Ground Zero: Wiederaufbau der orthodoxen Kirche

Die Ziele sind hoch gesteckt: Die griechisch-orthodoxe Gemeinde will aus dem Wiederaufbau die meistbesuchte Kirche von New York (oder des ganzen Landes) machen. Der Weg dorthin gestaltet sich, freundlich gesagt, schwierig. Der Vorgängerbau – ein Wohnhaus von 1832, das man später zur Kneipe, 1916 zur Kirche umnutzte – wurde am 11. September 2011 unter den herabfallenden Trümmern des Südturms des Word-Trade-Centers begraben. Bei den rasch folgenden Wiederaufbau-Verhandlungen stritt man so ziemlich über alles: Kosten, Zeitrahmen und Standort. Zuletzt standen Korruptionsvorwürfe im Raum. Schließlich wurde der Neubau im nahegelegenen Liberty Park platziert. Für den Entwurf zeichnet der Architekt Santiago Calatrava verantwortlich.

Doch der angekündigte Eröffnungstermin im Jahr 2017 konnte nicht gehalten werden. Zeitweise stand die Baustelle ganz still. Anfang August diesen Jahres erklärten der New Yorker Bürgermeister und der griechisch-orthodoxe Erzbischof, dass die Bauarbeiten nun fortgeführt werden. Noch zeigt sich die Baustelle der entstehenden Nikolauskirche brutalistenfreundlich. Die Simulationen lassen jedoch einen strahlend weißen Marmorkubus vor den umgebenden Stahl-Glas-Fassaden erahnen. Bei Nacht ließe sich die transparente Kuppel effektvoll illuminieren. Die neue orthodoxe Kirche soll zwanzig Jahre nach dem Attentat, am 11. September 2021, fertiggestellt sein. Aktuell schwanken die Angaben für die Neubaukosten zwischen 30 und 80 Millionen Dollar. (kb, 9.8.20)

Titelmotiv: New York, Ground Zero, Griechisch-Orthodoxe Kirche (Bild: Epicgenius, CC BY SA 4.0, 2018)

„Höchstes von einer Frau entworfenes Gebäude“

Ein solcher Titel ist – vielleicht vergleichbar mit einem internationalen Hattrick im Kirschkernweitspucken – eine Ehre und auch wieder nicht: Der damit bis 2009 „ausgezeichnete“ Wolkenkratzer wurde 1961/64 von der Architektin Natalie Griffin de Blois (mit Gordon Bunshaft, für das Büro Skidmore, Owings & Merrill) gestaltet. Doch schon lange war er von höheren Bürotürmen umringt. Nur dass diese eben alle von ihren männlichen Kollegen entworfen werden durften. Sprach der Superlativ also eher von einer Gender-Schieflage in der Architektur der Nachkriegsmoderne, handelt es sich dennoch um ein elegantes Bauwerk von 360 Metern und 52 Stockwerken Höhe.

Niklas Maak spricht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gar von einem „Meisterwerk“ mit „leichten, filigranen, vom nahen Seagram-Building inspirierten Vertikalen“. Doch das „270-Park-Building“ soll jetzt einem noch höheren Neubau weichen – entworfen wieder von einem männlichen Berufskollegen, von Norman Foster. Eine neue Bauordnung erlaubt seit Kurzem höhere Neubauten. Und nachdem man in den 1960er Jahren zunächst historistische Wohnblöcke zugunsten neuer Bürotürme niederlegte, sollen viele der nachkriegsmodernen Wolkenkratzer nun für noch höhere Wohnbauten Platz machen. Damit wird wohl eine neue Form von Superlativen in Manhattan Einzug halten. (kb, 26.1.19)

New York, Manhattan, 270-Park-Hochhaus (Bild: Teilnehmer/Team, official-ly cool, CC BY SA 3.0, 2008)

A Concrete Utopia

Der frühe Vogel kann uns mal – obwohl, bei Überseereisen kann er äußerst nerven- und portemonnaieschonend sein. So lohnte es sich, jetzt schon den nächsten New-York-Trip zu planen, denn hier wartet ab dem 15. Juli diesen Jahres eine sehenswerte Beton-Schau. Mit „Toward a Concrete Utopia“ bietet das dortige Museum of Modern Art (Moma) einen Rundumblick auf die moderne Architektur im Jugoslawien der Jahre 1948 bis 1980. Zwischen dem kapitalistischen Westen und dem sozialistischen Osten unterlagen die Architekten Jugoslawiens widersprüchlichen Wünschen und Anforderungen. Es entstanden Bauten vom eleganten Wolkenkratzer im Internationalen Stil bis zum schweren sozialistischen Brutalismus.

Die Ausstellung folgt diesem weiten Bogen von großangelegten stadtplanerischen Entwürfen über Alltagsarchitektur bis zu zeichenhaften Monumenten. Gezeigt werden mehr als 400 Zeichnungen, Modelle, Fotografien und Filme aus öffentlichen Archiven, Familiennachlässen und regionalen Museen. Mit dabei sind Architekten wie Bogdan Bogdanović, Juraj Neidhardt, Svetlana Kana Radević, Edvard Ravnikar, Vjenceslav Richter und Milica Šterić oder Gebäude von der Weißen Moschee im ländlichen Bosnien bis zu den expressiven Häuserblöcken in „Neu Belgrad“. Wer dann doch noch etwas mehr Planungsvorlauf braucht, der kann sich bis zum 13. Januar 2019 Zeit nehmen, dann schließt die Moma-Ausstellung. (kb, 31.1.18)

Edvard Ravnika, Ljublijana, Platz der Revolution (heute Platz der Republik), 1960-74 (Bild: Valentin Jeck/Museum of Modern Art, New York, 2016)