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Nürnberg, Bahnhof Süd, Umladehallen (Bild: Manfred E. Fritsche, CC BY SA 3.0, 2009)

„Blitzabriss“ in Nürnberg

Lange hatte man in Nürnberg diskutiert, dann ging alles auf einmal ganz schnell: Von den Umladehallen am ehemaligen Bahnhof Süd sind nur noch Trümmer übrig. Die Hallen standen als letzter Rest des Areals nahe Rangierbahnhof und Südring seit Jahren leer. Ihre Entstehung reicht bis in die Zwischenkriegszeit zurück. Nachdem erste Planungen durch die Wirtschaftskrise verzögert worden waren, konnten die Umladehallen von 1933 bis 1935 errichtet werden. Vor dem Beginn des Güterumschlags bildeten die Hallen den Rahmen für die Ausstellung „Die Jahrhundertfeier der Deutsche Eisenbahnen“. Und während der NS-Reichsparteitage wurde das Areal zum „Mitropadorf“ umfunktioniert: Wegen knapper Hotelzimmer nächtigten hier Ehrengäste in abgestellten Schlafwagen.

Im Zweiten Weltkrieg blieben die Hallen von schwereren Schäden verschont. Nach der Einstellung des Güterumschlags im Jahr 1998 wurden nur noch einzelne Teile als Lager genutzt. Und seit der neue Stadtteil Lichtenreuth aus der Taufe gehoben wird, scheinen vielen die historischen Hallen im Weg. Noch im Frühjahr hatte das Museum Industriekultur mit einer eigenen Ausstellung auf ihren Wert hingewiesen. Man plädierte für eine kreative Umnutzung, etwa für kulturelle Zwecke oder als Zentrum im neu entstehenden Stadtteil. Nun haben die Abrissbagger Fakten geschaffen. (kb, 17.6.18)

Nürnberg, Bahnhof Süd, Umladehallen (Bild: Manfred E. Fritsche, CC BY SA 3.0, 2009)

Ein Blick in die Ausstellung "Architektenmöbel" im Neuen Museum Nürnberg (Foto: Anna Seibel, Bild: Neues Museum Nürnberg)

Gesessen wird immer

Auch in stürmischen Zeiten gibt es einige wenige Branchen, die krisensicher scheinen: Friseur (Haar wachsen immer), Chocolatier (muss man nicht begründen) – und Möbel. Das Sitzen, Liegen, Arbeiten, Wohnen zählt zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Da ist es nur konsequent, dass die Baumeister mit dem Haus auch gleich die Einrichtung entwerfen. Denn hier greifen Architektur und Design ineinander und im besten Fall entstehen kleine Kunstwerke. Mit der Präsentation „Architektenmöbel. Möbelmanifeste“ stellt das Neue Museum Nürnberg (Staatliches Museum für Kunst und Design) nun Möbel-Entwürfe von verschiedenen architektonischen Strömungen und Gruppierungen vor.

So zeigen die Stuhlkonstruktionen von Egon Eiermann (1904-70) auch die funktionale Seite der deutschen Nachkriegsmoderne. Im Material der Möbel von Frank Gehry (* 1929) offenbart sich sein dekonstruktivistischer Ansatz. Oder in den Flächenrastern der Objekte von Superstudio (ab 1966 in Florenz) wird dessen in die Unendlichkeit fortgeführte Utopie abgebildet. Damit machen diese sehenswerten Zeugnisse der Designentwicklung auch ein Stück moderner Architekturgeschichte greifbar. (kb, 26.4.18)

Blick in die Ausstellung „Architektenmöbel“ (Bild: Neues Museum Nürnberg, Foto: Anna Seibel)

Nürnberg, City Point 2014 (Bild: ECE-Group)

City Point Nürnberg kommt weg

Die Zeil-Galerie in Frankfurt ist ein Beispiel für die sagenhaft beschleunigte Obsoleszenz von Kommerzbauten. Nach gerade mal 24 Jahren rückten die Abrissbagger an, um das spät-postmoderne Einkaufszentrum in innerstädtischer Filetlage platt zu machen. In Nürnberg geht es noch schneller: Dort fällt bald das City Point – nach gerade mal 20 Jahren. Der langjährige Betreiber des 1999 eröffneten Gebäudes, die ECE Projektmanagement hat es im Mai 2017 an  die Düsseldorfer Development Partner AG verkauft. Von dort wurde nun nach längerer Unklarheit bestätigt, dass man neu bauen wolle. Ende 2019, nach Auslaufen der gültigen Mietverträge, könne der Abriss des bisherigen Gebäudes erfolgen. Doch zugegeben: Anders als bei der Zeil-Galerie fällt hier kein bemerkenswerter Bau. Freilich aber ein bemerkenswert rücksichtsloser, der das historische Zeughaus einrahmt und bedrängt.

Vor 1945 stand an dieser Stelle das Apollo-Theater, 1954 wurde ein – damals schon umstrittenes – modernes Kaufhausgebäude der Hertie-Gruppe errichtet. 1997-99 wurde daraus der City Point, der mit seiner Blechfassade wahrhaft keine Zierde der City ist (man verzeihe uns an dieser Stelle die subjektive Einschätzung!). Der Neubau soll die bisherige Größe der Einzelhandelsfläche beibehalten, zusätzlich soll dort ein Hotel von etwa 10.000 Quadratmetern Größe entstehen. (db, 16.3.16)

Nürnberg, City Point 2016 (Bild: ECE-Group)

20 Jahre Kunsthistorikerverband

Aus Anlass seines 70-jährigen Bestehens will der „Verband Deutscher Kunsthistoriker“ erstmals die eigene Geschichte genauer in den Blick nehmen. 1938 versuchte Wilhelm Pinder erfolglos, den „Verband deutscher Kunstwissenschaftler“ mit für die NS-Zeit typischen Merkmalen zu gründen. Die eigentliche Verbandsgeschichte beginnt mit der formellen Gründung 1948 auf Schloss Augustusburg in Brühl, der Wahl des nationalsozialistisch belasteten Hans Jantzen zum Ersten Vorsitzenden sowie den fortan zweijährig stattfindenden Kunsthistorikertagen. Die Wahl von Herbert von Einem zum Vorsitzenden 1961 läutete die internationale Öffnung ein sowie das Angebot zur Mitgliedschaft an die nach 1933 exilierten Kollegen. Schon früh kämpfte man erfolglos gegen den Abriss der Schlösser und Kirchen in Berlin und Braunschweig, wirkte aber auch an der Bewahrung von Denkmalen in München oder Augsburg mit. Die Verbandsgeschichte ab den späten 1960er Jahren ist einer zweiten Tagung vorbehalten.

Das Symposion „Der Verband Deutscher Kunsthistoriker 1948 bis 1968/70“ findet vom 1. bis 2. Oktober 2018 in Nürnberg statt. Unter Berücksichtigung des im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg lagernden Verbandsarchivs will man erste Ergebnisse präsentieren, die dann Grundlage für eine noch zu schreibende Verbandsgeschichte sein können. Die Unterlagen sollen durch die Referenten möglichst bereits vor der Tagung selbständig eingesehen werden. Willkommen sind Exposés von je max. 2000 Zeichen bis zum 31. März 2018 nebst den Kontaktdaten bei der Geschäftsstelle unter: info@kunsthistoriker.org. (kb, 13.3.18)

Nürnberg, Pellerhaus, 2004 (Bild: keichwa, GFDL oder CC BY SA 3.0)

„Komplett durchdacht und sehr sehr schön“

„Das ist alles komplett durchdacht und sehr sehr schön geworden und es ist heute noch sehr schön, was ja auch nicht jedes Gebäude behaupten kann“, so der Nürnberger Planungsreferent Daniel Ulrich gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR). Es geht um einen ebenso umschwärmten wie umstrittenen Bau: den vor 60 Jahren eingeweihten, heute denkmalgeschützten Archiv- und Bibliotheksbau von Fritz und Walter Mayer, besser bekannt als Wiederaufbau des Pellerhauses (Jakob Wolff der Ältere, 1605).

Am Renaissance-Innenhof wird bereits eifrig wiederhergestellt – da bliebe dann noch die Nachkriegsfassade, die bei einer Komplettrekonstruktion zerstört oder „transloziert“ werden müsste. Bis 2012 diente der Bau als Stadtbücherei, seitdem lagern hier Bestände des Deutschen Spielearchivs. Für die Zukunft plante der Stadtrat eigentlich eine Mischnutzung aus Spielearchiv, Graphischer Sammlung sowie Kinder- und Jugendhaus. Viel zu schade für diese zentrale Lage, meint Karl-Heinz-Enderle von den Altstadtfreunden: „Das Gebäude erfüllt überhaupt nicht seine Funktion“. Stattdessen bespielen die Altstadtfreunde den Innenhof bereits mit Konzerten und Lesungen. Für den Planungsreferenten Daniel Ulrich dreht sich die neuentflammte Debatte um eine Kernfrage: „Darf ich ein Baudenkmal abbrechen, um einen Neubau hinzustellen, der ausguckt wie ein Gebäude, das es seit 70 Jahren nicht mehr gibt?“ Der Stadtrat prüft gerade die Sachlage. (kb, 5.7.17)

Nürnberg, Pellerhaus, 2004 (Bild: keichwa, GFDL/CC BY SA 3.0)