„Komplett durchdacht und sehr sehr schön“

„Das ist alles komplett durchdacht und sehr sehr schön geworden und es ist heute noch sehr schön, was ja auch nicht jedes Gebäude behaupten kann“, so der Nürnberger Planungsreferent Daniel Ulrich gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR). Es geht um einen ebenso umschwärmten wie umstrittenen Bau: den vor 60 Jahren eingeweihten, heute denkmalgeschützten Archiv- und Bibliotheksbau von Fritz und Walter Mayer, besser bekannt als Wiederaufbau des Pellerhauses (Jakob Wolff der Ältere, 1605).

Am Renaissance-Innenhof wird bereits eifrig wiederhergestellt – da bliebe dann noch die Nachkriegsfassade, die bei einer Komplettrekonstruktion zerstört oder „transloziert“ werden müsste. Bis 2012 diente der Bau als Stadtbücherei, seitdem lagern hier Bestände des Deutschen Spielearchivs. Für die Zukunft plante der Stadtrat eigentlich eine Mischnutzung aus Spielearchiv, Graphischer Sammlung sowie Kinder- und Jugendhaus. Viel zu schade für diese zentrale Lage, meint Karl-Heinz-Enderle von den Altstadtfreunden: „Das Gebäude erfüllt überhaupt nicht seine Funktion“. Stattdessen bespielen die Altstadtfreunde den Innenhof bereits mit Konzerten und Lesungen. Für den Planungsreferenten Daniel Ulrich dreht sich die neuentflammte Debatte um eine Kernfrage: „Darf ich ein Baudenkmal abbrechen, um einen Neubau hinzustellen, der ausguckt wie ein Gebäude, das es seit 70 Jahren nicht mehr gibt?“ Der Stadtrat prüft gerade die Sachlage. (kb, 5.7.17)

Nürnberg, Pellerhaus, 2004 (Bild: keichwa, GFDL/CC BY SA 3.0)

Nürnbergs 50er

Nürnbergs 50er

Plaerrer-Hochhaus (Bild: Claus Baierwaldes)
Das Plaerrer-Hochhaus war auch von innen ein Hingucker (Bild: Claus Baierwaldes)

Nürnberg hatte nach dem Krieg ein ramponiertes Image. Die Nazis hatten der „Stadt der Reichsparteitage“ mit dem riesigen Aufmarschgelände und seiner weltweiten Rezeption nachhaltig ihren Stempel aufgedrückt. Vielleicht wurde die Nachkriegsmoderne daher hier von manchem besonders euphorisch begrüßt, 1953 ließen sich etwa die Nürnberger Stadtwerke mit dem modernen Plärrerhochhaus das höchste Gebäude Bayerns errichten. Die Fotoausstellung „Architektur der 1950er Jahre in Nürnberg. Fotografien von Claus Baierwaldes“ im Museum Industriekultur widmet sich diesem und weiteren Kleinoden der Nachkriegsmoderne.

Besonders eng verbunden sind Nürnbergs 50er mit dem Namen Sep Ruf. Mit der Akademie der Bildenden Künste, der Bayerischen Staatsbank und dem Neubau des Germanischen Nationalmuseums errichtete der Architekt hier Bauten von überregionaler Bekanntheit. Neben diesen bedeutenden Gebäuden nehmen die Fotografien Claus Baierwaldes auch die unbekannte Nachkriegsmoderne in den Blick. Darunter zählen verspielt-elegante Kleinbauten wie Tankstellen, Kioske oder Pavillons ebenso wie betont sachliche Schulen und öffentliche Verwaltungsgebäude. Die Ausstellung ist bis zum 30. April 2017 zu sehen. (jr, 6.4.17)

Sprengung der Zeppelintribüne

Die Bauten auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände wurden nach 1945 nicht nur vielfältig genutzt, sondern auch baulich verändert. Als man die Luitpoldarena in den 1950er Jahren abtrug und das Märzfeld durch den neuen Stadtteil Langwasser Anfang der 1960er Jahre überbaute, brandete nur wenig Kritik auf. Doch führte die Sprengung der Säulengalerien der Zeppelintribüne im Juni 1967 zu scharfen öffentlichen Auseinandersetzungen.

Die offizielle Begründung, die Sprengung sei wegen Baufälligkeit unabwendbar gewesen, erschien vielen als fragwürdig. Sie vermuteten, dass die baulichen Probleme als willkommener Anlass genommen worden seien, sich der unliebsamen NS-Bauten und damit der nationalsozialistischen Vergangenheit zu entledigen. Dieser alte Streit wird am 8. März 2016 um 18.30 Uhr im Dokumentationszentrum Reichstagsgelände (Bayernstraße 110, 90487 Nürnberg) zum Gegenstand einer neuen Veranstaltung: Dr. Alexander Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Dokumentationszentrums, diskutiert mit Dr. Oscar Schneider, dem damaligen CSU-Fraktionsvorsitzenden im Nürnberger Stadtrat, sowie mit Daniel F. Ulrich über die umstrittene Entscheidung und ihre Folgen. Die Veranstaltung ist Teil des Begleitprogramms der Ausstellung „Das Gelände – Dokumentation. Perspektiven. Diskussion.“, die bis zum 13. März 2016 im Dokumentationszentrum zu sehen sein wird. (kb, 23.2.16)

Nürnberg, Sprengung der Zeppelintribüne im Jahr 1967 (Bild: Stadtarchiv Nürberg)