„California Dreaming“ in Wien

Eine Konferenz am IFK tagt vom 1. bis 3. April 2020 zur Bedeutung von Wiener Einflüssen auf die kalifornische Moderne um Richard Neutra. Das ist kein Zufall, denn Neutra wurde 1892 in Wien geboren und studierte dort an der Technischen Hochschule unter anderem bei Adolf Loos. Nachdem er einige Zeit im Büro von Erich Mendelsohn mitgearbeitet hatte, zog Neutra mit seiner Familie 1923 in die USA und 1925 ins bekanntlich immer sonnige Kalifornien. Mit dem Health House für das Ehepaar Lovell in den Hügeln von Los Angeles gelang Neutra 1929 der Durchbruch. Bald sollte er zu einem der international bekanntesten Protagonisten moderner Architektur werden, dem besonders die Gesundheit der Bewohner am Herzen lag. Auch in Deutschland baute er in den 1960er Jahren einige Wohnhäuser und zwei kleinere Siedlungen in Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt und Quickborn bei Hamburg.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm ergänzt die Konferenz. Am 1. April 2020 laufen im METRO Kinokulturhaus verschiedene Filme, die mit Neutras Werk verbunden sind. Ein besonderes Highlight dürfte das Gespräch von Matti Bunzl mit dem jüngsten Sohn Raymond Neutra am 2. April 2020 sein (Anmeldung erforderlich!). Noch bis zum 20. September 2020 ist zudem im Wien Museum (MUSA) die Ausstellung „Richard Neutra – Wohnhäuser für Kalifornien“ zu sehen. (mk, 25.2.20)

Palm Springs, Kaufmann House (Bild: Shaqspeare, CC BY-SA 3.0)

Wirtschaftswunder in Käfertown

Die Stadt Wolfsburg ist noch jung: 1938 wurde sie als „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ gegründet. Aus dem NS-Projekt KdF-Wagen wurde der weltberühmte VW Käfer, und die Stadt rund ums imposante Automobilwerk erhielt am 25. Mai 1945 den Namen Wolfsburg – analog zum nahegelegenen Schloss Wolfsburg. Was folgte, war ein ganz eigenes Wirtschaftswunder. Hier wurde kein Wiederaufbau betrieben, hier entstand eine komplett neue Großstadt in der Formensprache der Nachkriegs- und Spätmoderne. In Wolfsburg bauten unter anderem Hans Scharoun, Alvar Aalto und Zaha Hadid.

Dem stürmischen Stadtaufbau kann man derzeit im Stadtmuseum Wolfsburg noch einmal in Farbe beiwohnen. Rummel an der Stadthalle, Ruderboote auf dem Schillerteich, nächtliche Neonwerbung in der Porschestraße: Festgehalten hat diese Motive der Lehrer und engagierte Hobbyfotograf Wilhelm Marschner (1907-1984), der mit sicherem Blick und großem Können die Stadt und ihre Menschen in den Jahren des Booms verewigte. Das Stadtmuseum im M2K zeigt Marschners Wolfsburg-Ansichten im Rahmen einer Sonderausstellung noch bis 19. April (der Eintritt ist frei). Begleitend gibt es am 16. Februar um 15 Uhr eine Führung mit dem Kurator Dr. Arne Steinert und am 19. März um 18.30 dann auch einen klassischen Dia-Abend mit den historischen Bildern von „Käfertown“. (Kulturwerk im M2K, Goethestraße 48, 38440 Wolfsburg). (db, 14.1.20)

Wolfsburg, Porschestraße, um 1960 (Bild: Wilhelm Marschner/Stadtmuseum Wolfsburg)

„Überm See“ wird gebetet

Seit 50 Jahren wird in Olpes Stadtteil Sondern zwischen „Überm See“ und der Franz-Hitze-Straße die Messe gefeiert. Hier am Biggesee, einem in der Nachkriegszeit angelegten Stausee, entstand zwischen 1966 und 1969 – nach Plänen des Architekten und Essener Stadtbaurats Herman Gehrig – die katholische Kirche St. Maria Hilfe der Christen. Der verklinkerte Saalbau mit Betonglas- und Bleiglas-Fenstern erhebt sich über einem polygonalen Grundriss.

Obwohl das kleine Sondern keine 500 Einwohner zählt, bietet die Kirche satte 345 Sitzplätze. Eine Besonderheit ist zudem die Erweiterungsmöglichkeit durch ein bestuhlbares Atrium, das sich zum östlich gelegenen Biggesee orientiert. Dabei waren die Arbeiten holprig verlaufen: Kurz nach dem Baubeginn verstarb Gehrig und der lokale Architekt Heribert Klein musste sein Werk vollenden. Für die Kirchenglocken fehlte zunächst das Kapital. Erst seit 2003 läutet es aus dem skulpturalen Campanile. Umso mehr darf man sich bei einem Besuch über den 50. Kirchengeburtstag freuen und das gelungene Baukunstwerk bestaunen. (mk, 30.11.19)

Olpe-Sondern, St. Maria Hilfe der Christen (Bild: pv-olpe.de)