Denkmalschutzgesetz NRW – am 6. April wird es ernst

Lange wurde diskutiert, viele haben protestiert, doch am 6. April 2022 soll in NRW das neue Denkmalschutzgesetz verabschiedet werden. Die Befürworter:innen hoffen auf einen Schub in Sachen Klimaschutz und mehr Beweglichkeit beim Bauen im Bestand. Dafür sollen die Verantwortlichkeiten weg von den Fachbehörden, hin zu den Kommunen verlagert werden. Auch einzelne Eigentümer:inenngruppen wie die Kirchen sollen Sonderrechte erhalten. Die Gegner:innen fürchten, dass die Kompetenzen auf wissenschaftlicher Ebene, die Stellung der Fachbehörden und die Gleichbehandlung der Denkmaleigentümer:innen ausgehöhlt werden. Am Ende stünde ein Gesetz, das die Denkmäler gar nicht mehr schützen kann.

Gegen die Denkmalschutzgesetz-Novelle erhebt das Denkmalschutz-Bündnis NRW – hier versammeln sich Initiativen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bis zum Rheinischen Verein – Protest. Nach einer mit über 20.0000 Stimmen unterstützte Online-Petition wurde heute die “Düsseldorfer Erklärung” veröffentlicht: “Es ist eine vertane Chance für eine mögliche Weiterentwicklung des bewährten Denkmalschutzgesetzes von 1980”, so die Petition. Ein funktionierendes Gesetz ohne Not aufzugeben, sei wenig hilfreich. Stattdessen fordern sie, alle Denkmaleigentümer:innen und “alle Denkmalgattungen gleichwertig zu behandeln”. Weder auf die Gesprächsangebote des Bündnisses noch auf die Petition habe die Landesregierung reagiert. Stattdessen fordert das Bündnis nun, die Gesetzesnovelle am 6. April nicht zu beschließen und einen neuen transparenten Austausch zu eröffnen, um die weiteren Schritte mit allen Betroffenen abzustimmen. Und, ganz konkret, wird vorgeschlagen, eine “Ausstellung zur Bedeutung des Denkmalschutzes für die Landesgeschichte zum fünfzigjährigen Jubiläum des Europäischen Denkmaljahrs 2025 im Haus der Geschichte des Landes auszurichten.” (kb, 4.4.22)

Nordrhein-westfälisches Denkmal-Zeichen (Bild: MaikMeid, CC BY SA 3.0, 2014)

Sonderrechte für Kirchen?

Dass Kirchenbauten unter Druck sind, ist nicht neu. In der Stadt stehen sie scheinbar zu dicht, auf dem Land fehlen vielerorts die (christlichen) Menschen dazu. Doch aktuell spitzt sich die Situation an mehreren Fronten zu. In Nordrhein-Westfalen wurde am 16. Februar die erste Lesung der seit Monaten umstrittenen “Denkmalschutzgesetz-Novelle” durch den Landtag gebracht. Ab sofort wird in den Ausschüssen beraten. Die einen begrüßen das erhöhte Tempo dieses Verfahrens als Öffnung für mehr Klimaschutz, da z. B. Photovolatiak-Anlagen leichter umgesetzt werden sollen. Die anderen fürchten eine Entmachtung der Fachbehörden sowie eine Gefahr vor allem für die jungen und kirchlichen Denkmale. Denn käme der Gesetzesentwurf durch, könnten die kirchlichen Stellen bei einer Unterschutzstellung ihrer Immobilien direkt das Ministerium anrufen und die Entscheidung durch eine speziell besetzte Kommission herbeiführen. Eine Entwicklung, gegen die sich ein prominent besetztes Bündnis online mehr als 24.00 Stimmen gesammelt hat.


In Brandenburg ringen die Expert:innen um die Zukunft der insgesamt 1500 Dorfkirchen. Im vergangenen Herbst tagte man zu diesem Thema unter dem Motto „Dorfkirchen – geliebt, aber akut bedroht“ in Prenzlau. Nun haben die Veranstalter – die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. und als Kooperationspartner der Förderverein Baukultur Brandenburg e. V., das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege, das Archäologische Landesmuseum und die Brandenburgische Architektenkammer – ihre Ergebnisse in acht Thesen vorgelegt. Demnach hängt die Zukunft eines Ortes und seiner Kirche eng zusammen. Nur eine gute Nutzung könne den Erhalt dieser Bauten dauerhaft sichern, wofür sie geöffnet und mit Partner:innen zusammen bespielt werden müssen. Dafür will man gemeinsam planen und – kurze Atempause – optimistisch in die Zukunft schauen. Diese Art von ‘Sonderrechten’ wäre auch für Nordrhein-Westfalen ein guter Neuansatz. (kb, 28.2.22)

Essen-Stoppenberg, St. Anno, abgegeben an eine serbisch-orthodoxe Gemeinde (Bild: wiki05, PD, 2008)

Zum Beispiel Verwaltungsbauten

Als die junge Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Infrastruktur wieder auf- und ausbaute, entstanden zahlreiche bemerkenswerte Verwaltungszentren im Stil der Moderne. Oft sollte ein solches Ensemble nicht nur das Selbstbewusstsein einer Kommune städtebaulich nach außen tragen, sondern zugleich einen neuen Mittelpunkt, einen Marktplatz auch für die kulturellen Angebote ausbilden. Im damals boomenden Nordrhein-Westfalen sind hier baukünstlerisch ehrgeizige Projekte zu nennen wie das Rathaus Marl (1966, Johannes Hendrik van den Broek und Jacob Bakema) oder das Forum und Rathaus in Castrop-Rauxel (1976, Arne Jacobsen und Otto Weitling). Heute sehen sich solche Anlagen nicht nur mit den üblichen Fragestellungen der Nachkriegsmoderne wie schlechtem Image, neuen Brandschutzauflagen und Sanierungsstau konfrontiert. Bei Verwaltungszentren kommen oft erschwerend noch die Größe der Baukomplexe und die sich wandelnden kommunalen Nutzungsanforderungen hinzu.

Vor diesem Hintergrund diskutieren am 21. Oktober 2021 von 19.00 bis 21.00 Uhr im Ratssaal der Stadt Castrop-Rauxel Expert:inenn aus Forschung und Praxis über den künftigen „Umgang mit der Nachkriegsmoderne am Beispiel von Verwaltungsbauten“. Eingeladen sind die Stadtbaurätin Bettina Lenort (Stadt Castrop-Rauxel), Sebastian Helm (Büroleiter HPP Architekten, Projektleiter der Sanierung des Rathaus Marl), Dr. Simone Meyder (Praktische Denkmalpflege, LWL, Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen) und die Architektur- und Kunsthistorikerin Dr. Alexandra Apfelbaum (FH Dortmund, Ruhrmoderne) unter der Moderation von Peter Köddermann (Baukultur Nordrhein-Westfalen). Vor der Diskussion können Interessierte eine Führung durch die Wanderausstellung “Gesamtkunstwerke – Architektur von Arne Jacobsen und Otto Weitling in Deutschland” mit Dr. Ursula Kleefisch-Jobst (Generalkuratorin des Museums der Baukultur Nordrhein-Westfalen) wahrnehmen. Es wird um eine verbindliche Online-Anmeldung für eine der beiden Führungen (16.00 Uhr oder 17.30 Uhr) gebeten. (kb, 15.10.21)

Marl, Rathaus (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 2.0, 2017, via flickr)