Glückwunsch, Herr Jastram!

Gestern wurde der Rostocker Architekt Dieter Jastram 90 Jahre alt. Nach dem Krieg hatte er zunächst Zimmermann gelernt, dann studierte er Bauingenieurwesen und Architektur. Zu seinen frühen Werken zählt das Haus der Schifffahrt. Auch in den folgenden Jahrzehnten sollte er das Bild der Hansestadt prägen, u. a. mit dem Hotel Haus Sonne. Doch auch Abgänge musste Jastram bereits verschmerzen, darunter das Rostocker Interhotel Warnow, 1967 eröffnet, 2001/02 abgerissen. Der NDR widmete Jastram nun einen eigenen Beitrag im Nordmagazin – auch mR gratuliert zum runden Geburtstag! (kb, 1.7.20)

Rostock, Hotel Warnow (Bild: historische Postkarte)

Der Lebensweg des Architekten Richard Paulick

Bereits im Oktober vergangenen Jahres war die Ausstellung „Bauhaus. Shanghai. Stalinallee. Ha-Neu“ über den Architekten Richard Paulick der Hermann-Henselmann-Stiftung in Berlin zu sehen. Nun zieht das Projekt konsequenterweise weiter nach Dessau an das Bauhaus, wo Paulick einst als Assistent von Walter Gropius wirkte. Dort wird die Ausstellung noch bis zum 23. August 2020 zu sehen sein.

In Ergänzung erschien aktuell im Lukas-Verlag ein von Thomas Flierl herausgegebener Band, der sich dem Leben Paulicks widmet: Nach der Zeit am Bauhaus und einer kurzen Selbstständigkeit als Architekt in Berlin emigrierte Paulick nach Shanghai, wo er sich an Planungen „im großen Maßstab“ beteiligte, die ihm für den Wiederaufbau der DDR nach 1949 von Nutzen sein sollten. Hier gestaltete er einen Teil der Stalinallee. Keine Frage: Bauhaus ist anders. Bis in die 1960er Jahre schienen dessen Ansätze für Paulick weniger relevant zu sein, ehe er sich mit der Normierung des Bauens in der DDR wieder vom Zierrat einer vermeintlich nationalen Tradition löste. (mk, 1.7.20)

Flierl, Thomas (Hg.), Bauhaus – Shanghai – Stalinallee – Han-Neu. Der Lebensweg des Architekten Richard Paulick 1903-1979 (Gegenstand und Raum, Neue Folge 1), Lukas-Verlag, Berlin 2020, 264 Seiten, 200 Abbildungen, 22 x 28 cm, Klappenbroschur, ISBN 978-3-86732-371-0.

Berlin, Richard Paulick 1952 vor dem Modell der Karl-Marx-Allee (Bild: Bundesarchiv Bild 183-17346-0009, Foto: Hans-Günter Quaschinsky, CC BY SA 3.0)

Ostwerte

Auch wenn das Thema schon oft diskutiert wurde, von medial bis fachlich: Die baukünstlerischen Zeugnisse der DDR-Zeit werden munter weiter abgerissen. Vor diesem Hintergrund plant der Bund Heimat und Umwelt e. V. (BHU) gemeinsam mit dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V. eine zweitägige Veranstaltung zu dieser bedrohten Architekturepoche. Die Tagung „Ostmoderne“ soll (unter Wahrung aller coronabedingten Hygieneerfordernisse) vom 25. bis zum 26. September 2020 an zwei Orten stattfinden: zunächst in der Aula der Berufsschule Sangerhausen (Friedrich-Engels-Straße 22, 06526 Sangerhausen), anschließend im Hotel TRYP by Wyndham Halle (Neustädter Passage 5, 06122 Halle an der Saale).

Auf dem Programm stehen Schwerpunkte wie Großsiedlungen im Nordosten von Berlin, Anspruch und Realität der sozialistischen Stadt, Halle-Neustadt als Prototyp und Sonderfall, das Schauspielhaus Chemnitz oder der prägende Architekt Josef Kaiser. Mit von der Partie sind u. a. Mark Escherich (Erfurt) sowie Martin Neubacher und Marco Dziallas vom Netzwerk ostmodern Dresden. Neben Exkursionen und übergreifenden Vorträgen werden Einzelbeispiele vorgestellt und die Ergebnisse abschließend in einer Podiumsdiskussion gebündelt. (kb, 25.6.20)

Leider schon weg: das damals leerstehende und hochwassergeschädigte Planetarium auf der Peißnitzinsel in Halle an der Saale im Jahr 2014 (Bild: Knut Mueller)