Zukunft für den Expo-Pavillon

Eines der Wahrzeichen der einzigen Weltausstellung auf deutschem Boden war der Pavillon der Niederlande – damals, auf der Expo 2000 in Hannover. Wahrzeichen ist er geblieben – für den Niedergang: Das schwer umnutzbare Gebäude, entworfen vom Rotterdamer Architekturbüro MVRDV, hat mittlerweile 20 Jahre Leerstand und Verfall hinter sich. Ähnlich sehen noch immer einige ungenutzte Pavillons der Schau aus, die damals 18 Millionen Besucher zählte – derweil man auf 40 Millionen hoffte. Immerhin wird der Ostteil des Expo-Geländes heute als „Expo Park Hannover“ zu großen Teilen weiter, bzw. wieder genutzt. Hier befindet sich auch das niederländische Bauwerk, das 2017 an einen Investor verkauft wurde.

Und nun zieht tatsächlich wieder Leben in die spektakuläre Ruine ein: MVRDV selbst darf seinen Expo-Bau zum Bürohaus umgestalten und um zwei Wohn- und Bürohäuser ergänzen. MVRDV-Gründungspartner Jacob van Rijs: „Das Schöne an dem Objekt ist, dass die Kernstruktur mit den hohen Decken und den offenen Räumen in hohem Maße wiederverwendbar ist. So sind wir auch nach zwanzig Jahren noch in der Lage, das Gebäude in eine funktionale Büroumgebung umzuwandeln, die jedoch die einzigartigen experimentellen Merkmale des Expo-Pavillons beibehält.“ Das möchte mR gerne in Natura sehen und ist sozusagen in froher Erwartung! (db, 14.7.20)

Hannover, Expo2000, Pavillon der Niederlande 2019 (Bild: Simon Reinhardt, CC BY 4.0)

Neu in der Amsterdamer Schule

Wer in den Niederlanden shoppen ging, ging zu Vroom und Dreesmann. Ende 2015 musste die 1887 geründete Kette schließen und hinterließ überall im Land verwaiste, mehrheitlich historische Gebäude. Die Filliale in Amsterdam ist nun von Office Winhov (Amsterdam) zu einem Bürohaus mit Gewerbeeinheiten umgestaltet worden. Dabei kamen die zahllosen Zeitschichten des Gebäudes am Kanal Rokin zum Vorschein: Der historistische Ursprungsbau wurde 1912 nach Plänen des Architekten Francois Caron errichtet. Bereits 1930 erfolgte eine tiefgreifende Umgestaltung im Stile der Amsterdamer Schule durch den V&R-Hausarchitekten Jan Kujt. Aus dieser Zeit stammt auch die großflächige Glasfront. Durch spätere Umbauten war diese Fassade jedoch selbst weitgehend verschwunden.

Office Winhov haben nun die Gestaltung der 1930er zurückgeholt, setzten unter anderem die Verglasung wieder ein. Daneben integrierten sie die restaurierten, rechts angrenzenden Kontorhäuser aus dem 18. Jahrhundert durch eine gläserne Zwischenkonstruktion. In den oberen Etagen, in denen einst die Verwaltung saß, finden sich jetzt großzügige Büros. Deren Mittelpunkt bildet das Atrium von 1912, ausgestattet mit einem neuen Oberlicht. Erdgeschoss, Untergeschoss und der erste Stock sind weiterhin Geschäftsflächen, statt eines Kaufhauses finden sich nun aber kleinteilige Flächen für den Einzelhandel. Und nun ein mR-Reisetipp: Das spektakulärste V&D-Kaufhaus, 1930-34 ebenfalls nach Entwurf von Jan Kujt gebaut, steht in Haarlem. (db, 10.2.20)

Amsterdam, Ex-V&D (Bild: Eric Swierstra, CC BY-SA 4.0)

„A House for the Mind“: Dom Hans van der Laan

Es klingt fast mittelalterlich: Da arbeitet ein Mönch zugleich als Architekt und baut – natürlich – Kirchen und Klöster. Der 1904 in Leiden geborene Hans van der Laan nahm sein Studium in Delft auf, das er zugunsten seines Eintritts in den Benediktinerorden abbrach. Zu seinen wohl bekanntesten Bauten zählen die Abtei St. Benedictus (1968) in Vaals und die Abtei Roosenberg (1974) im belgischen Waasmunster. Als van der Laan 1991 in Memelis bei Vaals verstarb, hatte er sich über Jahrzehnte der Aufgabe verschrieben, die mittelalterliche Kirchbautradition in die Moderne zu überführen.

In Belgien hat man sich unter dem Titel „A House for the Mind“ das Werk van der Laans vorgenommen. 1977 sollte dieser sein Grundlagenwerk „De architectonische ruimte“ veröffentlichen. Entlang dieses Theoriekonzepts wollen die Kuratoren das fast hermetisch wirkende Werk des Benediktiners aufschlüsseln. Drei zeitgenössische Künstlerinnen – die deutsche Fotografin Friederike Von Rauch, die estnische Filmemacherin Ingel Vaikla und die niederländische Tonkünstlerin Esther Venrooy – zeigen daher ihren Blickwinkel auf van der Laans Bauten. Die Präsentation ist vom 13. Oktober 2017 bis zum 14. Januar 2018 in Antwerpen (deSingel International Arts Campus – Expo, Desguinlei 25, Antwerpen) zu sehen. Die Vernissage findet am 12. Oktober 2017 um 20 Uhr (Blue Hall deSingel International Arts Campus, Antwerpen) statt, eine Anmeldung ist erforderlich. (kb, 11.10.17)

Vaals, Abtei St. Benedictus (Bild: © Jeroen Verrecht)