Nürnberg

Nürnberg, Pellerhaus, 2004 (Bild: keichwa, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Nürnberg: Knabbern am Pellerhaus?

Wir bauen uns die Welt, wie sie uns gefällt: wie früher, nur schöner. Gerade in weitgehend historischen Innenstädten sind die nachkriegsmodernen Wiederaufbauten im Visier der Rekonstruktivisten. Schon länger zählt auch das neue Pellerhaus in Nürnberg (1957) zu den Kandidaten. Die Altstadtfreunde Nürnberg, verantwortlich für den jüngst fertiggestellten Wiederaufbau des Innenhofs, möchten auch die Straßenansicht Pellerhauses von 1602 wiederherstellen. Interessant: Die Nürnberger Kulturreferentin Julia Lehner (CSU) tritt Teilen ihrer eigenen Parteifreunde entgegen. Gegenüber nordbayern.de betonte sie, man müsse die Auseinandersetzung mit dem Erbe unabhängig vom Geschmacklichen führen. Einen Abriss des denkmalgeschützten neuen Pellerhauses sieht Lehner, auch Mitglied des bayerischen Landesdenkmalrats, als Rechtsbruch.

Das Areals des 1945 nahezu völlig zerstörten Pellerhauses (mit anschließendem Imhoffhaus) wurde seinerzeit – nach Beschluss der Stadt Nürnburg, nach Plänen der ortsansässigen Architekten Fritz und Walter Meyer – neu bebaut, einige Renaissance-Reste wurden einbezogen. Nach mehreren Änderungen wurde mit der Neubau 1956 begonnen, 1957 als Stadtbibliothek und -archiv eingeweiht. Seit 1998 steht der Gebäudekomplex als Einzeldenkmal unter Schutz. Schon die Innenhof-Rekonstruktion (2008-18) wurde vom Bund Deutscher Architekten kritisiert. Die nun wieder aufkommende Diskussion um den 1950er-Jahre-Bau sieht man dort erst recht nicht gerne – während etwa im Forum „Stadtbild Deutschland“ Begeisterung und Aufbruchsstimmung vorherrschen … (db, 27.1.19)

Nürnberg, Pellerhaus, 2004 (Bild: keichwa, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Stuttgart-Heslach, Seilbahn (Bild: Fyrtaarn, CC BY SA 4.0, 2017)

Tipps zum TofD: Dem Himmel entgegen

Sie streben nach Höherem? Haben wir! Hier drei Tipps zum TofD im Süden: Die Pfarrkirche Erscheinung des Herrn (Terofalstraße 66, München-Blumenau) entstand 1970 in der Parkwohnanlage Blumenau nach Plänen des Architekten Günter Eisele. Die an Stahlseilen aufgehängte Holzbalken-Decke lässt den Dachstuhl wie schwebend, wie auf den Kopf gestellt wirken. Am 9. September ist die Kirche von 11 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen werden um 11 und 15 Uhr angeboten (Kontakt: Dr. Kurt Einhellig, kurt.einhellig@online.de). Auch in Nürnberg lohnt ein Besuch: Die Christuskirche (Siemensplatz 2, Nürnberg-Steinbühl) aus dem Jahr 1957 kann – neben einer sehenswerten Architektur – mit bestechend schönen Meistermannfenstern aufwarten. Am 9. September ist die Kirche von 9.30 bis 14.30 Uhr geöffnet (Torben Schultes, Diakon, 0911 446200), es gibt Kaffee und Kuchen!

Ganz wörtlich erhebend ist unser letzter Tipp: Die Standseilbahn (Böblinger Straße 237, Seilbahnstraße, Südheimer Platz, Stuttgart) in Stuttgart-Heslach wurde 1929 von der Maschinenfabrik Esslingen erbaut. Kubische Wagen aus Teakholz und Mahagoni machen die Anlage ebenso zum Highlight wie die ästhetisch behutsam eingepasste Streckenführung. Die Öffnungszeiten am 9. September liegen zwischen 9 und 17.50 Uhr, Tickets sind in der Tal- und Bergstation erhältlich. Führungen werden um 10, 10.45, 11.30, 12.15, 13.30, 14.15, 15, 15.45 und 16.30 Uhr angeboten. Für die Technikführungen in den Maschinenraum ist eine Voranmeldung nötig unter: 0711 78857713 (Kontakt: Hans-Joachim Knupfer, Pressestelle, Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), 0711 78852686, presse@ssb-ag.de). (kb, 1.9.18)

Stuttgart-Heslach, Seilbahn (Bild: Fyrtaarn, CC BY SA 4.0, 2017)
Nürnberg, Bahnhof Süd, Umladehallen (Bild: Manfred E. Fritsche, CC BY SA 3.0, 2009)

„Blitzabriss“ in Nürnberg

Lange hatte man in Nürnberg diskutiert, dann ging alles auf einmal ganz schnell: Von den Umladehallen am ehemaligen Bahnhof Süd sind nur noch Trümmer übrig. Die Hallen standen als letzter Rest des Areals nahe Rangierbahnhof und Südring seit Jahren leer. Ihre Entstehung reicht bis in die Zwischenkriegszeit zurück. Nachdem erste Planungen durch die Wirtschaftskrise verzögert worden waren, konnten die Umladehallen von 1933 bis 1935 errichtet werden. Vor dem Beginn des Güterumschlags bildeten die Hallen den Rahmen für die Ausstellung „Die Jahrhundertfeier der Deutsche Eisenbahnen“. Und während der NS-Reichsparteitage wurde das Areal zum „Mitropadorf“ umfunktioniert: Wegen knapper Hotelzimmer nächtigten hier Ehrengäste in abgestellten Schlafwagen.

Im Zweiten Weltkrieg blieben die Hallen von schwereren Schäden verschont. Nach der Einstellung des Güterumschlags im Jahr 1998 wurden nur noch einzelne Teile als Lager genutzt. Und seit der neue Stadtteil Lichtenreuth aus der Taufe gehoben wird, scheinen vielen die historischen Hallen im Weg. Noch im Frühjahr hatte das Museum Industriekultur mit einer eigenen Ausstellung auf ihren Wert hingewiesen. Man plädierte für eine kreative Umnutzung, etwa für kulturelle Zwecke oder als Zentrum im neu entstehenden Stadtteil. Nun haben die Abrissbagger Fakten geschaffen. (kb, 17.6.18)

Nürnberg, Bahnhof Süd, Umladehallen (Bild: Manfred E. Fritsche, CC BY SA 3.0, 2009)

Ein Blick in die Ausstellung "Architektenmöbel" im Neuen Museum Nürnberg (Foto: Anna Seibel, Bild: Neues Museum Nürnberg)

Gesessen wird immer

Auch in stürmischen Zeiten gibt es einige wenige Branchen, die krisensicher scheinen: Friseur (Haar wachsen immer), Chocolatier (muss man nicht begründen) – und Möbel. Das Sitzen, Liegen, Arbeiten, Wohnen zählt zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Da ist es nur konsequent, dass die Baumeister mit dem Haus auch gleich die Einrichtung entwerfen. Denn hier greifen Architektur und Design ineinander und im besten Fall entstehen kleine Kunstwerke. Mit der Präsentation „Architektenmöbel. Möbelmanifeste“ stellt das Neue Museum Nürnberg (Staatliches Museum für Kunst und Design) nun Möbel-Entwürfe von verschiedenen architektonischen Strömungen und Gruppierungen vor.

So zeigen die Stuhlkonstruktionen von Egon Eiermann (1904-70) auch die funktionale Seite der deutschen Nachkriegsmoderne. Im Material der Möbel von Frank Gehry (* 1929) offenbart sich sein dekonstruktivistischer Ansatz. Oder in den Flächenrastern der Objekte von Superstudio (ab 1966 in Florenz) wird dessen in die Unendlichkeit fortgeführte Utopie abgebildet. Damit machen diese sehenswerten Zeugnisse der Designentwicklung auch ein Stück moderner Architekturgeschichte greifbar. (kb, 26.4.18)

Blick in die Ausstellung „Architektenmöbel“ (Bild: Neues Museum Nürnberg, Foto: Anna Seibel)

Nürnberg, City Point 2014 (Bild: ECE-Group)

City Point Nürnberg kommt weg

Die Zeil-Galerie in Frankfurt ist ein Beispiel für die sagenhaft beschleunigte Obsoleszenz von Kommerzbauten. Nach gerade mal 24 Jahren rückten die Abrissbagger an, um das spät-postmoderne Einkaufszentrum in innerstädtischer Filetlage platt zu machen. In Nürnberg geht es noch schneller: Dort fällt bald das City Point – nach gerade mal 20 Jahren. Der langjährige Betreiber des 1999 eröffneten Gebäudes, die ECE Projektmanagement hat es im Mai 2017 an  die Düsseldorfer Development Partner AG verkauft. Von dort wurde nun nach längerer Unklarheit bestätigt, dass man neu bauen wolle. Ende 2019, nach Auslaufen der gültigen Mietverträge, könne der Abriss des bisherigen Gebäudes erfolgen. Doch zugegeben: Anders als bei der Zeil-Galerie fällt hier kein bemerkenswerter Bau. Freilich aber ein bemerkenswert rücksichtsloser, der das historische Zeughaus einrahmt und bedrängt.

Vor 1945 stand an dieser Stelle das Apollo-Theater, 1954 wurde ein – damals schon umstrittenes – modernes Kaufhausgebäude der Hertie-Gruppe errichtet. 1997-99 wurde daraus der City Point, der mit seiner Blechfassade wahrhaft keine Zierde der City ist (man verzeihe uns an dieser Stelle die subjektive Einschätzung!). Der Neubau soll die bisherige Größe der Einzelhandelsfläche beibehalten, zusätzlich soll dort ein Hotel von etwa 10.000 Quadratmetern Größe entstehen. (db, 16.3.16)

Nürnberg, City Point 2016 (Bild: ECE-Group)

20 Jahre Kunsthistorikerverband

Aus Anlass seines 70-jährigen Bestehens will der „Verband Deutscher Kunsthistoriker“ erstmals die eigene Geschichte genauer in den Blick nehmen. 1938 versuchte Wilhelm Pinder erfolglos, den „Verband deutscher Kunstwissenschaftler“ mit für die NS-Zeit typischen Merkmalen zu gründen. Die eigentliche Verbandsgeschichte beginnt mit der formellen Gründung 1948 auf Schloss Augustusburg in Brühl, der Wahl des nationalsozialistisch belasteten Hans Jantzen zum Ersten Vorsitzenden sowie den fortan zweijährig stattfindenden Kunsthistorikertagen. Die Wahl von Herbert von Einem zum Vorsitzenden 1961 läutete die internationale Öffnung ein sowie das Angebot zur Mitgliedschaft an die nach 1933 exilierten Kollegen. Schon früh kämpfte man erfolglos gegen den Abriss der Schlösser und Kirchen in Berlin und Braunschweig, wirkte aber auch an der Bewahrung von Denkmalen in München oder Augsburg mit. Die Verbandsgeschichte ab den späten 1960er Jahren ist einer zweiten Tagung vorbehalten.

Das Symposion „Der Verband Deutscher Kunsthistoriker 1948 bis 1968/70“ findet vom 1. bis 2. Oktober 2018 in Nürnberg statt. Unter Berücksichtigung des im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg lagernden Verbandsarchivs will man erste Ergebnisse präsentieren, die dann Grundlage für eine noch zu schreibende Verbandsgeschichte sein können. Die Unterlagen sollen durch die Referenten möglichst bereits vor der Tagung selbständig eingesehen werden. Willkommen sind Exposés von je max. 2000 Zeichen bis zum 31. März 2018 nebst den Kontaktdaten bei der Geschäftsstelle unter: info@kunsthistoriker.org. (kb, 13.3.18)

Nürnberg, Pellerhaus, 2004 (Bild: keichwa, GFDL oder CC BY SA 3.0)

„Komplett durchdacht und sehr sehr schön“

„Das ist alles komplett durchdacht und sehr sehr schön geworden und es ist heute noch sehr schön, was ja auch nicht jedes Gebäude behaupten kann“, so der Nürnberger Planungsreferent Daniel Ulrich gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR). Es geht um einen ebenso umschwärmten wie umstrittenen Bau: den vor 60 Jahren eingeweihten, heute denkmalgeschützten Archiv- und Bibliotheksbau von Fritz und Walter Mayer, besser bekannt als Wiederaufbau des Pellerhauses (Jakob Wolff der Ältere, 1605).

Am Renaissance-Innenhof wird bereits eifrig wiederhergestellt – da bliebe dann noch die Nachkriegsfassade, die bei einer Komplettrekonstruktion zerstört oder „transloziert“ werden müsste. Bis 2012 diente der Bau als Stadtbücherei, seitdem lagern hier Bestände des Deutschen Spielearchivs. Für die Zukunft plante der Stadtrat eigentlich eine Mischnutzung aus Spielearchiv, Graphischer Sammlung sowie Kinder- und Jugendhaus. Viel zu schade für diese zentrale Lage, meint Karl-Heinz-Enderle von den Altstadtfreunden: „Das Gebäude erfüllt überhaupt nicht seine Funktion“. Stattdessen bespielen die Altstadtfreunde den Innenhof bereits mit Konzerten und Lesungen. Für den Planungsreferenten Daniel Ulrich dreht sich die neuentflammte Debatte um eine Kernfrage: „Darf ich ein Baudenkmal abbrechen, um einen Neubau hinzustellen, der ausguckt wie ein Gebäude, das es seit 70 Jahren nicht mehr gibt?“ Der Stadtrat prüft gerade die Sachlage. (kb, 5.7.17)

Nürnberg, Pellerhaus, 2004 (Bild: keichwa, GFDL/CC BY SA 3.0)

Nürnbergs 50er

Plaerrer-Hochhaus (Bild: Claus Baierwaldes)
Das Plaerrer-Hochhaus war auch von innen ein Hingucker (Bild: Claus Baierwaldes)

Nürnberg hatte nach dem Krieg ein ramponiertes Image. Die Nazis hatten der „Stadt der Reichsparteitage“ mit dem riesigen Aufmarschgelände und seiner weltweiten Rezeption nachhaltig ihren Stempel aufgedrückt. Vielleicht wurde die Nachkriegsmoderne daher hier von manchem besonders euphorisch begrüßt, 1953 ließen sich etwa die Nürnberger Stadtwerke mit dem modernen Plärrerhochhaus das höchste Gebäude Bayerns errichten. Die Fotoausstellung „Architektur der 1950er Jahre in Nürnberg. Fotografien von Claus Baierwaldes“ im Museum Industriekultur widmet sich diesem und weiteren Kleinoden der Nachkriegsmoderne.

Besonders eng verbunden sind Nürnbergs 50er mit dem Namen Sep Ruf. Mit der Akademie der Bildenden Künste, der Bayerischen Staatsbank und dem Neubau des Germanischen Nationalmuseums errichtete der Architekt hier Bauten von überregionaler Bekanntheit. Neben diesen bedeutenden Gebäuden nehmen die Fotografien Claus Baierwaldes auch die unbekannte Nachkriegsmoderne in den Blick. Darunter zählen verspielt-elegante Kleinbauten wie Tankstellen, Kioske oder Pavillons ebenso wie betont sachliche Schulen und öffentliche Verwaltungsgebäude. Die Ausstellung ist bis zum 30. April 2017 zu sehen. (jr, 6.4.17)

Sprengung der Zeppelintribüne

Nürnberg, Sprengung der Zeppelintribüne im Jahr 1967 (Bild: Stadtarchiv Nürberg)
Nürnberg, Sprengung der Zeppelintribüne im Jahr 1967 (Bild: Stadtarchiv Nürberg)

Die Bauten auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände wurden nach 1945 nicht nur vielfältig genutzt, sondern auch baulich verändert. Als man die Luitpoldarena in den 1950er Jahren abtrug und das Märzfeld durch den neuen Stadtteil Langwasser Anfang der 1960er Jahre überbaute, brandete nur wenig Kritik auf. Doch führte die Sprengung der Säulengalerien der Zeppelintribüne im Juni 1967 zu scharfen öffentlichen Auseinandersetzungen.

Die offizielle Begründung, die Sprengung sei wegen Baufälligkeit unabwendbar gewesen, erschien vielen als fragwürdig. Sie vermuteten, dass die baulichen Probleme als willkommener Anlass genommen worden seien, sich der unliebsamen NS-Bauten und damit der nationalsozialistischen Vergangenheit zu entledigen. Dieser alte Streit wird am 8. März 2016 um 18.30 Uhr im Dokumentationszentrum Reichstagsgelände (Bayernstraße 110, 90487 Nürnberg) zum Gegenstand einer neuen Veranstaltung: Dr. Alexander Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Dokumentationszentrums, diskutiert mit Dr. Oscar Schneider, dem damaligen CSU-Fraktionsvorsitzenden im Nürnberger Stadtrat, sowie mit Daniel F. Ulrich über die umstrittene Entscheidung und ihre Folgen. Die Veranstaltung ist Teil des Begleitprogramms der Ausstellung „Das Gelände – Dokumentation. Perspektiven. Diskussion.“, die bis zum 13. März 2016 im Dokumentationszentrum zu sehen sein wird. (kb, 23.2.16)

Stadt – Bild – Pflege

"Stadt - Bild - Pflege" (Bild: BHU/Stephan Gebert)
„Stadtbilder und Stadterzählungen im Wandel“ (Bild: BHU/Stephan Gebert)

„Stadtbild“ ist ein mehrdeutiger und weitgespannter Begriff: Er umfasst das materielle und das ideelle Bild einer Stadt, das einem beständigen Wandel unterliegt. Diesem Phänomen widmet sich vom 8. bis 10. Oktober 2015 in Nürnberg die Tagung „Stadt – Bild – Pflege. Stadtbilder und Stadterzählungen im Wandel“. Untersucht wird, mit welchen Methoden, beispielsweise des Erzählens, sich diese Prozesse nachvollziehen und verdeutlichen lassen – und ob sich das Erzählen auch zum Planen solcher Prozesse und damit zum Planen der Stadt eignet. Die Themen der Vorträge von „Asyl im Stadtbild Augsburgs“ bis zu „Die Wahrnehmung Potsdams zwischen Barock und Nachkriegsmoderne“ – und natürlich kommen die konkreten Stadtrundgänge nicht zu kurz.

Der Begriff „Heimat“ erweist sich das als Schlüssel zu einem umfassenden Verständnis: Welches Bild – oder Bilder – haben wir im Sinn, wenn wir die Stadt „Heimat“ nennen? Wie viel Veränderung verträgt diese Heimat? Denn Städte sind nicht nur Bilder, sie sind auch Erzählungen. Dem Begriff „Heimat“ ist auch die ARD-Themenwoche „Heimat“ gewidmet. Die Tagung, zugleich Jahrestagung Denkmalnetz Bayern, findet im Pellerhaus (Spielesaal) Nürnberg statt. Der Veranstalter, der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland, bittet für die kostenpflichtige Veranstaltung um rechtzeitige Anmeldung. (kb, 14.9.15)

Aus für Nürnberger Hauptpost

Der Kopfbau der Nürnberger Hauptpost wird wohl bald fallen (Bild: Dalibri, CC_BY_SA 3.0)
Der Kopfbau der Nürnberger Hauptpost wird wohl bald fallen (Bild: Dalibri, CC_BY_SA 3.0)

In Nürnberg wurden jüngst die Siegerenwürfe eines Wettbewerbs zur Neubebauung des Areals der Hauptpost gekürt. Der direkt am Hauptbahnhof gelegene Komplex steht seit 20 Jahren leer und war 2014 an einen Münchner Investor verkauft worden. Eins scheint nach dem Ende des Wettbewerbs klar: Ein Erhalt des gesamten Ensembles ist vom Tisch. Lediglich der denkmalgeschützte Rundbau wird integriert. Die „Stadtbild-Initiative Nürnberg“ hatte den Abriss noch mittels Online-Petition verhindern wollen, jedoch zu wenige Unterstützer gefunden.

Die direkt am Nürnberger Hauptbahnhof gelegene Hauptpost besitzt schon wegen ihrer langen und bewegten Baugeschichte historischen Wert. Der „Rundbau“, der seinen Namen wegen der charakteristischen Form der Straßenfassade erhielt, wurde 1914 begonnen, wegen des Kriegs aber erst 1924 fertig gestellt. Als Erweiterung wurde 1931 der „Kopfbau“ – nun vom Abriss bedroht – im Stil der Neuen Sachlichkeit geplant. Nach der Machtergreifung stoppten die Nationalsozialisten die Arbeiten. Unter Einbeziehung des bereits fertigen Stahlskeletts errichteten sie eine abgewandelte Version mit spitzem Walmdach und Rundbogenarkaden im Erdgeschoss. Im Krieg wurde die Hauptpost massiv beschädigt, beim Wiederaufbau griff man teilweise auf die ursprünglichen Pläne von 1931 zurück. Mit dem Kopfbau verliert Nürnberg ein Bauwerk, das fast ein halbes Jahrhundert Architekturgeschichte in sich vereint. (jr, 31.7.15)

Wege in die Moderne

Eiffel und Salle 1889 auf dem Eiffelturm (Bild: GNM Nürnberg)
Eiffel und Salles 1889 am Eiffelturm (Bild: GNM Nürnberg)

Im 19. Jahrhundert nahm vieles seinen Anfang, was wir heute modern nennen. Die „Wege in die Moderne“ verfolgt eine Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg bis zum 21. September 2014. Besucher können drei Themenschwerpunkte erkunden: Die Weltausstellungen informierten seit 1851 ein Millionenpublikum über technische, wissenschaftliche und künstlerische Neuheiten. In den Medien ermöglichten Telegraph, Telephon und Schreibmaschine den schnellen globalen Informationsaustausch. Und nicht zuletzt wurde die Musik durch Phonograph und Grammophon zum jederzeit verfügbaren Erlebnis.