Scharouns Erstling unter Schutz

Scharouns Erstling unter Schutz

2014 berichteten wir über das akut bedrohte Erstlingswerk des Architekten Hans Scharoun. Die sogenannte „Bunte Reihe“ in Kamswyken bei Insterburg stand seinerzeit auf der Liste der sieben meistgefährdeten Denkmäler Europas. Nun scheint sich das Blatt zum Guten zu wenden: Im Februar erklärte das russische Kulturministerium das Bauensemble per Dekret zum Denkmal auf Föderationsebene – die höchste Denkmalklassierung des Landes.

Der junge Scharoun gestaltete die „Bunte Reihe“ Anfang der 1920er Jahre. Insterburg lag im damaligen Ostpreußen, heute trägt die Ortschaft den Namen Černjachovsk und ist Teil der russischen Exklave Kaliningrad. Seinen Namen erhielt das Bauensemble wegen der vielseitigen Farbmuster, die Scharoun der Gestaltung die einzelnen Häuser zu Grunde legte. Er befand sich damit in bester Gesellschaft der Architekten des Neuen Bauens, die Farbigkeit in Zeiten selbst auferlegter Ornamentlosigkeit als wesentliches architektonisches Gestaltungselement erkannten, allen voran Bruno Taut. (jr, 9.3.17)

Endlich unter Schutz: Scharouns „Bunte Reihe“ (Bild: Dimitri Suchin)

Scharouns Erstling in Gefahr

Anfang der 1920er Jahre realisiert Hans Scharoun (1893-1972) mit der „Bunten Reihe“ in Kamswyken, einem Vorort der ostpreußischen Stadt Insterburg, sein Erstlingswerk. Ihren Namen verdanken die Wohnhäuser der außergewöhnlichen Fassadengestaltung. Variierende Farbmuster beugten der Monotonie vor: Die Fenster setzten sich mit bunten Profilen ab und unterschiedliche Typenlösungen ermöglichten individuelle Hauseingänge. Scharoun lag damit auf der Höhe der Zeit: 800 Kilometer weiter westlich kompensierte Bruno Taut mit seinem „Bunten Magdeburg“ die selbst auferlegte Ornamentlosigkeit des Neuen Bauens.

Heute trägt Insterburg den Namen Černjachovsk und liegt in der russischen Exklave Kaliningrad. Die „Bunte Reihe“ ist dringend sanierungsbedürftig und wurde kürzlich in die Liste der sieben meistgefährdeten Denkmäler Europas aufgenommen. Seit einiger Zeit engagiert sich der Kamswyker Kreis für dieses kulturhistorisch bedeutende Ensemble. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die Bedrohung der „Bunten Reihe“ abgewendet werden und wieder die historische Farbigkeit einziehen kann. (jr, 23.7.14)

Der Putz bröckelt, aber die Fenster lassen die Farbigkeit noch erkennen (Bild: Dimitri Suchin)