Schlagwort: Offenbach

Toys“R“us hat ausgespielt

Sie fragen sich, warum wir kein schöneres Bild vom Toys“R“us-Gebäude zeigen? Es gibt keins. Dieses Haus ist tatsächlich derart misslungen, dass viele sogar seine Entstehungszeit auf die frühen 1970er legen – in eine Zeit, in der Bausünden (ob echte oder gefühlte) an der Tagesordnung waren. Tatsächlich entstand die pastellfarbene Kiste sogar Anfang der 1980er und sorgte damals schon für ratlose Blicke. Nicht einmal der Architekt ist überliefert, die Kette „Toys“R“us“ ist insolvent und der Abriss der raumgreifenden Kaufhaus-Parketagen-Kombination endgültig besiegelt.

Nach den Plänen des Frankfurter Architekturbüros Christoph Mäckler plant die Wase GmbH auf dem Areal ein aus zwei Gebäudeteilen bestehendes Wohn- und Geschäftshaus mit bis zu 13 Obergeschossen.  Dahinter steht der Investor Michael Dietrich, der in unmittelbarer Nachbarschaft schon „Wohnen am spitzen Eck“ verwirklichte. Die Parkmöglichkeiten gehen nicht verloren: Es entstehe das erste Gebäude in Deutschland, bei dem sich ein öffentliches Parkhaus oben in der Mitte eines Blocks befinde und von Wohnungen und Läden „eingepackt“ werde, sagte Christoph Mäckler bei der Präsention des Projekts . Von außen werden die insgesamt 390 Stellplätze, von denen 180 öffentlich genutzt werden können, nicht zu sehen sein. Toys’R’Us wird es auch künftig in dem Gebäude geben, die Grünfläche „Feldherrnhügel“ verschwindet hingegen leider. (db, 12.10.17)

Offenbach, Toys“R“us (Bild: D. Bartetzko)

Goodbye, Kaiserlei!

Offenbach am Main, Kaiserleikreisel (BIld: Julius Reinsberg)
Offenbach am Main, Kaiserleikreisel (BIld: Julius Reinsberg)

In Offenbach geht es dem Kaiserleikreisel an den Kragen. Mit einem Durchmesser von 250 Metern war er zu seiner Fertigstellung 1965 der größte Kreisverkehr Europas. Er liegt an der westlichen Grenze der Stadt und stellt ein zentrales Nadelöhr auf dem Weg zum Nachbarn Frankfurt sowie die Anschlussstelle zur Autobahn A 661 dar. In Zukunft soll eine Doppelkreuzung die Aufgaben des Verkehrsknotenpunkts übernehmen, den täglich 65 000 Autos passieren. Offenbach und Frankfurt versprechen sich von dem Projekt einen Zugewinn an Bauland an der gemeinsamen Grenze sowie eine Entflechtung des Nah- und Fernverkehrs.

Die Planungen für den Kaiserleikreisel datieren ins Jahr 1957 zurück. Zum damaligen Zeitpunkt lag das Baugelände noch auf der grünen Wiese und auch die Autobahn 661 sowie die zugehörige Kaiserleibrücke waren noch in der Konzeptionsphase. Die Teilstücke des Kreisels wurden dann in den 1960er Jahre sukzessive fertiggestellt und dem Verkehr übergeben. Bei Autofahrern war der Verkehrsknoten schon bald als Unfallschwerpunkt der Stadt berüchtigt. Und doch: mit dem Kaiserleikreisel verliert Offenbach auch ein Stück historischer Identität. Das infrastrukturelle Großprojekt war nicht nur ein Verkehrsknoten, sondern auch ein ostentativ inszeniertes Symbol der verkehrsgerechten Stadtplanung der 1960er Jahre, das jahrzehntelang die Besucher der Stadt Offenbach begrüßte. (jr, 25.1.17)

Siemens-Bauten werden umgestaltet

Die Siemens-Bauten am Kaiserleikreisel in Offenbach/Main werden komplett umgebaut (Bild: D. Bartetzko)
Die Siemens-Bauten am Kaiserleikreisel in Offenbach/Main werden komplett umgebaut (Bild: D. Bartetzko)

Den Bauwerken des International Style geht es deutschlandweit an den Kragen. So demnächst auch dem ehemaligen Sitz der Siemens-Tochter KWU, der seit fast 20 Jahren ungenutzt dahindämmert. Die beiden Hochhäuser am Kaiserlei-Kreisel in Offenbach/Main sollen für eine Wohnnutzung umgestaltet werden. Schon vor eineinhalb Jahren hat die Berliner CG-Group ihre Pläne für das 4,5 ha große Areal präsentiert, doch erst Anfang Dezember 2015 hat der Magistrat der Stadt Offenbach den Entwurf für den städtebaulichen Vertrag vorgelegt, zudem soll ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden.

Die beiden 1974 bezogenen Bürotürme werden entkernt. Es wird Platz gemacht für 640 Wohnungen, die nach dem CG-Konzept des „Vertical Village“ mit Einbauschrank, -küche und Garderobe sowie online hinzubuchbaren Möbeln den Nutzern angeboten werden. Laut Markus Selinger, Geschäftsführer von Artists Living Frankfurt Com, liegt die Grundmiete im Schnitt bei etwa 15 Euro/m². In neu zu errichtenden sechsgeschossigen Bauten am Blockrand werden weitere 270 Mietwohnungen angeboten. An der Grundstücksseite gen Strahlenbergerstraße sind die Gewerbeflächen mit etwa 48.200 m² angeordnet. Einzelhändler, Gastronomen, kleine Gewerbetreibende und Büromieter gehören zur Zielgruppe. Die Fertigstellung ist für 2021 geplant … (db, 14.1.16)

Offenbach: Revitalisierung mal anders

Die Initiative "Upper City Center" belebt das Mittsiebziger-Einkaufszentrum am Offenbacher Marktplatz neu (Bild; Daniel Bartetzko)
Die Initiative „Upper City Center“ belebt das Mittsiebziger-Einkaufszentrum am Offenbacher Marktplatz neu (Bild: Daniel Bartetzko)

Zur 1000-Jahres-Feier von Offenbach war die City der „kleinen“ Mainmetropole 1977 modern geworden. Und hielt architektonisch mit dem Nachbarn Frankfurt Schritt: In Nachbarschaft des 1971 fertiggestellten Rathauses enstanden etliche Großbauten – die nicht immer den Maßstab hielten, gestalterisch aber auf hohem Niveau lagen. Es hätte also schon in den Siebzigern etwas aus Offenbach werden können, doch vorschnell wurde die moderne Mitte als Bausünde ausgemacht und in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich verschlimmbessert. Eines der letzten Zeugnisse der Ursprungsplanungen, das „City Center“, wird nun nach jahrelanger Agonie wiederbelebt.

Die Initiative „Upper City Center“ hat vom Besitzer der weitgehend leerstehenden Immobilie jüngst einen längerfristigen Mietvertrag erhalten und bietet nun ihrerseits günstigen Büroraum im Siebziger-Jahre-Bau an. Die oberen Etagen standen seit dem Auszug des Offenbacher Ordnungsamts 2007 leer, sie sind jetzt renoviert und bezugsfertig. Auch den „größten Balkon der Stadt“ möchte die Initiative in ihr Konzept einbeziehen: Vor der zweiten Etage verläuft noch der Rest der einstigen B-Ebene, eine Ende der 1990er abgebrochenen hochgelegten Fußgängerzone. Heute führt vom City Center eine Brücke nach nirgendwo – die in ihrer Skurrilität selbst schon zur Attraktion geworden ist … (db, 12.12.15)

Bagger auf dem Mato-Gelände

Der denkmalgeschützte Torbau der alten Mato bleibt erhalten (Bild: Julius Reinsberg)
Der denkmalgeschützte Torbau der alten Mato bleibt erhalten (Bild: Julius Reinsberg)

Das Areal der ehemaligen Fabrik und Künstlerkolonie Mato in Offenbach wird zum Wohngebiet. Das Wiesbadener Wohnungsbauunternehmen Traumhaus plant, auf dem ausgedehnten Gelände mehrere Reihen- und Doppelhäuser sowie zwei Mehrfamilienhäuser zu errichten. Das denkmalgeschützte Eingangsgebäude soll erhalten bleiben, den übrigen Fabrikgebäuden rücken bereits die Bagger zu Leibe. Der Baubeginn ist für das Frühjahr 2016 geplant.

Die Tradition des Fabrikgeländes reicht ins Jahr 1921 zurück. Damals errichtete der Architekt Philipp Hufnagel im Auftrag der Zelluloidfarik Schmetzer unter anderem den markanten Torbau. Zur Weltwirtschaftskrise wechselte das Gelände den Besitzer, in der Folgezeit produzierte die Firma Mato hier gestanzte Metallriemenverbindungen. Ende der 1980er Jahre zog sie nach Mühlheim, auf dem brach liegenden Gelände gründete sich eine Künstlerkolonie. Diese Zwischennutzung erwies sich als langlebig, fast 20 Jahre war die „Alte Mato“ ein kreatives Zentrum Offenbachs. 2014 mussten die Ateliers nach dem Verkauf des Geländes schließlich geräumt werden. Letzte Impressionen vom Gelände gibt es hier. (jr, 11.11.15)