Schlagwort: Österreich

Wien, Kongressbad (Bild: Gugerell, CC0 1.0)

Fundamente der Demokratie

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Die politische Landkarte Europas veränderte sich in der Folge erheblich, neue Nationalstaaten und Staatsformen lösten die alten, oft monarchischen Strukturen ab. Das 100. Jubiläum dieser Transformationsprozesse bildet derzeit die Grundlage für zahlreiche Ausstellungen auf dem ganzen Kontinent. In Wien widmet sich die Schau „Fundamente der Demokratie. Architektur in Österreich – neu gesehen“ der Architektur der ersten österreichischen Republik, die 1918 ausgerufen wurde.

Im Fokus stehen dabei jedoch nicht nur Bauten, die nach dem Ende der k.u.k.-Monarchie errichtet wurden. Die Ausstellung beleuchtet stattdessen Gebäude, die seit dem Jahr 1900 als Künder gesellschaftlichen Wandels und politischer Reformen auftraten – die Fundamente der Demokratie eben. Betrachtet werden unter anderem das Arbeiterheim Favoriten,  die Wiener Urania, das Vorwärts-Gebäude oder das Kongressbad. Die Ausstellung ist bis zum 14. September im Wiener Ringturm zu sehen. Sie markiert auch das zwanzigjährige Jubiläum der Ausstellungsreihe „Architektur im Ringturm“, die 1998 begründet wurde. (jr, 30.7.18)

Wien, Kongressbad (Bild: Gugerell, CC0 1.0)

Karl-Marx-Hof (Bild Dreizung, CC By SA 3.0)

Österreich: 100 Jahre Erste Republik

2018 stellt für viele europäische Nationen ein Jubiläumsjahr dar. Das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren bedeutete auch das Ende der hergebrachten politischen Ordnung: Österreich-Ungarn zerbrach, das Deutsche Reich wurde zur Republik und die politische Landkarte in Ost-Mittel-Europa wurde um einige Länder reicher. Eine Konferenz in St. Pölten nimmt sich zum 100. Jubiläum der Ersten Republik Österreich an, die am 12. November 1918 ausgerufen wurde.

Die Geschichte der Ersten Republik ist komplex. Sie führt von der engen Anlehnung an die benachbarte Weimarer Republik über die international beachtete Utopie des Roten Wien bis hin zum Austrofaschismus und dem Kampf um die Souveränität gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland in den 1930ern. Im Fokus der Tagung stehen Vorstellung und Diskussion von Vermittlungskonzepten aus den Bereichen Museum, Gedächtnisorte, Schule, Medien und Citizen Science. Die öffentliche Veranstaltung findet am 2. und 3. Juli 2018 im Haus der Geschichte,Museum Niederösterreich St. Pölten statt. (jr, 30.6.18)

Wien, Karl-Marx-Hof (Bild: Dreizung, CC BY-SA 3.0)

Wien, Stadt des Kindes (Bild: PD)

Die Stadt des Kindes

In Wien feierte man 1968 zum 50. Mal den Jahrestag der Gründung der Republik Österreich. Die Stadt beschenkte sich selbst mit einem Architekturwettbewerb, der an die große sozialpolitische Tradition der Metropole anknüpfte. Das Ergebnis war die Stadt des Kindes, ein großangelegter Wohnkomplex nach Entwurf Anton Schweighofers, der sozialpädagogisch und architektonisch eine moderne Alternative zu den konventionellen Kinder- und Jugendheimen der Stadt aufzeigen sollte. Das Konzept konnte sich nicht durchsetzen: 2002 wurde die Stadt des Kindes geschlossen und großteils abgerissen. Eine Ausstellung im Architekturzentrum Wien beleuchtet bis zum 28. Mai ihre kurze Geschichte.

Statt in einem geschlossenen Heim sollten die Bewohner der Stadt des Kindes in familienähnlichen Wohngruppen leben und in die stätische Gesellschaft integriert werden. Auf den ca. 48.000 Quadratmetern des Komplexes standen Freizeiteinrichtungen wie Hallenbad, Turnsaal, Theater und Keramikwerkstatt zur Verfügung. Sie waren auch für die Bewohner des umgebenden Stadtteils zugänglich, so dass die Stadt des Kindes zum lokalen Zentrum avancierte. Im Jahr 2002 schloss die Stadt Wien sämtliche Heime, um die betreuten Kinder anonym und über die Stadt verteilt unterzubringen. Trotz ihres integrativen Ansatzes war auch die Stadt des Kindes von der Schließung betroffen. (jr, 24.4.18)

Wien, Stadt des Kindes (Bild: PD)

Parlament Wien (Bild: Gryffindor, CC BY SA 3.0)

Wien: Plenarsaal wird saniert

Das Wiener Parlamentsgebäude verbindet man im Allgemeinen nicht mit der Nachkriegsmoderne. Der historistische Bau, der Ende des 19. Jahrhunderts nach Plänen Theophil von Hansens errichtet wurde, rekurriert in seinen Formen viel mehr auf die k. u. k. Monarchie als auf die zweite Republik. Eine Ausnahme bildet der Plenarsaal: 1956 wurde er für den Nationalrat in nüchtern-funktionaler Manier ausgestaltet und fungiert im Inneren des Parlamentspalasts als nachkriegsmodernes Gegenstück. Am 13. Juli tagte der österreichische Nationalrat hier zum letzten Mal, in den nächsten drei Jahren wird das Parlament umfassend saniert.

Der historische Plenarsaal war mit seinen 500 Plätzen für das Parlament der Bundesrepublik, das gerade einmal 165 Abgeordnete vereinte, viel zu groß. Stattdessen baute man den kleineren, im Krieg zerstörten Herrenhaussitzungssaal nach Plänen der Architekten Max Fellerer und Eugen Wörle neu auf und gestaltete ihn als mustergültiges Parlament der 1950er. Mit der Sanierung wird der Plenarsaal erneut grundlegend umgestaltet, die Sitzordnung wird neu organisiert, der gesamte Raum barrierefrei. Erhalten bleibt der stählerne Bundesadler, der auch während der gesamten Sanierungsarbeiten im Gebäude verbleibt. Am provisorischen Tagungsort des Parlaments in der Hofburg wird er durch eine Replik vertreten. (jr, 23.7.17)

Plenarsaal, Wien (Bild: Gryffindor, CC BY SA 3.0)

„Basch, Johann und Fritz, Die 4 im Jeep reichen sich die Hände“, 14. September 1955, Oberösterreichische Nachrichten (Bild: Archiv Brüder Basch, A 2342, Umschlag 26)

War of Pictures

Die Geschichte der österreichischen Besatzungszeit ist bereits häufig geschrieben worden, wobei die Bilder dieser Ära zumeist als illustratives Beiwerk dienten. In einer Tagung sollen nun erstmals die Pressefotos selbst im Mittelpunkt stehen. Ebenso geht es um ihre Publikationszusammenhänge und die Bildautoren, die österreichischen Pressefotografen. Die Konferenz „War of pictures 1945 – 1955. Pressefotografie und Bildkultur im befreiten/besetzten Österreich“, eine Tagung des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, wird vom 4. bis 6. Oktober an der Universität Wien (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Währinger Straße 29, 1090 Wien) stattfinden.

Ziel der Tagung ist es, die Politik der Bilder im besetzten Nachkriegsösterreich am Schnittpunkt von Zeit- und Mediengeschichte zu untersuchen. Als Diskussionsgrundlage werden die Forschungsergebnisse des vom FWF (Austrian Science Fund) geförderten Forschungsprojektes „War of Pictures. Austrian Press Photography 1945-1955“ präsentiert. Gemeinsam mit internationalen Experten werden die Bilderzählungen der Ära diskutiert. Daneben sollen die „Herausbildung von Bildikonen der 2. Republik und die Instrumentalisierung von Bildern im Kalten Krieg“ ausgelotet werden. Um Anmeldung wird gebeten: warofpictures.comm@univie.ac.at. (kb, 16.7.17)

„Basch, Johann und Fritz, Die 4 im Jeep reichen sich die Hände“, 14. September 1955, Oberösterreichische Nachrichten (Bild: Archiv Brüder Basch, A 2342, Umschlag 26)