Beton und Glaube

Beton und Glaube

Beton und Glaube (Bild: Archipendium-Edition)
Ein tiefer Blick in Berlins moderne Kirchenlandschaft (Bild: archimappublishers)

Der Fotograf Patrick Voigt und der Architekturhistoriker Nikolaus haben sich auf eine Reise begeben zu den modernen Kirchen im ehemaligen West-Berlin. Entstand ist ein opulenter Bildband, der zugleich eine bedrohte Welt dokumentiert. Denn das Image der „Seelenbunker“ ist immer noch nicht das beste. Viel zu oft wird das kirchliche Kind mit dem städtebaulichen Bade ausgeschüttet: Die Hochhaussiedlungen der Nachkriegszeit gelten vielen noch als menschenfeindlich – und die Kirchenräume darin gleich mit.

Dabei wäre es schade, denn Voigt und Bernau zeigen den überbordenden Ideen, welche die Berliner Kirchenbauer aus dem willigen Beton gossen. Kaum eine andere Architekturepoche kannte in so knappen Jahren einen so großen Ideenreichtum.  Mit dem Text- und Bildband „Beton und Glaube“ wollen die Autoren eine „aktuelle Übersicht schützenswerter Kirchen der Nachkriegsmoderne“ bieten und zum sinnvollen Umgang mit diesem wertvollen Erbe anregen. (kb, 4.2.15)

Voigt, Patrick/Bernau, Nikolaus, Beton und Glaube. Kirchen der Nachkriegsmoderne in Berlin (Archipendiumedition), archimappublishers, Berlin 2014, 30 x 21 cm, 152 Seiten, ISBN 978-3940874863.

Corvinuskirche doch Kulturdenkmal

Corvinuskirche doch Kulturdenkmal

Corvinuskirche Hannover, Orgelprospekt 1964 (Bild: Archiv Börner)
Um die Corvinuskirche in Hannover-Stöcken wurde vor Gericht gestritten – jetzt liegt die amtliche Entscheidung vor (Bild: Archiv Börner)

Es ist eine adventliche Nachricht: Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg entschied heute, dass die Corvinuskirche in Hannover-Stöcken ein Kulturdenkmal ist. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) hatte den fünfeckigen Bau von Roderich Schröder (1962) 2011 unter Schutz gestellt. 2012 wurde die Kirche entwidmet und seitens der Gemeinde ein Abriss erwogen. es kam zum Rechtsstreit. Dr. Stefan Winghart, Präsident des NLD in dessen heutiger Pressemeldung, sieht sein Amt bestätigt, „dass das öffentliche Interesse an der Erhaltung fortbesteht.“

Zuvor war das Verwaltungsgericht Hannover zu einem anderen Schluss gekommen: Das NLD hätte die niedersächsischen Nachkriegskirchen insgesamt bewerten müssen. Die heutige Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg dürfte daher bundesweite Beachtung finden – geht es doch grundlegend um die Bewertungskriterien für eine Denkmalausweisung. Das Oberverwaltungsgericht hob, neben architektonischen und künstlerischen Punkten, vor allem die kirchengeschichtliche Bedeutung der Corvinuskirche hervor. Referatsleiter Rocco Curti, Experte für die Nachkriegsmoderne im NLD, freut sich über die geschaffene Klarheit: „Die nur gemeinschaftlich zu bewerkstelligende denkmalpflegerische Erhaltungsaufgabe steht jetzt allerdings erst an.“ (kb, 8.12.14)