Das Bahnwärterhaus hat Pause

Bis vor wenigen Tagen gab es in der Hansestadt Demmin in Mecklenburg-Vorpommern ein Relikt aus der goldenen Zeit der Eisenbahn zu sehen: Am Bahnübergang Jarmener Straße stand noch ein um 1926 errichtetes Wärterhäuschen, daneben ein originales, manuell betätigtes Läutewerk. Mittlerweile sind beide weg – um Platz zu schaffen für einen Kreisverkehr, den die Deutsche Bahn an dieser Stelle errichten lassen wird. Doch der alte Übergang ist nicht verloren: Bereits im November 2020 hat der Heimatverein Demmin das Läutewerk geborgen. Und im Januar wurden wesentliche Teile des Häuschens demontiert, darunter die technische Ausstattung, die Klingelanlage, der Dachstuhl und ein Kirchengesangsbuch von 1931 …

Der Abbau geschah in Absprache mit Stadt und Bahn durch die Stadtwerke, die die Anlage vorübergehend einlagern. Denn der Bahnübergang Jarmener Straße soll inklusive der originalen Schranken wieder aufgebaut werden: als kleines Museum, das sich unter anderem der 1878 eingeweihten „Nordbahn“ Berlin-Stralsund widmen soll. Über ein Grundstück in Nähe der Bahngleise wird gerade verhandelt. Zudem ist man noch auf der Suche nach historischen Fotos des Übergangs, da nicht klar ist, ob die Ziegeldeckung des Häuschens original ist. Gucken Sie doch mal in Ihrer Fotokiste – die Stadtwerke und der Heimatverein Demmin freuen sich über Infos! (db, 15.1.21)

Demmin, Bahnwärterhaus 2020 (Bild: Demminer Heimatverein)

Offener Brief: Bei der Kultur hört der Spaß auf

Politik sei sonst nicht seine Sache, so sinngemäß der Promitrompeter Till Brönner vor wenigen Wochen in einem vielbeachteten Videobeitrag zur Corona-Misere einer ganzen Branche. Aber auch Musiker und Co. seien ein Wirtschaftsfaktor und bräuchten – wenn viele davon ihren Beruf von Staats wegen gerade nicht ausüben dürften – drängend Unterstützung. Mit dem neuen Lockdown light hat sich die Situation nun weiter zugespitzt. Neben Kinos und Konzertstätten fielen z. B. auch die Museen in die Kategorie Freizeit und Vergnügen – und mussten damit schließen. Vorerst bis Ende Dezember.

Heute meldet sich der Verband Deutscher Kunsthistoriker (VDK) zur Sache – mit einer Stellungnahme. Natürlich müssten auch Kulturschaffende ihren Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten. Dennoch fiele es schwer, die „Dif­fe­ren­zierung zu verstehen, die zwischen dem Einzel­handel auf der einen und Mu­seen auf der ande­ren Seite vor­genom­men wurde.“ Denn, so der VDK, „Museen dürften zu den sicher­sten Orten über­haupt zählen.“ Schließlich habe man seit dem Frühjahr vorbildmäßig alle Hygienemaßnahmen umgesetzt. Als Bildungsorte, „Wissens­speicher und Archen“ seien Museen von gesamt­­gesell­schaft­licher Bedeutung. Daher erwarte man von der Regierung, diese Belange künftig stärker in die Überlegungen einzubeziehen – auch zum Schutz der festen wie freien Museumsmitarbeiter. (kb, 27.12.20)

Dresden, Museumsbesucher (Foto: Richard Peters, Bild: Deutsche Fotothek, CC BY SA 3.0, um 1970)

Museum Het Schip in Schieflage

Wie inzwischen hinlänglich bekannt sein dürfte, ist die Kulturbranche durch die Pandemie ins Wanken geraten. Zuerst der Lockdown, dann seit Monaten reduzierte Besucherzahlen, was wiederum bedeutet: weniger Eintrittsgelder, kaum Verkäufe im Museumsshop. Diese Situation ist eine Herausforderung für die meisten Ausstellungshäuser. Wenn dann noch die öffentlichen Mittel zur Finanzierung gekürzt werden, so wie kürzlich im Amsterdamer Museum Het Schip (dt. „das Schiff“), dann wird es pekuniär verdammt eng. Dabei wird in dem von Architekt Michel de Klerk 1919-21 geplanten Bau mit der zeichenhaften Gestalt die Geschichte der Amsterdamer Schule des Expressionismus überaus lebendig erzählt. Sogar eine rekonstruierte Sozialwohnung gibt es, welche die Besucher in das Jahr 1921 zurückversetzt.

Nun braucht das Museum Hilfe. Wer Het Schip unterstützen möchte, hat hierfür mehrere Möglichkeiten: Einen Besuch Wert ist das Museum immer. Dabei kann man sich Kaffee und Gebäck im hauseigenen Café gönnen und/oder einen (digitalen) Abstecher in den Museumsshop machen. Alternativ ist Hilfe aus der Ferne ebenfalls erwünscht. Eine Petition setzt sich für den Erhalt des Museums ein und fordert, die Kürzungen zurückzunehmen. Bleibt zu hoffen, dass „das Schiff“ so bald wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt. (mk, 8.10.20)

Amsterdam, Museum Het Schip (Bild: Janericloebe, CC BY 3.0)