Fliegen in Cottbus

Einmal im Jahr veranstaltet das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz einen Workshop, in dem sich Studierende “am Objekt” ausprobieren können. 2021 ging es unter anderen um einen Wirtshaussaal aus den 20er Jahren. Im selben Jahrzehnt wird auch dieses Jahr angesetzt: Im Mittelpunkt des Workshops vom 4. bis 11. September steht dabei der ehemalige Heeresflugplatz in Cottbus, der 1927 als Verkehrslandeplatz in Betrieb ging. Von besonderer Bedeutung sind dabei – nicht nur wegen ihrer Dimensionierung – die ab 1933 errichteten Flugzeughangars mit ihrer beeindruckenden Baukonstruktion. Insgesamt 20 Studierende werden sich mit dem einst militärisch genutzten Areal auseinandersetzen, den Denkmalwert untersuchen und Instandhaltungs- und Nutzungsszenarien für die ehemaligen Hangars und ihre Umgebung entwerfen.

Unterstützung bekommen sie dabei durch zahlreiche Inputs von Expert:innen aus Denkmalpflege, Stadtplanung und Museumswesen. Und auch das weitere Umfeld wird erkundet: Eine Exkursion führt unter anderem an den im Entstehen begriffenen Cottbusser Ostsee. Die Ergebnisse des Workshops werden in einer Ausstellung zum Tag des offenen Denkmals im Hangar 5 der Oberbürgermeisterin der Stadt Cottbus sowie der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Außerdem wird im Nachgang des Workshops eine Publikation erstellt. Noch bis zum 31. Mai ist die Bewerbung möglich, angesprochen fühlen sollen sich Studierende aller Fachrichtungen, vorausgesetzt ist ein Interesse an Fragen der Denkmalpflege und Spaß am interdisziplinären Austausch. (fs, 4.4.2022)

Cottbus, ehemaliger Flughafen, Hangar (Bild: via DNK)

Auf Linie

Nach dem “Anschluss” Österreichs an das damals nationalsozialistisch regierte Deutschland im Jahr 1938 kam auch die Kunst in den Blick der neuen Machthaber. Zunächst wurden in Wien alle bestehenden Kunstvereine aufgelöst, dann versuchte sich die Reichskammer der bildenden Künste an der Gleichschaltung aller Zweige von Malerei bis Mode. Nur wer Mitglied war, durfte seine Profession auch ausüben – was Jüd:innen und politisch Andersdenkende zwangsweise außen vor ließ. Nun wurde zum ersten Mal in einer Publikation zusammengefasst, was die wissenschaftliche Aufarbeitung der knapp 3.000 Mitgliederakten eben jener Institution über die damaligen Vernetzungen und Einflussnahmen im Wien jener Jahre enthüllt.

Die Wiener Kunsthistorikerinnen Ingrid Holzschuh und Sabine Plakolm-Forsthuber beleuchten dabei sowohl die Lebensläufe einzelner Protagonist:innen als auch verschiedene Ausstellungen, Sparten und Kunstwerke, darunter etwa die Ausstattung des Wiener Rathauses im Jahr 1938. Auch die Brüche und Verbindungslinien zur Zeit nach 1945 werden nicht ausgespart. Die Publikation begleitet eine gleichnamige Ausstellung im Wien Museum (MUSA, Felderstraße 6-8, 1010 Wien), die dort noch bis zum 24. April 2022 zu sehen sein wird. Hier übt man kuratorisch sensible Zurückhaltung, um den inzwischen historischen Stücken keinen feierliche Nimbus zu verleihen: De Exponate werden so gezeigt, wie sie vor Ort im Magazin bzw. Depot aufbewahrt werden. (kb, 20.12.21)

Holzschuh, Ingrid/Plakolm-Forsthuber, Sabine, Auf Linie. NS-Kunstpolitik in Wien. Die Reichskammer der bildenden Künste, Birkhäuser Verlag, Berlin 2021, Broschur, 31 x 22 cm, 344 Seiten, 234 Abbildungen, ISBN 978-3-0356-2426-7, E-Book (PDF): 978-3-0356-2427-4.

Viktor Weixler, Entwürfe für eine Galauniform und einen Wintermantel für die Wiener Sängerknaben, 1944, Wien Museum (Foto: Paul Bauer © Wien Museum)

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Fotobuch: Militärstädte in Brandenburg

Auf 192 Seiten zeigt Johann Karl in seinem im Kerber-Verlag erschienenen Fotobuch die wechselvolle Geschichte ehemaliger militärischer Sperrgebiete in Brandenburg. Nun werden Truppenübungsplätze gemeinhin nicht unbedingt mit architektonischer Brillanz in Zusammenhang gebracht. Orte wie Wünsdorf waren aber mehr als bloße Militärstandorte. Sie wuchsen über Kaiserzeit, Nationalsozialismus und zu Zeiten der DDR zu ganzen Städten heran. Mit allem was dazu gehört – vom Wohnhaus bis zum Freibad. Diese der Öffentlichkeit einst weitgehend verborgenen Städte porträtiert Karl in historischen Aufnahmen und im heutigen Zustand. Kurze Texte informieren über die wichtigsten Hintergründe.

Das im Rahmen einer Abschlussarbeit an der Berliner Neuen Schule für Fotografie entstandene Buch nähert sich dem eigenen Charme der patinierten bis hin zu ruinösen Bauten. Wie die Neue Schule für Fotografie mitteilt werden Johann Karls Arbeiten zudem vom 18. September bis 25. Oktober 2020 im Rahmen der Ausstellung “Atopie” in der hauseigenen Galerie in der Brunnenstraße 188-190 in Berlin zu sehen sein. (mk, 22.6.20)

Wünsdorf, Observationsbunker (Bild: Johann Karl/Schule der Fotografie Berlin)