Palästina

Betzenrod, Hachschara-Lernhof, 1920er Jahre (Bild: PD, via wikimedia commons)

Kibbuzim auf deutschem Boden?

Um junge Deutsche auf die Emigration nach Palästina vorzubereiten, gründete zionistische Netzwerke man in den 1920er Jahren Lehrhöfe. Am Ende dieser „Hachschara“, der systematischen Schulung vor allem in landwirtschaftlichen Berufen, stand das Auswanderungszertifikat ins damals noch britisch verwaltete Gebiet. Häufig waren diese Höfe ähnlich gemeinschaftlich organisiert wie die Kibbuzim in Palästina bzw. im späteren Israel. Noch weitgehend unerforscht sind die Details dieser Bewegung, die während der ersten Jahre der NS-Regierung teils geduldet, teils erwünscht, teils beargwöhnt war. In vielen Fällen trugen die Höfe zur Rettung Jugendlicher aus NS-Deutschland bei, manchmal wurden sie Ende der 1930er Jahre fast nahtlos in Lager für jüdische Zwangsarbeiter überführt.

Vor diesem Hintergrund findet im Erich-Weniger-Haus/Schulmuseum Steinhorst am 26. April 2019 die Fachtagung „Hachschara und Jugend-Alija in Deutschland und Palästina“ statt. Veranstalter ist Prof. Dr. Ulrike Pilarczyk von der TU Braunschweig im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts „Nationaljüdische Jugendkultur und zionistische Erziehung in Deutschland und Palästina zwischen den Weltkriegen“. Begleitend wird im Schulmuseum Steinhorst am Donnerstag, dem 25. April 2019 um 18 Uhr eine Sonderausstellung „unter anderen Umständen wäre ich kein ‚Bauer‘ geworden“ (Max Barta). Um Anmeldung wird gebeten bis zum 1. April 2019 unter: s.museum@museen-Gifhorn.de oder 05148 4015 (Anrufbeantworter). (kb, 18.3.19)

Betzenrod, Hachschara-Lernhof, 1920er Jahre (Bild: PD, via wikimedia commons)

Israel-Plakat mit dem Ben-Gurion-Haus in Tel Aviv, 1975 (Bild: Verlag Hermann Schmidt)

70 Jahre Israel in 70 Plakaten

Vor 70 Jahren, am 14. Mai 1948, wurde Israel als Staat begründet. Zum Jubiläum gingen die Deutsche Henrietta Singer und die Israelin Sara Neumann in die Archive und suchten Plakate aus diesen sieben Jahrzehnten. Sie besuchten die Gestalter, soweit sie noch leben. Sie führten Interviews mit Zeitzeugen und eröffneten damit einen neuen Blick auf das Land, das so beständig mit Krisennachrichten durch die Medien geistert.

Im Spiegel des Grafikdesigns tauchen immer die großen Themen auf, die den jungen Staat und seine Bewohner bis heute begleiten: Einwanderung und Tourismus. In hebräischen Schriftzügen sprechen sie von Pioniergeist und Frieden. Sie zeigen drei Religionen und ihre Konflikte. Das Buchformat bleibt klein, denn – so die beiden Autorinnen – „Israel ist ja auch klein!“. Die Plakate werden um 90 Grad gedreht im Querformat abgebildet und fordern damit zum genauen Hinschauen, zum Perspektivwechsel heraus. (kb, 2.11.18)

Singer, Henrietta/Neumann, Sara, 70 Jahre Israel in 70 Plakaten, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2018, 336 Seiten, 11,1 x 16,2 cm, Hardcover, ISBN 978-3-87439-906-7.

Titelmotiv: Israel-Plakat mit dem Ben-Gurion-Haus in Tel Aviv, um 2015 (Bild: Verlag Hermann Schmidt)

Bat Yam, Rathaus, Alfred Neumann/Zvi Hecker/Eldar Sharon, 1963 (Bild: historische Postkarte)

Jüdische Architekten. Jüdische Architektur?

Gibt es eine jüdische Architektur? Jüdische Architekten, natürlich, auch Architektinnen. Aber hat dieser Hintergrund auch ihr Bauen geprägt. Ist das Judentum des 19. und 20. Jahrhunderts ein religiöser, nationaler oder kultureller Begriff? In den letzten Jahrzehnten hat die Forschung, verdientermaßen, vor allem einzelne jüdische Architektenpersönlichkeiten und ihr Werk in bestimmten Regionen untersucht. Aber bislang kommt der Überblick über das Netzwerk jüdischer Akteure in der Baukunst Europas, Amerikas, Israels und anderer Länder noch zu kurz. Damit blieb lange offen, ob sich Architekten hier als Teil einer gemeinsamen jüdischen (Kultur-)Bewegung verstanden und einen entsprechenden Formenkanon ausgebildet haben.

Diesen und verwandten Fragen widmet sich die Tagung „Jewish Architects – Jewish Architecture?“, zugleich der 4. Internationale Kongress für Jüdische Architektur, in Hamburg (Warburg-Haus/Institut für die Geschichte der deutschen Juden/Hafen City University, Hamburg) vom 6. bis zum 8. November 2018. Das Projekt, das architektonische Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts in den Blick nimmt, bildet eine Zusammenarbeit zwischen dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg, und Bet Tfila, Braunschweig/Jerusalem. Anmeldeschluss ist der 29. Oktober, statt einer Tagungsgebühr wird um eine Spende gebeten. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ulrich Knufinke, Ulrich.knufinke@igdj-hh.de, bei Fragen zur Organisation und Anmeldung an Beate Kuhnle, geschaeftszimmer@igdj-hh.de. (kb, 26.10.18)

Bat Yam, Rathaus, Alfred Neumann/Zvi Hecker/Eldar Sharon, 1963 (Bild: historische Postkarte)

Ramot Polin, 2007 (Bild: Nehemia G., CC BY SA 2.5)

100 Jahre Moderne in und mit Palästina/Israel

Vor 100 Jahren suchten viele Architekten in Palästina das „Gelobtes Land“ – eine Experimentierfläche für moderne Ideen. Diesen konsequenten, mutigen, in jedem Fall sehenswerten Bauten widmet das Innsbrucker Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege eine Vortragsreihe. Jeweils um 18 Uhr sprechen im Seminarraum: 17. Mai 2017, Ulrich Knufinke (Braunschweig/Hamburg/Innsbruck): „Wilhelm Ze’ev Haller (1884-1956)“, 21. Juni 2017, UIta Heinze-Greenberg (Zürich): „Bezalel und Bauhaus“, 26. Juni, Anna Minta (Linz): „Israel baut“, 29. Juni, Regina Stephan (Mainz): „Erich Mendelsohns Architektur in Palästina“.

Wie sich diese Reformgedanken auch in der deutschen jüdischen Kultur niederschlugen, beleuchtet bis zum 24. Mai eine Ausstellung im Architekturpavillon der TU Braunschweig (Pockelsstraße 4, 38106 Braunschweig). Das Israel Jacobson Netzwerk, die Museen des Landkreises Gifhorn, die Tessenow-Runde Steinhorst und die TU Braunschweig/Bet Tfila stellen hier den Reformarchitekten Heinrich Tessenow (1876-1950) vor. Von ihm stammt z. B. das Braunschweiger „Haus der Gemeinde“, das er 1912 für das jüdische Land- und Lehrgut der Simon’schen Stiftung gestaltete. Begleitend gibt es jeweils um 18.30 Uhr Vorträge im Architektursalon: 18. Mai 2017, Olaf Gisbertz (Braunschweig): „Architekturen des Gebrauchs von Heinrich Tessenow“, 23. Mai 2017, Dr. des. Christoph Schmidt (Gifhorn): „Die Lebensreformbewegung“, 30. Mai, Prof. Dr. Carol Herselle Krinsky (New York): „Synagogen in den USA“ (letzterer im Hörsaal SN 19.3). (kb, 16.5.17)

Ramot Polin, Wohnbau von Zvi Hecker (Bild: Nehemia G., CC BY SA 2.5)

Preußen im Orient

Auf der Suche nach dem Heiligen Land (Bild: Gustaf-Dalman-Institut Greifswald)
Die Wanderausstellung „Auf der Suche nach dem Heiligen Land“ startet am 9. Januar im Greifswalder Dom St. Nikolai (Bild: Gustaf-Dalman-Institut Greifswald)

Es geht um ein Land, das es nicht mehr gibt: Bis 1914 führte der Orientexperte Gustaf Dalman (1855-1941) jedes Jahr deutsche Theologen in die „vormodernen“ Ecken Palästinas. Was die Forscher auf ihren Reisen aufnahmen, findet sich heute in Greifswald. Diese Fotografien werden nun vom Gustaf-Dalman-Institut erstmals für eine bundesweite Wanderausstellung erschlossen: „Auf der Suche nach dem Heiligen Land“ wird gefördert durch die Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland, den Reiseveranstalter Biblische Reisen und die Sparkasse Vorpommern.

Die Ausstellung wird am 9. Januar 2015 um 16 Uhr im Greifswalder Dom St. Nikolai eröffnet. Zu sehen ist die Ausstellung im Greifswalder Dom St. Nikolai vom 10. Januar bis zum 22. Februar 2015 (montags bis samstags 10:00 bis 16:00 Uhr, dienstags 10:00 bis 18:00 Uhr, sonntags 11:30 bis 15 Uhr). Für die Gastvorlesung „Die Entstehung des Heiligen Landes“ (15. Januar 2015, 8:15 bis 9:45 Uhr, Rubenowstraße 1, Hörsaal 4) konnte der Theologe Dr. Georg Röwekamp, Geschäftsführer von Biblische Reisen, gewonnen werden. Begleitend zur Ausstellung halten Studierende zwischen dem 13. Januar und dem 17. Februar 2015 unter dem Motto „Orientalische Nächte im Dom“ jeden Dienstag zwischen 16:00 und 18:00 Uhr den Dom St. Nikolai offen. (kb, 6.1.15)

Palästina zu verleihen!

Auf der Suche nach dem Heiligen Land (Bild: Gustaf-Dalman-Institut Greifswald)
Wanderausstellung zu den Forschungsreisen deutscher Theologen nach Palästina (Bild: Gustaf-Dalman-Institut)

Nein, es geht nicht um die wenigen umkämpften Quadratmeter im heutigen Nahen Osten. Es geht um ein Palästina, das es heute nicht mehr gibt: das Land der Beduinen und Fellachen vor dem Ersten Weltkrieg. Die Sehnsucht nach dem Heiligen Land zog zwischen 1903 und 1914 jedes Jahr eine handverlesene Gruppe deutscher Theologen nach Jerusalem. Mit Pferd und Tropenhelm erkundeten sie unter Leitung des Orientologen Gustaf Dalman (1855-1941) die noch unverfälschten Ecken von Palästina.

Was sie auf ihren Forschungsreisen entdeckten, findet sich heute im vorpommerschen Greifswald: vom Beduinengewand bis zur gepressten Wüstenblume. Und vor allem rund 15.000 Fotografien von Dalman und seinen Theologen. Dieses Material wird nun vom Greifswalder Gustaf-Dalman-Institut – gefördert u. a. durch die Evanglisch-Lutherische Kirche in NorddeutschlandBiblische Reisen und die Sparkassenstiftung Vorpommern – erstmals für eine bundesweite Wanderausstellung erschlossen. Unter dem Titel „Auf der Suche nach dem Heiligen Land“ wird anhand ausgewählter Fotografien lebendig, was die Stipendiaten auf ihren Reisen erforschten und erfuhren. Die Ausstellung startet Anfang Januar 2015 im Greifswalder Dom und tourt in den folgenden Monaten durch die Bundesrepublik. Noch können die Tafeln für weitere Stationen angefragt werden. Interessenten wenden sich bitte an: Dr. Karin Berkemann, 0179/7868261, berkemannk@uni-greifswald.de. (kb, 6.10.14)