Neues vom Marktplatz Rheinland-Pfalz

Unter dem Motto „Marktplatz Rheinland“ präsentiert das LVR-Freilichtmuseum Kommern das Lebensgefühl nach 1945 – u. a. mit einer Gastwirtschaft, einem Bungalow, einer Notrufsäule und einem Bunker. Gesucht werden u. a. noch eine Eisdiele, ein Friseursalon, ein Obst- und Gemüseladen und eine Tankstelle. Das Projekt ist Teil der Arbeitsgemeinschaft „Von der Nissenhütte bis zum Quelle-Fertighaus. Alltagsleben im ländlichen Raum nach 1945“, zu der man sich mit dem Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim und dem Freilichtmuseum am Kiekeberg zusammengetan hat.

Damit bündelt der „Marktplatz Rheinland-Pfalz“ in Kommern gepflegte Alltagsarchitektur der Nachkriegsmoderne. In der gleichnamigen Veröffentlichungsreihe, herausgegeben vom Förderverein Rheinisches Freilichtmuseum Kommern e. V., ist nun Band sechs erschienen. Er widmet sich der Bartning-Notkirche aus Overath, die kürzlich dorthin transloziert wurde. Wer zu dem Thema weiterlesen mag, kann dies im Katalog zur Ausstellung „Bartning.Bartning.Bartning. Architekt der Moderne“ tun, die in Kommern – frisch verlängert – noch bis zum 31. Oktober 2020 zu sehen ist. (kb, 24.10.20)

Übergabe eines Bartning Klappaltars von der Ev. Kirchengemeinde Oberpleis an das LVR-Frelichtmuseum Kommern (Bild: Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis, Zielke)

Übergabe eines Bartning Klappaltars von der Ev. Kirchengemeinde Oberpleis an das LVR-Frelichtmuseum Kommern (Bild: Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis, Zielke)

Freilichtmuseum Kommern, Marktplatz Rhienland-Pfalz (Bild: Günter Hentschel, CC BY ND 2.0, 2018, via flickr.com)

Freilichtmuseum Kommern, Marktplatz Rhienland-Pfalz (Bild, zugleich Titelmotiv: Günter Hentschel, CC BY ND 2.0, 2018, via flickr.com)

Würzburg 1920-2020

Hundert Jahre auf elf Tischen: Im „Spitäle“ Würzburg (Zeller Straße 1/an der Alten Mainbrücke, 97082 Würzburg) zeigt die Vereinigung Kunstschaffender Unterfrankens (VKU) noch bis 15. März die Ausstellung „Architektur.Zeichnung – Pläne und Entwürfe Würzburger Häuser von 1920-2020“. Zu sehen sind Baupläne und Entwurfszeichnungen etlicher bekannter Bauten der Stadt. Unter ihnen sind Notkirchen von Otto Bartning, der Wiederaufbau der Kirche St. Johannis von Reinhard Riemerschmid, der Hoffnungskirche von Gerhard Grellmann aus den 1960er-Jahren und auch neohistorische Projekte Alexander von Brancas mit dem Hertie-Kaufhaus aus den 1970ern und der 2001 vollendeten Gethsemanekirche. Ebenso zu sehen: Die Planungen zu Zaha Hadids fürs Fraunhofer Institut für Silikatforschung (2013) bis hin zu Beispielen der City-Nachverdichtung aus jüngster Zeit.

Diese gebauten Projekte werden ergänzt von zwei studentischen Arbeiten aus den 1970er und 2020er-Jahren. Die Schau möchte die Pläne für sich sprechen lassen, ein Beiheft bietet parallel die für die historische Einordnung notwendigen Daten. Die Trennung soll eine Fokussierung auf Machart, Material und Haptik ermöglichen. Dokumentiert der Zeitraum von 100 Jahren doch nicht nur Änderungen der Baustile, der Bauaufgaben und architektonischer Leitbilder, sondern auch den Übergang von Handzeichnung zu Computeranimation. Und so wird die Schau auch zum Beleg der fortschreitenden Digitalisierung des Architekturberufs. (db, 8.3.20) 

Würzburg, Gethsemanekirche (Bild: Martin Schall)

Bartning für Spontane

Bartning wird aktuell für seine Notkirchen gefeiert – und gleichzeitig befinden sich einige von ihnen mitten im Um- oder Abbruch: Jüngst wurde die Versöhnungskirche aus Overath ins Freilichtmuseum Kommern versetzt. In Sundern gab man die Lukaskirche zum (Teil-)Rückbau frei. In München soll die Golgathakirche bald neuen Wohnbauten weichen. Und in Leverkusen-Manfort steht die Johanneskirche vor der Umwandlung zur Kindertagesstätte.

Wer sich weiter über das kirchliche Werk Bartnings informieren möchte, dem stehen in Berlin am ersten Adventswochenende noch Plätze offen (Voranmeldung per E-Mail bis 27. November (heute!) erforderlich) : Beim Studientag zur Sakralarchitektur der frühen Moderne am 29. November werden in der Katholischen Akademie (Hannoversche Straße 5, 10115 Berlin-Mitte) innovative Vermittlungsansätze vorgestellt – u. a. eine digitale 360-Grad-Präsentationen von Kirchenräumen. Am Abend präsentiert man ebenfalls in der Katholischen Akademie um 19 Uhr die Neuausgabe von Bartnings „Vom neuen Kirchbau“ (1919). Nicht zuletzt führt eine Buserkursion am 30. November zu vier ausgewählten Berliner Kirchen. Wer hier nicht mehr zum Zug kommt, der kann sich noch bis zum 16. Februar 2020 im Regionalmuseum Neubrandenburg die Ausstellung „Nur Beton?“ ansehen. Sie stellt die Bauten (und deren Zukunft) von Otto Bartning, Iris Dullin-Grund, Heinrich Tessenow und des Bauingenieurs Ulrich Müther in den Mittelpunkt. (kb, 27.11.19)

Würzburg, Martin-Luther-Kirche (Bild: Niko Natzschka, CC BY 2.0)