4 x Moderne im Online-Grimmepreis-Voting

Im Voting können Sie aus den Nominierungen zum Grimme-Online-Award 2019 über den Publikumspreis abstimmen: bis zum 12. Juni 2019 für bis zu drei Internetangebote. Unter den illustren nominierten Projekten finden sich auch vier moderneaffine Angebote. In der Kategorie “Wissen und Bildung” ist das “Stadtlexikon Stuttgart” der Landeshaupstadt aufgestellt. Die Online-Plattform bietet Tablet-Nutzern vor Ort die Möglichkeit, in historische Karten zu blicken und weiterführende Informationen zu erhalten – darunter auch Inkunabeln der Moderne wie die Weißenhofsiedlung. Ebenfalls in der Kategorie “Wissen und Bildung” wartet dieses Angebot auf Ihre Stimme: Mit “Denkmal Europa” unternimmt die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger eine Zeitreise in die Baugeschichte auch des 20. Jahrhunderts – z. B. zu “Bauten für den Fortschritt” und “Bauten im totalen Wahn”. Diese werden jeweils in einem Zeitstrahl verortet, in einer Graphic Novel dargestellt und in Bezug zu einem aktuellen Forschungsprojekt gesetzt.

In der Kategorie “Wissen” findet sich “Wem gehört Hamburg?”: Gemeinsam mit dem Hamburger Abendblatt will das Recherchekollektiv Correctiv mehr Transparenz in den Hamburger Wohnungsmarkt bringen. In einem eigens eingerichteten Crowd-Newsroom wurden Angaben von mehr als 1.000 Mietern ausgewertet und so Eigentumsdaten zu über 15.000 Wohnungen recherchiert. Nicht zuletzt wird in der Kategorie “Kultur und Bildung” das “WDR Bergwerk in 360° und VR” zur Wahl gestellt: Ende 2018 nahm Deutschland Abschied vom Steinkohle-Bergbau. Nun können die Nutzer 1.200 Meter tief ins Bergwerk einfahren, einen Bergmann einen Tag lang begleiten, die Zeche erkunden, mit der Dieselkatze fahren oder selbst Kohle aus dem Berg hauen. Das für verschiedene Endgeräte verfügbare Angebot bewahrt so ein Stück deutscher Industriegeschichte. Keiner hat gesagt, dass Ihnen die Wahl leicht fallen wird … (kb, 7.5.19)

Rechenzentrum (Bild: Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, 1975)

Nieder mit der Finissage!

Die Ausstellung muss ich unbedingt noch sehen … geht ja noch ‘ne Weile … wie, Donnerstag ist Finissage?? Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, werden Sie das Onlineangebot des Museums für Architektur und Ingenieurskunst NRW (M:AI) lieben. In seinem neuen Onlinearchiv bietet das Haus dauerhaft Zugang zu seinen sämtlichen vergangenen Ausstellungen.

Das M:AI verfolgt damit konsequent seinen Anspruch, als mobiles Museum ohne festen Ausstellungsort “immer vor Ort, niemals am selben” zu sein. Die Sonderausstellungen des 2005 gegründeten Hauses finden meist an Orten statt, die eng mit dem behandelten Thema verknüpft sind. Dabei fungiert das Ausstellungsgebäude idealerweise als größtes Exponat und bestimmt die Ausstellungsarchitektur. Neben thematischen Informationen macht das Onlinearchiv  seine spezifischen Ausstellungsinszenierungen mit Videos und Bildergalerien wieder lebendig. Auch wenn ein virtueller Rundgang nicht an den Museumsbesuch heranreicht, verlieren damit doch jene eindrücklichen Plakate ihren Schrecken, die mit Parolen wie “NUR NOCH DIESE WOCHE” und “LETZTE CHANCE!” das schlechte Kulturgewissen stimulieren. (jr, 27.7.17)

Bild: Online-Archiv des M:AI (Screenshot)

Welchedenkmale?

“Erfassen, Bewerten und Kommunizieren des baulichen Erbes der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts” – die neue Internet-Plattform www.welchedenkmale.info hat sich die drängenden Fragen der Nachkriegsmoderne vorgenommen. Dafür haben sich die Bauhaus-Universität Weimar und die Technischen Universität Dortmund zusammengetan. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Vorhaben im Rahmen seiner Förderinitiative “Die Sprache der Objekte – Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen”.

Einbezogen werden Wissenschaftler der Architektur, Denkmalpflege, Kunstgeschichte und der sozialwissenschaftlichen Stadtforschung. Allen geht es um die Frage: Wie, warum und von wem wird die Architektur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wahrgenommen, wertgeschätzt und weiterverwendet? Hierzu hält die Plattform drei Angebote bereit. Im Bereich Material werden ausgewählte Objekte vorgestellt. Der Blog informiert über Publikationen des Forschungsverbunds und neue Entwicklungen zum Thema. Und in der dritten Rubrik Meine Moderne kann sich jeder an der Diskussion beteiligen: “Was ist für Sie die Moderne, wer oder was ist davon denkmalwert?” (kb, 7.8.14)

Welche Denkmale welcher Moderne? (Bild: www.welchedenkmale.info)