Chippendale braucht Sie!

Nein, Sie denken jetzt nicht an die textilarm tanzenden Hausfrauenbeglücker. Es geht um Architektur. Um eine Ikone der Postmoderne. „Chippendale“ nennen die New Yorker eine Ikone eben jenes Stils, die keine Scheu vor Schnörkeln zeigte. Der geschwungene Dachabschluss eines Hochhauses erinnert sie an die vom Rokoko inspirierten Möbelentwürfe des Kunsttischlers Thomas Chippendale, der lange die amerikanischen Wohnzimmer beherrschte: Das Sony Building (nach dem aktuellen Eigentümer), oder auch AT&T Building (nach dem einstmaligen Nutzer, einem amerikanischen Telekommunikationskonzern), wurde von 1979 bis 1985 von den Architekten Philip Johnson und John Burgee entworfen – als tiefe Verbeugung vor den New Yorker Wolkenkratzern der 1920er Jahre. Wer mag, kann darin auch Anklänge an die italienische Renaissance sehen.

Jetzt droht der Inkunabel ein schwerer Schlag: Der granitverkleidete Sockel soll dran glauben. Im Erdgeschoss soll eine Glasfassade stattdessen bald besuchereinladende Offenheit signalisieren. Daher ruft eine Online-Petition auf „change.org“ dazu auf, das AT & T Buildung unter Denkmalschutz zu stellen. Oder, genauer gesagt, die New York City Landmarks Preservation Commission soll das Gebäude listen. Auch eine Schweizer Initiative von „archithese“ und eine Petition auf avaaz.org bemühen sich um den Bau. Egal wie: Retten Sie das AT&T! (kb, 2.11.17)

New York, AT&T Building, 55 Madison Avenue (Bild: Citizen59, CC BY SA 3.0)

 

New York State Pavilion wird saniert

Es ist das futuristische Ergebnis einer Weltausstellung, das sich im Flushing Meadows-Corona Park im New Yorker Stadtteil Queens erhalten hat. Der „New York State Pavilion“ wurde von den Architekten Philip Johnson und Lev Zetlin pünktlich zum Großereignis im Jahr 1964 fertiggestellt. Stahl-Betonkonstruktionen formten drei klangvoll benannte Komponenten: das „Tent of Tomorrow“ mit seinem weit gespannten Zeltdach, die (gleich drei) „Observation Towers“ und das „Theaterama“. Nach dem Ende der Weltausstellung stand die Anlage leer, diente nur noch gelegentlich als Filmset für TV-Serien und Musikvideos.

Zum runden Geburtstag öffnete man den abgezäunten Bereich 2014 für einige Stunden für – bauhelmgeschützte – Besucher, was stark wahrgenommen wurde und die Frage der baulichen Zukunft wieder in die Diskussion brachte. Rasch mauserte sich der Pavillon zur Sehenswürdigkeit, aber auch zum Sorgenkind der Stadt New York. 2015 wurden zunächst einige Stahlkonstruktionen neu gestrichen und damit vor weiterem Verfall geschützt – die gewählte Farbe trägt den einleuchtenden Namen „American Cheese Yellow“. 2016 suchte man per Ideenwettbewerb nach einer zukunftsträchtigen Nutzung für die Anlage. In diesen Tagen gab das NYC Parks Department gegenüber dem „Queens Chronicle“ bekannt, dass man für weitere Sanierungsmaßnahmen rund 14 Millionen US-Dollar bereitstellt. Die Arbeiten sollen 2019 abgeschlossen werden. (kb, 16.7.17)

New York State Pavilion, 2015 (Bild: Erin Slonaker)

How Should We Live?

How Should We Live?

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Die Frankfurter Küche in New York (Bild: Julius Reinsberg)

Diese Frage stellten sich Designer, Planer und Architekten besonders im Europa der Zwischenkriegszeit vermehrt. Eine gleichnamige Ausstellung im New Yorker MoMA widmet sich den mannigfaltigen Wohnutopien aus den Jahren 1920 bis 1950. Zu sehen sind über 200 Exponate aus der Designsammlung des Museums, die damals als neuzeitliche Einrichtungsgegenstände das Leben ihrer Nutzer sowohl bereichern als auch konstitutiv prägen sollten. Einige sind heute als Designklassiker bekannt, andere nie über den Modellstatus hinausgekommen.

Neben einzelnen Gegenständen rekonstruiert die Ausstellung auch ganze Designensembles. So können die Besucher ein 1:1-Modell der Frankfurter Küche bestaunen, jener „Mutter aller Einbauküchen“, die Mitte der 1920er Jahre von der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky entworfen wurde. Auch Alvar Aalto, Ray und Charles Eames und Lilly Reich sind mit prominenten Entwürfen präsent, Le Corbusier ist mit einem voll eingerichteten Musterzimmer des Maison du Brésil vertreten. Die Schau ist noch bis zum 23. April 2017 zu sehen. (jr, 17.10.16)