Martins Schwarzplan

Wer schon einmal das Glück hatte, mit Martin Maleschka fotografierend und klugscheißend durch eine ostmoderne Stadt zu ziehen, der kennt den Effekt: Nachher ist man klüger, ohne es unterwegs gemerkt zu haben. Es ist diese Kunst des leichtfüßigen, oft biografischen Erzählens und Erklärens, die auch seine Bücher auszeichnet. Dieses Mal hat sich der gelernte Architekt und erprobte Fotograf seine Heimatstadt vorgenommen, deren Wandel er bereits seit 15 Jahren dokumentiert.

Pünktlich zum 70. Geburtstag von Eisenhüttenstadt hat er seine Erkenntnisse nun zu einem „Architekturführer“ bei Dom Publishers zusammengefasst – fachkundig unterstützt von Jürgen Hartwig, Gabriele Haubold, Janet Neiser und Reinder Wijnveld. 1950 wurde diese „sozialistische Wohnstadt“ (bis 1961 unter dem Namen Stalinstadt) in Verbindung mit einem Stahlwerk ­nahe zur polnischen Grenze errichtet. Für seinen Architektur- und Kunstführer, der im März erscheinen soll, hat Martin Maleschka 35 Bauten und 35 Kunstwerke herausgegriffen – auch als Plädoyer für einen Erhalt dieser besonderen Verbindung dieser beiden Gattungen in seiner Heimatstadt. (kb, 11.2.21)

Maleschka, Martin, Architekturführer Eisenhüttenstadt, mit Beiträgen von Jürgen Hartwig, Gabriele Haubold, Janet Neiser und Reinder Wijnveld, Dom Publishers, Berlin 2021, 13,5 x 24,5 cm, 224 Seiten, 320 Abbildungen, Softcover, ISBN 978-3-86922-094-9.

Eisenhüttenstadt, links: Schwarzplan der Stadt, rechts: Martin Maleschka mit Familie vor Kunst (Bilder: links: Dom Publishers, rechts: privat)

Gendarmenmarkt: Ostmoderne unter Schutz

„Aufgrund ihrer geschichtlichen, künstlerischen sowie städtebaulichen Bedeutung hat das Landesdenkmalamt Berlin die Bauten und die Platzgestaltung der 1980er Jahre des Gendarmenmarkts unter Denkmalschutz gestellt.“ In einer Pressemeldung gibt die Stadt heute bekannt, dass nunmehr auch dieses stadtplanerische Großprojekt der DDR-Zeit in den Blick genommen wurde – darunter mehrere Bauten am südlichen, östlichen und westlichen Rand des Platzes.

Die Bandbreite der frischgebackenen Kulturdenkmale reicht von den Domen des 18. Jahrhunderts über Schinkels Schauspielhaus und das Schiller-Denkmal von Reinhold Begas bis hin zu den Bauten und Maßnahmen am „Platz der Akademie“ – entstanden in den 1980er Jahren. Klaus Lederer, Bürgermeister von Berlin und Senator für Kultur und Europa, mi wird mit den Worten zitiert: „Der Gendarmenmarkt ist schließlich der bedeutendste Platzraum der Postmoderne in der DDR!“ Die 1976 begonnenen und bis in die 1980er Jahre ausgeführten Planungen umfassen den Wiederaufbau des Konzerthauses und der beiden Dome, die Neugestaltung der gesamten Freifläche ebenso wie hochwertige Neubauten, die so gar nicht dem Klischee grauer Ostplatte entsprechen. (kb, 5.2.21)

Berlin, Hilton am Gendarmenmarkt (Bild: Schotterebene, PD, 2007)

Der Architekt Winfried Sziegoleit ist gestorben

Zu seinen bekanntesten Entwürfen dürfte seine Mitwirkung am Neuen Gewandhaus in Leipzig zählen, doch Winfried Sziegoleit hat in der sächsischen Metropole noch andere prägende Spuren hinterlassen: Geboren 1939 in Insterburg (heute Tschernjachowsk), erlernte er zunächst in Köthen den Beruf des Zimmermanns. Anschließend studierte er Architektur an der TH/TU Dresden, wo er danach arbeitete. 1969 wechselte Sziegoleit nach Leipzig ins Wohnungsbaukombinat Leipzig, um hier zuletzt als freier Architekt tätig zu sein.

In jeweils wechselnden Kollektiven oder Kooperationen wirkte er mit an den Entwürfen für das Rundkino in Dresden (1972), für das Neue Gewandhaus (1981) und den Bowlingtreff (1987) in Leipzig. Sziegoleit wurde 1987 mit dem Architekturpreis des Bezirks Leipzig ausgezeichnet. Nach der Wende plante bzw. sanierte er vorwiegend Wohn- und Geschäftshäuser in der Region Leipzig. Ab 1991 engegierte er sich u. a. in der neuen Architektenkammer Sachsen, der er als Präsident, später als Ehrenpräsident vorstand. Er verstarb am 16. Januar 2021 im Alter von 81 Jahren in Leipzig. (kb, 23.1.21)

Dresden, Rundkino (Bild: historische Postkarte)