sie dürfen in Frankfurt schon „Bauhaus-Jahr“ sagen, nur sollten Sie die Anführungszeichen hörbar machen. Denn der wahre Main-Modernist spricht lieber vom „Neuen Bauen“, von jener klaren Moderne unter Architekturgrößen wie Ernst May. So heißt die Koordinierungsstelle der Mainmetropole zum Thema folgerichtig auch „Forum Neues Frankfurt“. Unter dessen niegelnagelneuem virtuellen Dach finden sich ab sofort Beiträge und Veranstaltungen rund um „Neues Frankfurt, Bauhaus und Wohnen in der Großstadt des 21. Jahrhunderts“. Mit dabei sind das Deutsche Architekturmuseum, die Ernst-May-Gesellschaft, das Historische Museum Frankfurt, die Martin-Elsaesser-Stiftung, das Museum Angewandte Kunst Frankfurt – und moderneREGIONAL als Medienpartner.

Empfehlen können wir besonders drei Frankfurter Ausstellungen im Jahr 2019: Das Museum Angewandte Kunst widmet sich vom 19. Januar bis 14. April der „Moderne am Main“, den Umbrüchen im Städte- und Wohnungsbau, in Produkt-, Raum- und Werbegestaltung, in Mode, Musik, Fotografie und Film zwischen 1919 und 1933. Die Ausstellung „Neuer Mensch, Neue Wohnung“, vom 23. März bis 18. August 2019 im Deutschen Architekturmuseum zu sehen, präsentiert die Bauprojekte unter dem Oberbürgermeister Ludwig Landmann und seinem Stadtbaurat Ernst May. Das Historischen Museum Frankfurt legt vom 16. Mai bis 15. September 2019 den Schwerpunkt auf die Frage „Wie wohnen die Leute?“ – heute – in den 1920er-Jahre-Siedlungen. (kb, 18.1.19)

Frankfurt am Main, Treppe zum Bierkeller, Grete Leistikow, ca. 1930 (Bild: © Galerie Berinson, Berlin)

Alles neu!

Alles neu!

Alles Neu Futura (Bild: MAK)
Frankfurter Kreation: die Futura (Bild: Museum Angewandte Kunst Frankfurt)

Beim „Neuen Frankfurt“ denken Architekturliebhaber wohl zuerst an die avantgardistischen Bauprojekte, welche die Mainmetropole in den 1920er Jahren prägten. Doch auch auf anderen Gebieten hatte die Stadt die Nase vorn, etwa bei Typografie und Grafik. Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt widmet diesen beiden Feldern bis zum 21. August 2016 die Sonderausstellung „Alles neu! 100 Jahre Neue Typografie und Neue Grafik in Frankfurt am Main“. Im Fokus stehen die 1920er Jahre, doch auch die Nachkriegszeit, die 1980er sowie die Gegenwart werden beleuchtet.

Ausgangspunkt ist eine umfangreiche Sammlung von Geschäfts- und Privatdrucksachen aus dem Nachlass Philipp Albinus‘. Als Fachlehrer für Typografie und Werkstattleiter für Schriftsatz an der Städtischen Kunstgewerbeschule war er ein entscheidender Akteur auf dem Weg zu einer modernen Typografie Frankfurter Provenienz. Bis in das 20. Jahrhundert hinein wurden in Drucksachen gebrochene Schriften verwendet, die noch auf die Zeit der Erfindung des Buchdrucks zurückgingen. In den 1920ern zog die Gestaltungsmoderne innerhalb weniger Jahre in die Typografie ein. Die wahrscheinlich bekannteste Frankfurter Schrift ist die Futura, die 1927 von Paul Renner entwickelt wurde und weltweit Verbreitung fand. Zur Durchsetzung verhalfen der neuen Typografie auch die Schriftgießereien des Rhein-Main-Gebiets, die auf die modernen Schrifttypen setzten. (jr, 19.4.16)