Darmstädter Bauhaus-Impulse

Zugegeben, im Bauhaus-Jahr 2019 gräbt gerade jede institution nach Zusammenhängen mit der Weimarer Kunstschule. Die Mathildenhöhe in Darmstadt muss aber keine kühnen Theoriegebäude konstruieren, um ihren Bauhaus-Bezug zu finden. Die 1899 durch Großherzog Ernst Ludwig gegründete Künstlerkolonie zählt durchaus zu den einflussreichen Vorgängern des Neuen Bauens; auszumachen unter anderem am zentralen Ernst-Ludwig-Haus, dessen Kubatur die (kommende) Sachlichkeit in Architektur und Design bereits andeutet. Und derer man nun in einer neuen Ausstellung ansichtig werden kann.

Die Sonderschau „Künstlerhaus-Meisterhaus-Meisterbau“ thematisiert im Institut Matthildenhöhe (Olbrichweg 14, 64287 Darmstadt) bis zum 20. Oktober 2019 drei Bereiche: Da ist zum einen einstige Darmstädter Bauausstellung „Ein Dokument Deutscher Kunst“ von 1901, es folgt ein Blick auf die Bauhaus-Meisterhäuser in Dessau sowie die erste Bauhaus-Ausstellung noch in Weimar. Und schließlich werden auch die Darmstädter Meisterbauten präsentiert, die Anfang der 1950er in Bezug zur ersten Künstlerkolonie- Ausstellung von 1901 entstanden. Zu den ausgeführten Objekten zählen unter anderem das Ledigenheim von Ernst Neufert, die Frauenklinik von Otto Bartning und das Ludwig-Georgs-Gymnasium von Max Taut. Also lassen Sie sich nicht vom allgegenwärtigen Bauhaus-Fieber abschrecken, der Besuch in Darmstadt lohnt sich! (db, 19.7.19)

Darmstadt, Ernst-Ludwig-Haus (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0, 2013)

Wir sind Bartning!

In Sundern wird Otto Bartning gerade demontiert, genauer gesagt eine seiner Notkirchen: Die Lukaskirche soll einem Neubau weichen – und nach einigem Hin und Her betreibt der örtliche Heimatbund nun prophylaktisch die Einlagerung prägnanter Teile. Die Hoffnung auf einen späteren Wiederaufbau an anderer Stelle in anderer Nutzung bleibt. Denn obwohl Bartningkirchen nicht nur unter Fachleuten längst Kultstatus erreicht haben, ist die Liste der geschlossenen, bedrohten, umgenutzten Bauten des renommierten Architekten lang. Während die Notkirchen Typ A und B zumeist in kirchlicher Nutzung blieben, als Raum für Liturgie oder Gemeindearbeit, genossen viele der Diasporakapellen weniger Bestandsschutz.

Eine jener vor Ort aufgegebenen Bartning-Diasporakapellen, die Versöhnungskirche aus Overath wird aktuell im LVR-Freilichtmuseum Kommern wiederaufgebaut und am 21. Juli feierlich wiedereingeweiht. Und via Social Media ruft man dort gerade dazu auf: „Werdet Teil unserer Ausstellung! Schickt uns eure Fotos!“ für die nächste Kommern-Ausstellung „Bartning.Bartning.Bartning“, die vom 6. bis zum 25. Oktober zu sehen sein wird. Gesucht werden noch Fotos von Bartning Kirchen. Der dazugehörige Kontakt: kommern.marketing@lvr.de oder via facebook oder instagram. Auf der Seite der Otto Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau e. V. (OBAK) finden sich die Adressen der Bartningkirchen. Eine davon steht bestimmt auch in Ihrer Nähe. (kb, 8.7.19)

Wuppertal, Johanneskirche (Bild: Farbhörer, CC BY SA 4.0, 2015)

Bartning kommt ins Freilichtmuseum

Provisorien halten ja bekanntlich länger als manch festgefügter Plan. Auch die „Notkirchen“ Otto Bartnings, die er selbst in den späten 1940er Jahren durchaus als dauerhaften Ausdruck der frühen Nachkriegszeit verstand, sind bis heute zumeist noch in ihrer ursprünglichen Nutzung erhalten. In Berlin kann man sich aktuell über das Werk Otto Bartnings und auch sein Notkirchenprogramm in einer umfassenden Ausstellung informieren. In Overath hatte man seinen eigenen Bartning: 1951 setzte sich die evangelische Gemeinde eine der Diasporakapellen aus den Bartningschen Bausätzen zusammen.

Inzwischen sieht sich die evangelische Gemeinde gezwungen, ihren Baubestand neu zu ordnen: Die Versöhnungskirche in Overath und die benachbarte Friedenskirchen (1965) werden aufgeben. Am bisherigen Standort in Overath soll eine neue größere Kirche für beide Gemeindeteile errichtet werden. Dafür verabschiedete sich die Overather Protestanten Mitte April diesen Jahres von ihrem Bartningbau. Er wird in diesen Tagen abgeschlagen und soll im Freilichtmuseum Kommern wieder zusammengesetzt werden. Unter dem Titel „Marktplatz Rheinland“ lässt man dort gerade ein Ensemble der 1950er bis 1970er Jahre entstehen. Diesem „Marktplatz“ auch einen kirchlichen Mittelpunkt zu geben, wird dann die neue „Mission“ des fliegenden Bartning-Baus sein. (kb, 6.5.17)

Titelmotiv: Preisliste für den Bausatz „Diasporakapelle“