Gendarmenmarkt: Ostmoderne unter Schutz

„Aufgrund ihrer geschichtlichen, künstlerischen sowie städtebaulichen Bedeutung hat das Landesdenkmalamt Berlin die Bauten und die Platzgestaltung der 1980er Jahre des Gendarmenmarkts unter Denkmalschutz gestellt.“ In einer Pressemeldung gibt die Stadt heute bekannt, dass nunmehr auch dieses stadtplanerische Großprojekt der DDR-Zeit in den Blick genommen wurde – darunter mehrere Bauten am südlichen, östlichen und westlichen Rand des Platzes.

Die Bandbreite der frischgebackenen Kulturdenkmale reicht von den Domen des 18. Jahrhunderts über Schinkels Schauspielhaus und das Schiller-Denkmal von Reinhold Begas bis hin zu den Bauten und Maßnahmen am „Platz der Akademie“ – entstanden in den 1980er Jahren. Klaus Lederer, Bürgermeister von Berlin und Senator für Kultur und Europa, mi wird mit den Worten zitiert: „Der Gendarmenmarkt ist schließlich der bedeutendste Platzraum der Postmoderne in der DDR!“ Die 1976 begonnenen und bis in die 1980er Jahre ausgeführten Planungen umfassen den Wiederaufbau des Konzerthauses und der beiden Dome, die Neugestaltung der gesamten Freifläche ebenso wie hochwertige Neubauten, die so gar nicht dem Klischee grauer Ostplatte entsprechen. (kb, 5.2.21)

Berlin, Hilton am Gendarmenmarkt (Bild: Schotterebene, PD, 2007)

Der Architekt Winfried Sziegoleit ist gestorben

Zu seinen bekanntesten Entwürfen dürfte seine Mitwirkung am Neuen Gewandhaus in Leipzig zählen, doch Winfried Sziegoleit hat in der sächsischen Metropole noch andere prägende Spuren hinterlassen: Geboren 1939 in Insterburg (heute Tschernjachowsk), erlernte er zunächst in Köthen den Beruf des Zimmermanns. Anschließend studierte er Architektur an der TH/TU Dresden, wo er danach arbeitete. 1969 wechselte Sziegoleit nach Leipzig ins Wohnungsbaukombinat Leipzig, um hier zuletzt als freier Architekt tätig zu sein.

In jeweils wechselnden Kollektiven oder Kooperationen wirkte er mit an den Entwürfen für das Rundkino in Dresden (1972), für das Neue Gewandhaus (1981) und den Bowlingtreff (1987) in Leipzig. Sziegoleit wurde 1987 mit dem Architekturpreis des Bezirks Leipzig ausgezeichnet. Nach der Wende plante bzw. sanierte er vorwiegend Wohn- und Geschäftshäuser in der Region Leipzig. Ab 1991 engegierte er sich u. a. in der neuen Architektenkammer Sachsen, der er als Präsident, später als Ehrenpräsident vorstand. Er verstarb am 16. Januar 2021 im Alter von 81 Jahren in Leipzig. (kb, 23.1.21)

Dresden, Rundkino (Bild: historische Postkarte)

Schutz fürs Hotel Mercure?

2016 hatten sich die Potsdamer Stadtverordneten dafür ausgesprochen, langfristig den Abriss des Hotel Mercure neben dem rekonstruierten Stadtschloss zugunsten einer „Wiese des Volkes“ anzustreben. Der Kauf des DDR-Hochhauses, Grundvoraussetzung für dieses Vorhaben, wurde aber nicht zuletzt aufgrund von Protesten und des (wenn auch für unzulässig erklärten) Bürgerbegehrens der Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“ vorerst ausgesetzt. Mittlerweile wurde die benachbarte, ostmoderne Fachhochschule abgerissen, das Mercure hingegen noch immer nicht angerührt. Ohnehin hatte dies 2016 gerade erst den Besitzer gewechselt und war damit dem Zugriff der Stadt entzogen.

2019 wurde das Hotel von der Betreibergesellschaft saniert, und nun drohen die Reko-Pläne der Stadt Potsdam endgültig zu zerbröseln: Laut der Märkischen Allgemeinen Zeitung prüft das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege die Aufnahme des ostmodernen Vorzeigeprojekts in die Denkmalliste. Eröffnet wurde das heutige Mercure am 1. Mai 1969 als Interhotel, geplant hatte es – wie auch die FH und das Rechenzentrum – ein Architektenkollektiv unter der Leitung von Sepp Weber (*1925). Der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht lobte den 17-stöckigen Prestigebau als „sozialistische Stadtkrone“ von Potsdam, als neue Höhendominante der wiederaufgebauten Stadt. Das alte Stadtschloss war kaum zehn Jahre zuvor gesprengt worden – auch gegen den Widerstand der Bevölkerung. (db, 17.1.20)

Potsdam, Havelbucht mit Hotel Mercure (Bild: Botaurus, CC0)