Verteidiger der Moderne

Als selbst die Fachwelt für die Moderne noch wenig übrig hatte, und auch nur für die Inkunabeln der “klassischen Phase” eine Chance auf Denkmalstatus bestand, erstellte er längst die ersten Listen: Dr. Christoph Mohr arbeitete seit 1976 für die hessische Denkmalpflege. Damals galt ein Gebäude in der Regel nur dann als schützenswert, wenn es (allerspätestens) kurz vor der Weimarer Republik errichtet wurde. 1984, zur Hochphase der Postmoderne, erschien in Zusammenarbeit mit Michael Müller sein Band “Funktionalität und Moderne – Das Neue Frankfurt und seine Bauten 1925-1933” – eine der ersten kunsthistorischen Auseinandersetzungen mit dem Wirken von Ernst May. Auch die Bauten des Frankfurter Universitätsbaumeisters Ferdinand Kramer rückte Mohr später als einer der Ersten ins Licht.

Stets eng mit dem Denkmalamt der Stadt Frankfurt verbunden, war Christoph Mohr von 1996 bis 2010 schließlich Hessischer Landeskonservator. Zuletzt wirkte er im Vorstand und als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Ernst-May-Gellschaft Frankfurt. Doch nicht nur die frühe Moderne verteidigte der Kunsthistoriker: Gemeinsam mit seiner Frau Brita von Götz-Mohr restaurierte er das Gutshaus ihrer Vorfahren in Welle bei Stendal, das diese 1998 von der Treuhand erwarb. Nun ist ein wichtiger Chronist der gebauten Geschichte verstummt: Bereits am 10. August ist Christoph Mohr im Alter von 73 Jahren gestorben. (kb/db, 25.8.19)

Christoph Mohr (Bild: epizentrum, via deutsches-architektur-forum.de, 2010)

Mit Bus und Bahn zum Neuen Frankfurt

Gestern präsentierten Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig und Thomas Wissgott, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) mit historischen Motiven bedruckte Fahrzeuge des ÖPNV: Bus, Bahn und Straßenbahn. Zu sehen sind Fotografien von Siedlungselementen der 1920er und frühen 1930er Jahre, als unter Stadtbaurat Ernst May und Architekturgrößen wie Martin Elsaesser am Main wegweisende soziale und gestalterische Projekte verwirklicht wurden. Unter dem Slogan “Zum Neuen Frankfurt auf Schienen” sollen nun die bedruckten Busse und Bahnen auf den lokalen Schwerpunkt im Bauhausjahr hinweisen.

Passend dazu ist aktuell ein Faltplan erschienen, der interessierte Modernisten mit dem ÖPNV zu sehenswerten Punkten des Neuen Frankfurt im Stadtgebiet leitet. Dabei orientiert sich die Gestaltung (Design: Profi Aesthetics) an einer Stadtkarte aus der Ära May. Der neue Faltplan ist analog im Ernst-May-Haus, im Forum Neues Frankfurt und im Deutschen Architekturmuseum erhältlich. Online steht er als Download zur Verfügung. Und wer virtuell vorglühen möchte, dem sei ein Blick in das mR-Frühjahrsheft “Moderne Mobil” empfohlen, das die Bauten des Neuen Frankfurt mit zeitlich dazu passenden Fortbewegungsmitteln (und alterslosen Fachleuten) zusammenbringt. (kb, 30.6.19)

Frankfurt, S-Bahn mit Motiven des Neuen Frankfurt (Bild: Copyright: Kulturdezernat der Stadt Frankfurt, Foto: Salome Roessler)

Die vielen Gesichter des Hannes Meyer


Beim Stichwort “Bauhausdirektor” denken die meisten Architekturfreunde wohl zunächst an Walter Gropius oder Mies van der Rohe. Hannes Meyer, der das Amt von 1928 bis 1930 inne hatte, wird ihnen dagegen nicht sofort einfallen – und das liegt sicher nicht nur an seinem Allerweltsnamen. Das soll sich spätestens im Bauhaus-Jubeljahr ändern. Mit dem Buch “Hannes Meyer und das Bauhaus” wird anhand von programmatischer Schriften dokumentiert, wie der Architekt und Sozialist seine Idee des Bauhauses unters Volk brachte.

Darüber hinaus analysieren internationale Experten in Essays, wie Meyers Positionen sich veränderten und in unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Kontexten aufgenommen wurden. Vorgestellt wird die Publikation morgen, am 25. April 2019, ab 19 Uhr im Forum Neues Frankfurt (Hadrianstraße 5, Frankfurt am Main). Anwesend ist der Herausgeber des Buchs, der Publizist Thomas Flierl. Der Eintritt ist frei, es gibt Apfelwein und Brezeln. (kb, 24.4.19)

Flierl, Thomas/Oswalt, Philipp (Hg.), Hannes Meyer und das Bauhaus. Im Streit der Deutungen, 640 Seiten, fadengehefteter Festeinband, 29,7 x 21 cm, Spectator Books, Leipzig 2019, ISBN 9783959051507.

Titelmotiv: Detail des Buchcovers (Bild: Spectator Books)