Streitthema Offenbacher Trauerhalle

Rund 50 Jahre alt sind die Hauptgebäude des Neuen Friedhofs Offenbach/Main, und in den vergangenen Jahren wurde in ihre Instandhaltung kaum mehr investiert. Auf derartige Vernachlässigung folgt üblicherweise irgendwann der Wunsch nach Abriss – da eine Sanierung unwirtschaftlich sei. Dies ist auch in Offenbach so: Die städtische Betreibergesellschaft ESO (altdeutsch: Stadtwerke) möchte die 1968 eingeweihte Trauerhalle abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Die Kosten lägen wie bei der Sanierung bei 3 Millionen Euro. Als Argumente gegen den weiß überstrichenen Brutalismus-Altbau werden mangelnde Barrierefreiheit, Schimmelprobleme und die sich bei Temperaturschwankungen gefährlich wölbenden Bleiglasfenster genannt.

Hier tritt nun der Künstler Bernd Rosenheim auf den Plan, der ebenjene Fenster seinerzeit entwarf. Der 87-Jährige droht unter Berufung auf sein Urheberrecht mit Klage, sollte der Magistrat den Abriss beschließen. Zudem sei dieser „bei der bekannten Finanzlage der Stadt (…) ein Schlag ins Gesicht des Steuerzahlers.“ Es handele sich bei der Trauerhalle um eine nichtalltägliche Architektur eines Sakralbaus, der allein schon erhaltenswert sei. „Damit verbunden ist ein von mir plastisch gestaltetes Portal im Zusammenhang mit einem Fries farbiger Glasfenster. Es ist eines meiner Hauptwerke auf dem Gebiet der Glasmalerei“, schrieb Bernd Rosenheim in einem Brief an die Stadt. Dem ist wenig hinzuzufügen. (db, 1.8.19)

Offenbach, Trauerhalle Neuer Friedhof (Bild: Daniel Bartetzko)

Toys“R“us hat ausgespielt

Sie fragen sich, warum wir kein schöneres Bild vom Toys“R“us-Gebäude zeigen? Es gibt keins. Dieses Haus ist tatsächlich derart misslungen, dass viele sogar seine Entstehungszeit auf die frühen 1970er legen – in eine Zeit, in der Bausünden (ob echte oder gefühlte) an der Tagesordnung waren. Tatsächlich entstand die pastellfarbene Kiste sogar Anfang der 1980er und sorgte damals schon für ratlose Blicke. Nicht einmal der Architekt ist überliefert, die Kette „Toys“R“us“ ist insolvent und der Abriss der raumgreifenden Kaufhaus-Parketagen-Kombination endgültig besiegelt.

Nach den Plänen des Frankfurter Architekturbüros Christoph Mäckler plant die Wase GmbH auf dem Areal ein aus zwei Gebäudeteilen bestehendes Wohn- und Geschäftshaus mit bis zu 13 Obergeschossen.  Dahinter steht der Investor Michael Dietrich, der in unmittelbarer Nachbarschaft schon „Wohnen am spitzen Eck“ verwirklichte. Die Parkmöglichkeiten gehen nicht verloren: Es entstehe das erste Gebäude in Deutschland, bei dem sich ein öffentliches Parkhaus oben in der Mitte eines Blocks befinde und von Wohnungen und Läden „eingepackt“ werde, sagte Christoph Mäckler bei der Präsention des Projekts . Von außen werden die insgesamt 390 Stellplätze, von denen 180 öffentlich genutzt werden können, nicht zu sehen sein. Toys’R’Us wird es auch künftig in dem Gebäude geben, die Grünfläche „Feldherrnhügel“ verschwindet hingegen leider. (db, 12.10.17)

Offenbach, Toys“R“us (Bild: D. Bartetzko)

Goodbye, Kaiserlei!

Goodbye, Kaiserlei!

Offenbach am Main, Kaiserleikreisel (BIld: Julius Reinsberg)
Offenbach am Main, Kaiserleikreisel (BIld: Julius Reinsberg)

In Offenbach geht es dem Kaiserleikreisel an den Kragen. Mit einem Durchmesser von 250 Metern war er zu seiner Fertigstellung 1965 der größte Kreisverkehr Europas. Er liegt an der westlichen Grenze der Stadt und stellt ein zentrales Nadelöhr auf dem Weg zum Nachbarn Frankfurt sowie die Anschlussstelle zur Autobahn A 661 dar. In Zukunft soll eine Doppelkreuzung die Aufgaben des Verkehrsknotenpunkts übernehmen, den täglich 65 000 Autos passieren. Offenbach und Frankfurt versprechen sich von dem Projekt einen Zugewinn an Bauland an der gemeinsamen Grenze sowie eine Entflechtung des Nah- und Fernverkehrs.

Die Planungen für den Kaiserleikreisel datieren ins Jahr 1957 zurück. Zum damaligen Zeitpunkt lag das Baugelände noch auf der grünen Wiese und auch die Autobahn 661 sowie die zugehörige Kaiserleibrücke waren noch in der Konzeptionsphase. Die Teilstücke des Kreisels wurden dann in den 1960er Jahre sukzessive fertiggestellt und dem Verkehr übergeben. Bei Autofahrern war der Verkehrsknoten schon bald als Unfallschwerpunkt der Stadt berüchtigt. Und doch: mit dem Kaiserleikreisel verliert Offenbach auch ein Stück historischer Identität. Das infrastrukturelle Großprojekt war nicht nur ein Verkehrsknoten, sondern auch ein ostentativ inszeniertes Symbol der verkehrsgerechten Stadtplanung der 1960er Jahre, das jahrzehntelang die Besucher der Stadt Offenbach begrüßte. (jr, 25.1.17)