Bonn: Oper wird ein bisschen saniert

In Bonn wird seit einiger Zeit heftig über die Zukunft des Opernhauses diskutiert. Der in den Jahren 1962-1965 nach Entwürfen von Wilfried Beck-Erlang und Klaus Gessler errichtete Bau ist sanierungsbedürftig, was die Politik zum Anlass für grundlegende Diskussionen über die Opern- und Theaterstandorte in der Stadt genommen hat. Nach Informationen des Generalanzeigers investiert die Stadt nun aber 7,25 Millionen Euro in Sofortmaßnahmen, die die Betriebsfähigkeit des Gebäudes im Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 sicherstellen sollen. Schwerpunkte der Teilsanierung sind Bühnenmaschinerie und Brandschutz.

Die Maßnahme macht Freunden der Bonner Nachkriegsmoderne zwar Hoffnung, ist aber nicht als Entscheidung für die Oper zu werten. Die Stadtverwaltung stellte jüngst ein Gutachten mit sechs Bauvarianten zur Zukunft der Bonner Bühnen vor. Diese reichen von umfassender Sanierung bei laufendem Spielbetrieb über Abriss und Neubau an gleicher Stelle bis zur Aufgabe der etablierten Spielstätten und dem Bau eines „Beethoven-Campus“ nahe der Beethovenhalle. Eine der Varianten, ein neues Mehrspartenhaus, beinhaltet zudem den Abriss der denkmalgeschützten Stadthalle im Stadtteil Bad Godesberg. (jr, 27.9.18)

Bonn, Opernhaus (Bild: Sir James, CC BY SA 3.0)

Theaterbau in der Stadt der Moderne

Theaterbau und Stadt in der Moderne

Frankfurt, Alte Opter (Bild: Pedelecs, CC BY SA 3.0)
Errichtet 1880, zerstört 1944, wiederaufgebaut 1981, heute von Hochhäusern überragt: die Alte Oper in Frankfurt am Main (Bild: Pedelecs, CC BY SA 3.0)

In Berlin plant das Kunsthistorische Institut vom 12. bis 13. Januar 2017 im Haus der Berliner Festspiele das Symposion „Theaterbau und Stadt der Moderne“. Der Workshop soll sich dem Wechselspiel von Theaterarchitektur und Städtebau seit der Zeit um 1800 anhand von europäischen und außereuropäischen Beispielen widmen.

Opern- und Schauspielhäuser dienten als Kern für die Neuformulierung städtischer Strukturen, von den großen städtebaulichen Programmen des späten 19. Jahrhunderts bis zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Vor allem in Deutschland wurden Theaterbauten zu Kristallisationspunkten neuer Stadtquartiere – wie es z. B. auf dem CIAM-Kongress 1951 verhandelt wurde. Vor diesem Hintergrund sollen zunächst die Beziehungen zwischen öffentlichen Kulturbauten und ihrer urbanen Umgebung problematisiert werden. In einem weiteren Schritt sollen die Theaterbesucher als Akteure verstanden werden. Weitere Fragestellungen richten sich an die Formung von Gemeinschaft durch Theaterbauten, etwa durch die Sitzordnung. Der Workshop soll unterschiedliche Disziplinen zusammenbringen: Architektur- und Kunstgeschichte, Theaterwissenschaften, Soziologie, Philosophie und Politikwissenschaften. Erwünscht sind Beitrage von 20 bis 30 Minuten auf Deutsch oder Englisch. Reisekosten werden soweit möglich erstattet. Abstracts (max. eine Seite) und ein kurzer Lebenslauf werden bis 23. Juni 2016 erbeten an: frank.schmitz@fu-berlin.de. (kb, 7.6.16)

Encanto: die schlafenden Oper Köln

Encanto: die schlafenden Oper Köln

Encanto (Bild: Kehrer-Verlag)
Fotokunst aus Riphahns Opernhaus, das aktuell umgebaut wird (Bild: Kehrer-Verlag)

Seit 2012 wird saniert – und die von Wilhelm Riphahn 1954 gestaltete Oper Köln steht still. Eine einmalige Gelegenheit, die sich die Fotografin Anja Schlamann (* 1967) nicht entgehen ließ: Für ihre Bildserie Encanto inszeniert sie „das gesamte Opernhaus in Köln als einzigartige architektonische Bühne“. Sie schaut in die öffentlichen repräsentativen, aber auch in die sonst verborgenen Ecken des Baukunstwerks.

Schemenhaft und überraschend streift immer wieder die Figur „Carmen“ die Fotografien. Sie leitet den Betrachter durch die verwunschene Welt der scheinbar schlafenden Oper. Damit übernimmt Anja Schlamann als Fotokünstlerin auch die Rolle der Regisseurin und Schauspielerin. Ihre ausdrucksstarken Aufnahmen werden ergänzt um Fachbeiträge von Gunter Geltinger und Rolf Sachsse. Pünktlich zum 60. Geburtstag ist der opulente Bildband im Kehrer-Verlag erschienen. Gegenwärtig ist die Oper noch auf drei Standorte – den „Musical Dome“, das Palladium und die Trinitatiskirche – über die Stadt verteilt. Mit Anja Schlamann kann man sich aber schon einstimmen auf die letzte „Interimspielzeit“, bevor Riphahns Oper wieder ihrem eigentlichen Zweck überführt werden kann. (kb, 22.3.15)

Schlamann, Anja, Encanto, hg. von Rolf Sachsse, Kehrer-Verlag, Heidelberg/Köln 2014, 24 x 19,5 cm, 80 Seiten, 36 Farbabbildungen, Deutsch/Englisch, ISBN 978-3-86828-489-8.

Bei der Fotografin können signierte Exemplare angefragt werden.