Stillstand statt Bewegung

Wenn man durch Kölns Fußgängerzone bummelt, entdeckt man unweigerlich zwischen den Einzelhandelspalästen einen silberglänzenden Kunstschatz. Extravagant und futuristisch gibt sich die Fassade des ehemaligen Kaufhauses Wormland an der Hohe Straße/Ecke Salomongasse. Die Edelstahlhaut, die den Baukörper komplett umschließt, bildet den Hintergrund für die kinetische Plastik „Licht und Bewegung“ des ZERO-Künstlers Otto Piene, die jüngst in die Rote Liste des Kunsthistorikerverbands aufgenommen wurde. Ab 1966 tanzten Aluminiumkugeln begleitet von Lichteffekten auf der Fassade. Der damalige Inhaber des Herrenbekleidungshauses Theo Wormland beauftragte den Architekten Peter Neufert mit der Neugestaltung seines Geschäftes. Bauherr und Architekt verband ihre Kunstsinnigkeit: Hochkultur und Kaufkultur als symbiotisches Miteinander.

Von solchem Verständnis kann heute keine Rede mehr sein. Seit Jahren leuchtet und bewegt sich nichts mehr. Für den aktuellen Eigentümer scheinen die Leichtmetallkugeln lästig zu sein. Die fensterlose Fassade macht eine profitable Nutzung als Bürofläche unmöglich. Dem Denkmalschutz wird wieder die Rolle als Verhinderer aufgezwungen. Unterdessen zerfällt der ungenutzte Bau hinter der schillernden Haut – es zeichnet sich gar der mögliche Abriss ab. Doch die einzigartige Fassadenschöpfung hat tatkräftige Unterstützer. Die Galeristin Martina Kaiser zeigt sich umtriebig und treibt Sponsoren auf, um die Restaurierung und von Pienes Plastik finanzieren zu können. Der Eigner allerdings ließ sich noch nicht für die kühle Fassade erwärmen. (jm, 6.5.20)

Köln, Wormland-Haus (Bild: Raimond Spekking, CC BY-SA 3.0)

Architecture en uniforme

Auch während der „dunklen Jahre“, mitten im Zweiten Weltkrieg wurde gebaut. Dieser noch allzu wenig beachteten Architekturepoche widmet das Pariser Palais de Chaillot bis zum 8. September 2014 die Ausstellung „Architecture en uniforme. Projeter et construire pour la Deuxième Guerre mondiale“. Untersucht wird, wie sich die verheerenden Kriegszerstörungen in Guernica 1937 oder in Hiroshima und Nagasaki 1945 auf das Bauwesen auswirkten. Die Kuratoren der Pariser Ausstellung vergleichen hierfür Projekte aus Frankreich, Kanada, Deutschland, Italien, Japan, Italien, Spanien, den USA und der UdSSR.

Mit Zeichnungen, Modellen, Fotografien und Quellen wird – anhand von Architektenpersönlichkeiten wie Albert Speer oder Ernst Neufert – ausgelotet, wo professionelles Engagement aufhörte und Mittäterschaft begann. Die Projekte reichten von Fabrik- bis zu Bunkerbauten. Es entstand der architektonische Rahmen für Vernichtungslager wie Ausschwitz. Aber es wurden auch zukunftsweisende Erfahrungen für einen sparsamen Umgang mit Baustoffen gesammelt. In jedem Fall bildeten das Erleben von Zerstörung und Wiederaufbau zuletzt den Nährboden für eine neue, kompromisslos moderne Architektur. (kgb, 7.6.14)

„Tarnspezalisten“ im US-amerikanischen Fort Belvoir (Bild: Palais de Chaillot Paris)