Rettet Ökumene die Lehmbrock-Kirche?

Kaum sind die Reformationsfeierlichkeiten überstanden, klingt es im Kirchenbau nach Annäherung. Am Paderborner Flughafen (haben wir nachrecherchiert, gibt es tatsächlich) wurde gerade ein neuer ökumenischer „Raum der Stille“ eingeweiht. Er ist gleichermaßen gedacht für Protestanten, Katholiken und Syrisch-Orthodoxe, für Fluggäste, Mitarbeiter und Besucher. In der Essener Pfarrei St. Josef Ruhhalbinsel geht es aktuell nicht um neue Räume, sondern um den Abschied von alten. Der Zeitplan zum „Pfarreienentwicklungsprozess (PEP)“ sah, beim Start durch eine Koordinierungsgruppe 2015, ein Votum für den 5. November 2017 vor. Alles soll dann im Dezember 2017 ans Bistum gegeben, 2018 gemeinsam in handelnde Schritte übersetzt werden.

Das „Sonntagsblatt“ der Gemeinde schrieb, nach einer vielgestuften Diskussion, zum erwarteten PEP-Votum: „Fest steht bis dato lediglich, dass die Kirche Herz Jesu in Burgaltendorf und das Gemeindeheim St. Josef in Kupferdreh noch lange über den Pfarreihaushalt finanziert werden sollen.“ Gestern meldete Radio Essen dann konkreter: „Die Pfarrei […] will einige ihrer Kirchen und Gemeindezentren zusammen mit der evangelischen Kirche betreiben.“ Für die fünf zur Disposition stehenden Kirche (in Überruhr, Byfang und Burgaltendorf) bestehe erst akuter Handlungsbedarf, wenn eine umfangreichere Sanierung anstehe. Unter diesen Fragezeichen findet sich die 1966 von Josef Lehmbrock mit dem Statiker Stefan Polónyi kunstvoll gefaltete Kirche St. Suitbert. (kb, 10.11.17)

Essen-Überruhr, St. Suitbert (Bild: Wiki05, PD)

Mit den Riesen auf Augenhöhe

Das Projekt „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ porträtiert zehn Großbauten der 1960er und 1970er Jahre in Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam ist den „Riesen“, dass sie in den vergangenen Jahren in der öffentlichen Diskussion standen und teilweise sogar vom Abriss bedroht waren. Heute verkörpern sie eine euphorische Epoche und zeigen oftmals architektonische Qualitäten. Im ersten Schritt des Projekts haben Alexandra Apfelbaum, Gudrun Escher und Yasemin Utku die aktuellen öffentlichen Debatten und historisches Material ausgewertet. Die Ergebnisse können als Studie gratis heruntergeladen werden.

Daran knüpft im Herbst 2017 die Reihe „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ an. An den einzelnen Veranstaltungsorten werden die Besonderheiten des jeweiligen Bauwerks in Besichtigung und Diskussion erfahrbar. (Die Teilnahme ist jeweils kostenlos, genauere Informationen zu Zeit und Ort sowie die Anmeldung erfolgen über die örtlichen Volkshochschulen). Als Termine sind angesetzt: am 18. September in Duisburg, am 27. September in Dortmund, am 4. Oktober in Bochum, am 11. Oktober in Bonn, am 18. Oktober in Aachen, am 25. Oktober in Dortmund, am 1. November in Paderborn, am 8. November in Essen, am 15. November in Marl, am 22. November in Köln und am 29. November in Gronau. (kb, 17.8.17)

Köln, Hochhäuser Deutschlandfunk und Deutsche Welle (Bild: Copyright Raimond Spekking, CC BY SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Paderborn: Stellwerk soll fallen

Paderborn: Stellwerk soll fallen

Senne-Bahn, Zug der NWB im Bahnhof Hövelhof (Bild: ludger1961, GFDL oder CC BY SA 3.0)
Mehr neue Technik, weniger alte (Bahn-)Bauten: Entlang der Senne-Bahn wird modernisiert (Bild: ludger1961, GFDL oder CC BY SA 3.0) – und das Paderborner Stellwerk, das deshalb bald abgerissen werden soll, sehen Sie HIER

Noch wacht der „Kleine Hermann“ in Paderborn über das Stellwerk. Im Schatten eines Gründerzeit-Eckhauses, den eine „Kopie“ des Hermannschlacht-Denkmals bekrönt, schiebt sich das markante Stellwerk in die Detmolder Straße. Es regulierte einen Bahnübergang der Sennestrecke zwischen Bielefeld und Paderborn, die aktuell modernisiert wird. Und mit der neuen Technik soll auch das „alte“ Bauwerk aus der Nachkriegszeit fallen. „Für das alte Stellwerk gibt es nach dem Rückbau der Innenanlagen keine weitere Verwendung, sodass anschließend ein Abriss erfolgen wird“, erklärte ein Vertreter der Bahn gegenüber der „Paderborn am Sonntag“.

Einer möglichen privaten Nutzung des funktionslos gewordenen Stellwerks erteilt der Bahnsprecher eine klare Absage: Dafür bräuchte es einen eigenen Zugang zum Gebäude – und der sei „wegen der Zuwegung von der Gleisseite aus“ nicht zugelassen. Vor Ort formiert sich Widerstand gegen den angekündigten Abriss: Der Verein „Historisches Paderborn“ sieht mit dem Stellwerk – nach dem Lokschuppen an der Abtsbrede – ein weiteres „Stück Baukultur, das sang und klanglos aus dem Stadtbild“ zu verschwinden droht. Eine private Zuwegung zum Stellwerk sei sehr wohl möglich, man will noch einmal das Gespräch mit der Bahn suchen. (kb, 29.4.15)