Matrix (Ost-)Moderne

Wie besonders ist die Ostmoderne im Vergleich mit anderen „Modernen“ jener Jahre? Hat sie andere Wurzeln, bildete sie andere Formen aus und wird sie heute anders wahrgenommen? Um diesen und ähnlichen Fragen auf den Grund zu gehen, organisieren die Kunstsammlungen Chemnitz vom 1. bis 2. Oktober 2021 die internationale Konferenz „Matrix Moderne I Ostmoderne“. Behandelt werden das Bauen, die baubezogene Kunst und die Formgestaltung in Ostdeutschland und allgemein im Europa der Nachkriegszeit. Aktuell ist die Konferenz als hybride Veranstaltung in der örtlichen Stadthalle geplant. Vorgesehen sind sechs verschiedene Sessionen: In Impulsvorträgen sollen theoretische Überlegungen und wissenschaftliche Ansätze dargelegt werden: Sessionen A (zum Begriff Ostmoderne), B (Bau, Raum und Stadt), C (baubezogene Kunst) und D (Alltagsformen und visuelle Kommunikation).

Ebenso willkommen sind Formen der künstlerischen Auseinandersetzung oder einer „künstlerischen Forschung“ mit dem Tagungsthema (Session E). Ergänzend wollen die Veranstalter ein Forum zusammenstellen aus städtischen, regionalen und internationalen Initiativen zum Erhalt (bau-)künstlerischen Erbes der DDR-Zeit. Hiermit soll die u. a. wissenschaftliche Bedeutung unterstrichen werden, solche Bestände fotografisch zu dokumentieren und archivalisch zu bewahren (Session F). Noch werden Themen für die Tagung und ihre Sessionen gesucht: Vorschläge für Redebeiträge (20 bis 30 Minuten) bzw. Bildpräsentationen können – mit einem Abstract (in Deutsch und Englisch) von maximal 400 Worten und einer Kurzbiografie – bis zum 15. Juni 2021 mit dem Betreff „Matrix Moderne I Ostmoderne“ gesendet werden an: kunstsammlungen@stadt-chemnitz.de. (kb, 10.5.21)

Ostmodernes Kaffeeservice (Copyright: © Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR und Armin Herrmann, CC BY NC SA 4.0, via brandenburg.museum-digital.de)

Über Eck

Ende Februar 2020 lud FÜR (Freundliche Übernahme Rechenzentrum) e. V. zum Symposium über die DDR-Kunst im öffentlichen Raum im Allgemeinen sowie die Bedeutung des Potsdamer Mosaiks „Der Mensch bezwingt den Kosmos“ im Besonderen. Der Maler Fritz Eisel (1929-2010) schuf den Wandschmuck bis 1972 am besagten Rechenzentrum (streng genommen: Datenverarbeitungszentrum): Auf einem 18-teiligen Fries künden Kosmonauten farb- und symbolstark vom vermeintlichen Sieg des Sozialismus. Das im Sockelbereich umlaufende Glasmosaik findet sich, inmitten der alten preußischen Residenz, am ehemaligen Standort der Garnisonskirche, die heute Gegenstand höchst lebendiger Debatten um deren (inzwischen begonnenen) Wiederaufbau ist. FÜR e. V. engagiert sich hier seit 2017 für eine bleibende unabhängige Kreativ- und Kulturarbeit am ostmodernen Standort.

Nach einem Jahr liegt mit „Über Eck“ nun die gedruckte Tagungsdokumentation vor. Sie fasst nicht allein die Ergebnisse der Veranstaltung zusammen, sondern versteht sich zugleich als „ein Dokument für die weiteren Überlegungen und Entscheidungen dazu, wie die Stadtgesellschaft mit dem Denkmal Mosaik, dem Rechenzentrum Potsdam und dem Plantagenquartier umgehen wird“. Das Buch kann direkt bestellt werden beim Potsdamer Rechenzentrum: verein@rz-potsdam.de. (den Preis und die Zahlungs-/Lieferbedingungen bitte dort erfragen). Zudem ist die Publikation in den folgenden Potsdamer Buchhandlungen erhältlich: Internationales Buch Potsdam (Brandenburger Straße 41-42), Script (Rudolf-Breitscheid-Straße 51) und Viktoriagarten (Geschwister-Scholl-Straße 10). (kb, 25.4.21)

Über Eck: Baukultur DDR. Zum Umgang mit dem Mosaik am Potsdamer Rechenzentrum, Potsdam 2021.

Potsdam, Rechenzentrum, Detail es Mosaiks „Der Mensch bezwingt den Kosmos“ des Malers Fritz Eisel (Bild: rzpotsdam)

Noch ein Buch

Schon in der ersten Phase, in der die Baukunst der DDR wiederentdeckt wurde, spielte ein Buch eine entscheidende Rolle. Unter dem Titel „Denkmal Ost-Moderne“, der zum ebenso gebräuchlichen wie umstrittenen Stilbegriff werden sollte, hatte Mark Escherich 2012 fachkundige Aufsätze rund um diese Epoche versammelt. Nun hat sich, neun Jahre später, die Wüstenrot Stiftung des Themas angenommen. Wieder sind viele der erkenntnistreibenden Autor:innen von „damals“ vertreten. Unter den Mitwirkenden finden sich, nach einem Konzept des Architekturhistorikers und Projektleiters Roman Hillmann, weitere 14 Spezialist:innen: Michael Bräuer, Berthold Burkhardt, Andreas Butter, Harald Engler, Mark Escherich, Ulrich Hartung, Sebastian Hettchen, Thomas Hoscislawski, Wolfram Jäger, Hans-Rudolf Meier, Volker Mund, Martin Petsch, Lars Scharnholz und Bernhard Sterra.

Das Ziel der Publikation ist umfassend: „Gestaltung, Konstruktion, Denkmalpflege“. Damit spannt sich der Bogen vom bautechnik- und architekturgeschichtlichen Überblick bis hin zu Fragen der Erhaltung. Dies bleibt nicht reine Theorie, denn im Rahmen seines denkmalpflegerischen Programms förderte die Wüstenrot Stiftung in einem Forschungsprojekt ab 2010 ganz konkret die exemplarische Konservierung von DDR-Bauten. Die Erkenntnisse aus diesen Maßnahmen sollen nun, nicht zuletzt durch die hiermit vorgelegte Dokumentation, auch anderen Objekten zugutekommen. Im Buchtitel wählte man nun als Überbegriff nicht mehr die „Ostmoderne“, sondern setzt das Bauen jener Jahre vielmehr in Beziehung zum damaligen Staatsnamen – eben „moderne Architektur der DDR“. (kb, 18.4.21)

Hillmann, Roman (Bearb.), Moderne Architektur der DDR. Gestaltung, Konstruktion, Denkmalpflege, hg. von der Wüstenrot Stiftung, Leipzig 2021, 324 Seiten, zahlreiche Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen, Softcover, 24 x 28 cm, ISBN: 9783959054690.

Berlin, Staatsratsgebäude (Bild: © Axel Mauruszat, via Wüstenrot Stiftung)