Pforzheim ruft!

Der Winter neigt sich langsam dem Ende zu. Unser Geheimtipp für einen alternativen Osterspaziergang: ein Ausflug ins Pforzheim der Nachkriegsmoderne! Die im Krieg stark zerstörte Stadt wurde beim Wiederaufbau grundlegend umgestaltet und kann daher heute unter anderem mit Bauten von Egon Eiermann und Otto Bartning aufwarten. Das Kulturamt der Stadt hat dieses architektonische Erbe als Teil der städtischen Identität erkannt und einen “Architekturführer Nachkriegsmoderne” herausgegeben. Erst vor kurzem endete eine umfangreiche Ausstellung im Stadtmuseum, die sich mit dem Wiederaufbau der Stadt befasste.

Das Heft präsentiert die baulichen Highlights der 1950er und 1960er Jahre. Es organisiert nachkriegsmoderne Bauten wie den Hauptbahnhof, den Goldnen Adler oder das technische Rathaus zu einem Rundgang durch Pforzheims Innenstadt. Auch Bauten in den Vororten der Stadt werden präsentiert. Der Architekturführer wurde vom städtischen Denkmalpfleger Christoph Timm verfasst und ist in der Reihe “Pforzheimer Stadtrundgänge” erschienen. Wer sich nicht mit den Bauten der Nachkriegsmoderne begnügen möchte, findet hier auch Architekturführer zum Pforzheimer Art déco oder zum Reuchlinghaus. (jr, 3.3.16)

Auf den Spuren der 1950er und 1960er Jahren in Pforzheim (Bild: Kulturamt der Stadt Pforzheim)

Heimatplan lockt nach Wuppertal

Nein, die Rede ist nicht von der teils denkmalgeschützten Wuppertaler Siedlung, die Anfang der 1930er Jahre entstand und als typisches Beispiel für den sozialen Wohnungsbau der Weimarer Republik gilt. Die Ausstellung “>Heimatplan< Brutalismus und die Architektur der Nachkriegsmoderne” nimmt vielmehr deutsche Architektur nach 1945  in den Blick. Dabei werden besonders solche Bautypen liebevoll aufgegriffen, die vielerorts als seelenlos oder monoton verschrien sind. Die neun an der Schau beteiligten Künstler interpretieren sie auf ebenso ungewöhnlich wie humorvolle Weise.

So gibt Julia Zinnbauer dem städtebaulichen Paradigma der Nachkriegsmoderne eine modische Dimension. Die autogerechte Stadt – heute ein Schreckgespenst für Lokalpolitiker und Bürgerbewegungen – dient einem von ihr entworfenen Kleid als Namensgeber. Mit seinem schwarzen Streifenmuster gibt das Textil dem Asphaltdschungel eine ungewohnt elegante Repräsentanz. Ein weiteres Highlight ist eine defekte Kaffeemaschine, die Matias Bechtold zu einem futuristisch anmutenden Puppenhaus umgestaltet hat. Die Ausstellung ist noch bis zum 13. März 2016 in der Galerie GRÖLLE pass:projects (Friedrich-Ebert-Straße 143e, 42117 Wuppertal) zu sehen. (jr, 14.2.16)

So recycelt man Kaffeemaschinen richtig (Bild: Grölle pass:projects)

HIMMELSTÜRMEND

Die Bankenhochhäuser sind prägend für das moderne Frankfurt (Bild:  DAM,© Klaus Helbig)
Die Bankenhochhäuser sind prägend für das moderne Frankfurt (Bild: DAM,© Klaus Helbig)

Die Wolkenkratzer und Bankentürme sind heute ein elementarer Bestandteil der urbanen Identität der Stadt Frankfurt am Main. In keiner anderen deutschen Stadt finden sich mehr solcher Bauwerke, die Rangliste der 10 höchsten Gebäude Deutschlands kann die Mainmetropole im Alleingang füllen. Eine Ausstellung  nimmt nun unter dem Titel “HIMMELSTÜRMEND. Hochhausstadt Frankfurt” die Dynamik der architektonischen Entwicklung am Main nach 1945 in den Blick. Sie ist bis zum 19. April 2015 im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt zu sehen.

Die Entstehung von Frankfurts Hochhausidentität ist historisch im engen Zeitraum der letzten 60 Jahre anzusiedeln. Die Ausstellung lässt nicht nur die Stilrichtungen Nachkriegs- und Postmoderne in Gestalt exemplarisch vorgestellter Bauwerke aufeinandertreffen. Sie zeichnet auch städtebauliche Entwicklungen, Debatten und Kontroversen nach. Dazu gehören der Wiederaufbau des kriegszerstörten Frankfurt ebenso wie der “Häuserkampf” im studentenbewegten Stadtteil Westend oder der Neubau der Europäischen Zentralbank. Mit letztgenanntem Projekt sowie der bundesweit beachteten Sprengung des AfE-Turms schlägt die Ausstellung den Bogen in die Gegenwart. Begleitend ist die Publikation “Hochhausstadt Frankfurt. Bauten und Visionen seit 1945” erschienen. (jr, 22.11.14)