Bauhaus zum Kleben

Vor 90 Jahren entwickelte die Firma Gebr. Rasch & Co. gemeinsam mit der legendären Dessauer Kunstschule die „Bauhaus-Tapete“. Den Kontakt hatte die Kandinsky-Schülerin Maria Rasch, Schwester des Geschäftsführers Emil Rasch hergestellt. Unter dem damaligen Bauhaus-Direktor Hannes Meyer wurde ein Wettbewerb unter den Studierenden ausgetragen. Am Ende stand die „blaue Bauhaus-Karte“ mit 14 Flächenmustern in jeweils fünf bis 15 Farbvarianten. Ursprünglich war die Tapete für die sog. Volkswohnung vorgesehen. In den ersten Jahren wurden davon rund sechs Millionen Rollen verkauft – heute ist die Rede vom „größten kommerziellen Erfolg des Bauhauses“.

Produziert wurde die Design-Flachware in Bramsche bei Osnabrück – und im Bauhaus-Jahr erhält sie eine eigene Ausstellung im Museumsquartier Osnabrück. Hier wird der Bogen gespannt von der Geschichte und den Akteuren des Projekts „Bauhaus-Tapete“ bis hin zu deren aktueller Neuauflage: 40 Oberflächendesigns mit den 72 Farbtönen im Baukastensystem. Aus eben dieser gestaltet der zeitgenössische, international bekannte Künstler Tobias Rehberger eigens für die Ausstellung eine großformatige Wandarbeit. Nicht zuletzt haben Studierende des Kunsthistorischen Instituts der Universität Osnabrück sich für die Ausstellung mit designhistorischen Fragen auseinandergesetzt. Die Ausstellung „Bauhaustapete – neue aufgerollt“ ist in Osnabrück zu sehen vom 17. August bis zum 8. Dezember. (kb, 30.7.19)

Bauhaus, Tapeten-Musterkarte (Bild: Rasch-Archiv, 1930)

Der letzte Frieden – Sarajevo 1984

Der letzte Frieden – Sarajevo 1984

Sarajevo, Olympia-Symbol (Bild: H. Klawuttke)
Nach den Olympischen Winterspielen von 1984 wurde deren Symbol in Sarajevo durch Schüsse beschädigt (Bild: H. Klawuttke)

Es sollte für Sarajevo eines der letzten ungestörten Großereignisse werden, bevor das Staatsgebilde Jugoslawien in kriegerischen Auseinandersetzungen zerbrach. Den architektonischen Spuren der XIV. Olympischen Winterspiele von 1984 folgt in Osnabrück die Galerie „martini|50“ vom 29. Juni bis zum 18. Juli 2014 mit der Ausstellung „Der letzte Frieden – Vom Anbeginn | Architekturimprovisationen in Sarajevo“. Veranstalter der Präsentation ist das Ruller Haus e. V., Hochschule Osnabrück, Städtebau und Freiraumplanung.

Nach den weitreichenden Kriegszerstörungen wurde Sarajevo – als Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina – symbolträchtig wiederaufgebaut. Auch die mit internationaler Unterstützung restaurierten Baudenkmale sollten den Aufbruch in bessere demokratischere Zeiten sichtbar werden lassen. Die Studienbeiträge der Osnabrücker Ausstellung finden in der wiederhergestellten Altstadt das Motiv des orientalischen Basars und zeichnen seinen Weg von der osmanischen Kultur bis zum zeitgenössischen Kiosk nach. Eröffnet wird die Ausstellung am 28. Juni um 19 Uhr. (kgb, 6.6.14)

Andere Räume?

AUSZEICHNUNG: Mannheim-Käfertal, Philippuskirche (Foto © Wüstenrot Stiftung)ftung
Eine der beiden Auszeichnungen erhielt die evangelische Philippuskirche (1963 Wolfgang Handreck, Umbau durch Veit Ruser und Partner, Karlsruhe) in Mannheim-Käfertal (Foto © Wüstenrot Stiftung)

„Was man nicht nützt, ist eine schwere Last.“ Goethe, natürlich, womit sonst könnte man eine deutsche Preisverleihung würdiger eröffnen. Die Kunsthistorikerin Kerstin Wittmann-Englert tat dies aus gutem Grund, denn aus ihrer Sicht haben wir – so der bekanntere Anfang des Faustzitats – etwas von unseren Vätern ererbt, das wir erst erwerben müssen, um es wirklich zu besitzen. Es geht um Kirchenbauten, die offensichtlich historischen ebenso wie die nachkriegsmodernen. Ausgelobt hatte die Wüstenrot Stiftung einen Wettbewerb für die besten Projekte, wie man eben jene Kirchen in die Zukunft führen und erhalten könne. Und Letztere sieht (vor allem für die Räume der Nachkriegsmoderne) bundesweit nicht rosig aus

 

Problemlöser

AUSZEICHNUNG: Osnabrück, Hl. Familie (Bild: © Wüstenrot Stiftung)
Nach Osnabrück ging die zweite Auszeichnung für die Umgestaltung der Osnabrücker Kirche Hl. Familie (1961, E. A. Kroeber/H. Rickmann) durch das Münsteraner Büro Klodwig & Partner Architekten zum Kolumbarium (Bild: © Wüstenrot Stiftung)

Die Gründe der Misere sind bekannt: weniger Mitglieder, weniger Geld, gleichbleibend viele Kirchenbauten. Doch sieht die Wüstenrot Stiftung hier eher „Herausforderung und Chance“, ließe sich dieser Schatz doch für Kirche und Kommune gleichermaßen heben. Die Resonanz auf den Wettbewerb gibt den Initiatoren Recht, gingen doch stolze 291 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet ein, davon wurden insgesamt neun prämiert, darunter mehrheitlich Nachkriegskirchen. Die Preise überreichte die Wüstenrot Stiftung am 27. April im Stuttgarter Hospitalhof, selbst ein Vorzeigebau für Kirche in der Stadt. Den Auftakt bildete am Nachmittag ein Kolloquium, das mit Vor- und Impulsbeiträgen sowie einem anschließenden Podium das Thema grundsätzlich einkreiste.

Denn, so einig sich alle waren, dass die Kirchen eine gute Zukunft verdienen, so unterschiedlich fielen die Positionen aus, was dieses „gut“ bedeutet. Da zeigte Reinhard Miermeister, Landesbaudirektor der Evangelischen Kirche in Westfalen, viele behutsame Nutzungsöffnungen mit kirchengemeindlichem Schwerpunkt. Und im Kopf und in der Diskussion blieb doch der eine Umbau zum Restaurant (Bielefeld, Glück und Seligkeit). Geht das, Essen, Tanzen, Modenschauen in einer Kirche? Für Wittmann-Englert, die stellvertretend für die Fachjury vortragend zur Preisverleihung überleitete, geht es in den meisten Fällen nicht. Denn Kirchen seien – mit dem Philosophen Michel Foucault gesprochen – Heterotopien. „Andersorte“, welche die Schwelle zu einem Raum inszenieren, der den Blick zur Transzendenz hin lenkt.

 

Das böse A

Kehl-Goldschauer, Maria - Hilfe der Christen (Bild: Stefan Strumbel, CC BY SA 3.0, OTRS 2011062010011098)
Eine Anerkennung wurde für die Umgestaltung der Kirche Maria – Hilfe der Christen (1963) in Kehl-Goldscheuer mit dem Künstler Stefan Strumbel ausgesprochen (Bild: Stefan Strumbel, CC BY SA 3.0, OTRS 2011062010011098)

Steht und fällt Kirche aber mit dieser Heterotopie, dann wird es bei einer Umnutzung schwierig (Entschuldigung: herausfordernd und chancenreich). Bleibt dann nur die Alternative „Andersort“ oder Abriss? Ist es doch häufig eben jener „sakrale Mehrwert“, der einen Kirchenbau für einen Käufer oder Neu-Nutzer interessant macht. Die Wüstenrot Stiftung und ihre Fachjury jedenfalls prämierten bewusst solche Projekte, die Kirchen als öffentliche Räume stärken und ihre vorhandenen architektonischen Qualitäten noch unterstreichen. Daher wurde auch nicht „nur“ die jeweilige Gemeinde ausgezeichnet, sondern immer auch der Architekt mit dazu bedacht und auf die Bühne gebeten.

Was bleibt? Glückliche Preisträger, die zu Recht bestärkt und beschenkt nach Hause zogen, wohlwollende Gäste, die sich mit freuten und mit dachten, und engagierte Fachleute, die sich mit immer neuem Herzblut in eine Fragerunde warfen, die sie seit den 1980er Jahren in wechselnder Besetzung führen – wohl wissend, dass auch sie keine endgültige Antwort finden sollten. Und natürlich eine Wanderausstellung, die rund 20 vorbildhafte Einsendungen aus dem Wettbewerb bundesweit herumzeigen will. Auf dass die guten Beispiele Früchte tragen! (kb, 27.4.16)