Sozialismus als Erfahrung

War Kapitalismus siegreich war oder erhielt der Sozialismus nie eine wirkliche Chance? Ähnliche Fragen mögen in politischen Debatten von Interesse sein, für die Zeitgeschichtler war der Sozialismus schlicht eine Realität: Für einige Jahrzehnte lebten Menschen in Systemen, die sich selbst als sozialistisch verstanden. Diese Erfahrungen von Einzelnen und Gruppen sind vor allem mit dem bevorstehenden Jubiläum der Umwälzungen von 1989 wieder in aller Munde.

Vor diesem Hintergrund sucht das 16. Potsdamer Doktorand_innenforum zur Zeitgeschichte – Potsdam für die Tagung „Sozialismus als Erfahrung und Erinnerung. Junge Forschung im etablierten Feld“, die vom 21. bis 22. Februar 2019 in Potsdam (Zentrum für Zeithistorische Forschung, ZZF) stattfinden soll, noch nach Themenvorschlägen. Promovierende der Zeitgeschichte oder einer Nachbardisziplin sind aufgerufen, ihre Arbeiten anhand erster Ergebnisse vorzustellen. Die wissenschaftliche Tagung behandelt die Epoche des sowjetisch geprägten Sozialismus im Europa der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – mit einem Blick bis in die Gegenwart. Einsendungen (ein Abstract mit maximal 500 Wörtern auf Deutsch oder Englisch sowie ein knapper akademischer Lebenslauf) sind willkommen bis zum 31. Oktober 2018. Organisation/Kontakt: Christopher Banditt, Nikolai Okunew, Henrike Voigtländer,  doktorandenforum@zzf-potsdam.de. (kb, 4.9.18)

Güstrow, Alain aus der Schweiz, Ken aus den USA und Katica aus Jugoslawien (Foto: Ken Mayer, CC BY 2.0, 24. Juli 1988)

Der Ostblock lebt!

Der Ostblock lebt!

Berlin, Q2-Ostblock (Bild S.Wert Design)
Berlin, Q2-Ostblock (Bild S.Wert Design)

Berlin hat einige unwirtliche Seiten. Auch der 1984 fertiggestellte Plattenbau an der Memhardstrasse nahe dem Alexanderplatz entspricht nicht den gängigen Schönheitsidealen. Das massive Wohnhaus, entworfen von den Architekten Klaus Bläsing, Lothar Kwasnitza und Klaus Deutschmann, wurde schon als „hässlichstes Gebäude von Berlin“ bezeichnet. Trotzdem erfreut es sich großer Beliebtheit – der Shabby Chic wird in der Bundeshauptstadt ja seit jeher gerne kultiviert. Und auch, wenn der Bau mittlerweile arg heruntergekommen ist, gibt es derzeit keine Abriss- oder Umbaupläne. Und so bleibt die „Memi“ eine der letzten Oasen erschwinglichen Wohnens im Zentrum Berlins.

Dass die Fassade des Baus reichlich Raum für Notizen bietet, kann man beim Berlin-Besuch jederzeit leicht erkunden. Doch nun hat jeder auch zuhause die Möglichkeit, Wichtiges und Unwichtiges auf der „Memi“ zu hinterlassen: S.Wert-Design, unsere bevorzugte Shoppingadresse, ließ sich von diesem Ostmoderne-Bau zu diesem Notizblock (12 x 8 x 6 cm) inspirieren. „Plattenbauten sind hässlich, aber aus gesellschaftlicher Sicht sind sie auch interessant. Sie sind […] hilfreich“, sagte David Chipperfield 2015 in einem Interview mit der „Welt“. Und niemand wird bestreiten, dass dieser feine „Ostblock“ von S.Wert nicht ausgesprochen hilfreich seinn kann! (db, 19.1.17)

Durch den Eisernen Vorhang

Durch den Eisernen Vorhang

Pendelverkehr zwischen Eisenach und Herleshausen, 17. November 1989 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-1989-1117-020, CC BY SA 3.0,, Foto: Heinz Hirndorf)
Als der „kleine Grenzverkehr“ größer wurde: der Pendelverkehr Eisenach-Herleshausen am 17. November 1989 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-1989-1117-020, CC BY SA 3.0, Foto: Heinz Hirndorf)

Schon lange wird das Bild des „Eisernen Vorhangs“ kritisiert. Ganz so undurchlässig sei die Ost-West-Grenze nicht gewesen. Dennoch konzentrierten sich jüngste Forschungsprojekte zumeist auf den fachlichen Austausch, z. B. Reisen und Diskurse von Künstlern oder Wissenschaftlern. Der Workshop „Crossing the Iron Curtain. Tourism and Travelling in the Cold War“ in Amsterdam – organisiert von der University of Amsterdam, European Travel Cultures Research Group – will sich dem Thema vom 7. bis 8. April 2017 anders nähern: Es geht um die Bewegung zwischen den Blöcken auf der Suche nach Erholung und Zerstreuung.

Zu den touristischen Bewegungen zwischen Ost und West von Einzelnen und Gruppen werden noch Themenvorschläge gesucht. Themenvorschläge (abstract of up to 500 words and a short bio (max. 100 words)) sind noch bis zum 15. Dezember 2016 willkommen unter: Sune Bechmann Pedersen, East European Studies, Kloveniersburgwal 48, 1012 CX, Amsterdam, s.b.pedersen@uva.nl. Die ausgewählten Teilnehmer werden bis zum Ende des Jahres benachrichtigt, die abschließenden Workshop-Papers müssen dann bis zum 15. März 2017 fertiggestellt sein. Es wird eine Tagungsgebühr erhoben, in Einzelfällen ist hierfür eine Förderung möglich (den Wunsch nach einer Förderung bitte auf dem Abstract vermerken). (kb, 21.11.16)