Lemgo: Hajek-Kirche unter Denkmalschutz

Ein Otto Herbert Hajek ist schwer zu übersehen, dafür war der Stuttgarter Bildhauer viel zu farbintensiv. So war es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Denkmalpflege auf die Heilig-Geist-Kirche in Lemgo aufmerksam wird, die 1967 nach Entwürfen des Architekten Joachim G. Hanke fertiggestellt wurde. Der backsteinsichtige Kirchenquader wird von einem betonsichtigen Campanile begleitet. Im Inneren wird der Zentralraum über Eck erschlossen, so dass er sich zugleich auf das hufeisenförmig von Bänken umgebene liturgische Zentrum ausrichtet.

Für die Gestaltung der profilierten Innenwände, der Ausstattungsstücke und deren Farbgebung konnte damals Hajek gewonnen werden. Er profilierte die in Sichtbeton gestalteten liturgischen Orte durch die Farben Gelb, Gold, Rot und Blau. Das Ensemble im Geist des Reformkonzils – Kirche, Gemeindesaal und Pfarrhaus – wurden „vorläufig in die Denkmalliste“ eingetragen. In der dazugehörigen Begründung wird neben der künstlerischen Qualität von Kirchenbau und -ausstattung auch auf den damals neuartigen Typus des Gemeindezentrums verwiesen. (kb, 17.11.19)

Lemgo, Heilig-Geist-Kirche (Bilder: tsungam, CC0 1.0, 2013)

Wieder ein Hajek weniger?

Der Bildhauer Otto Herbert Hajek war bekannt für seine selbstbewussten Farb- und Zeichensetzungen. In Heidelberg schuf er für die Oberpostdirektion Karlsruhe in der Sofienstraße bis 1972 eine „Räumliche Wand“. Der Bau dazu entstand von 1969 bis 1970 in der Nähe des zentralen Bismarckplatzes, auf dem Gelände „der ehemaligen Post- und Telegrafenverwaltung und des Zoologischen Instituts“, als Fernmeldeamt mit Postschalterbetrieb – zur Straße hin unübersehbar durch die Hajek-Primärfarben.

Doch aus dem ehemaligen Fernmeldeamt macht eine Investorengruppe gerade ein Vier-Sterne-Hotel mit Gewerbeflächen. Im Frühjahr 2017 wurde für Sommer/Herbst 2018 der Umbau zum „Core“-Hotel durch das Architekturbüro SSV angekündigt. Hierfür sollten die oberen Etagen abgetragen, erneuert, teils in der Höhe angepasst werden. Dabei scheint auch die Hajek-Wandgestaltung weichen zu müssen, wie Gregor Zoyzoyla heute abend via Facebook meldet. Schon in Mannheim war 2016 beim Hajek-Postbahnhof-Relief aller Protest zu spät gekommen. Sollten Sie also künftig Bauarbeiter in der Nähe eines Hajeks sehen, es könnte Ihr letzter Blick auf dieses Kunstwerk gewesen sein. (kb, 26.9.18)

Heidelberg, ehemaliges Fernmeldeamt in der Sofienstraße mit Betongestaltung von Otto Herbert Hajek (Bild: Gregor Zoyzoyla, September 2018)

Königstein: Buch zu Hajeks Farb-Bad

Königstein: Buch zu Hajeks Farb-Bad

Kurbad Königsten (Bild: Verlag Langewiesche)
Neue Publikation über das Kurbad Königstein (Bild: Langewiesche-Verlag)

Als eines der „außergewöhnlichsten Bäder in Mittel­europa“ lobte die Architekturhistorikerin Iris Meder 2011 das Kurbad Königstein. Im Jahr 1977 eröffnet, wurde der markante Bau vom Architekturbüro Geier + Geier entworfen und vom Bildhauer Otto Herbert Hajek farblich gestaltet. Für Königstein griff Hajek – in seiner Reihe „Farbwege“ – zu leuchtenden Blau- und Rottönen.

Angesichts des bundesweiten Bädersterbens ist es erstaunlich, wie geschlossen die Königsteiner Ausstattung erhalten geblieben ist. Eine aktuell im Langewiesche-Verlag erschienene Publikation verbindet großformatige Abbildungen mit verschiedenen Fachbeiträgen: von einer kurzen Bau- und Nutzungsgeschichte bis zur Stellung in Hajeks Gesamtwerk. Die Buchvorstellung findet am 18. September um 19:30 Uhr in der Königsteiner Stadtbibliothek statt. Oder: Gehen Sie doch am besten selbst im Gesamtkunstwerk baden. (db, 8.9.14)

Klempert, Gabriele/Köster, Hans-Curt (Hg.), Hajeks Farb-Bad in Königstein. Eine Symbiose aus Architektur und Kunst von Geier + Geier mit Otto Herbert Hajek am Kurbad in Königstein i. Ts., Langewiesche-Verlag, 2014, gebunden, 101 Seiten, 22,3 x 27 cm (quer), 185 Abbildungen (zumeist farbig), ISBN 978-3-7845-6306-0.