Architektur als Exportware?

In den 1930er Jahren wurden Baumaterialien zu einem wichtigen Handelsgut zwischen dem zu diesem Zeitpunkt britischen Palästina und Deutschland. Die Ausstellung „The Matter of Data“ des Centre for Documentary Architecture, die noch bis zum 29. Februar im „Satellit“ der Architekturgalerie Berlin zu sehen ist, widmet sich dieser logistischen und politischen Komponente der modernen Architektur. Dabei wird der Handel mit Baumaterial in Beziehung zur Exil- und Fluchtgeschichte gesetzt und die Auswirkungen auf die Entwicklung der Architektur erläutert. Nicht zuletzt soll es auch darum gehen, welche politischen Aspekte im Terminus „Bauhaus-Moderne“ impliziert sind.

Im Fokus stehen denkmalpflegerische Analysen, die durchaus auch das gemeine Bild von der sogenannten „weißen Stadt“ Tel Aviv ins Wanken bringen. Anhand der Befunde von Farb- und Materialanalysen einer Fassade wird die Stadtgeschichte sichtbar gemacht. Ergänzend werden digitale Bauaufnahmen, dokumentarische Filme und Archivmaterial präsentiert. Der Eintritt ist frei. (mk, 7.2.20)

Israelfotos gesucht

„Die meisten Touristen fühlen sich genötigt, die Kamera zwischen sich und alles Ungewöhnliche zu schieben, das Ihnen begegnet.“ (Susan Sontag, 1977) Spätestens ab den 1950er Jahren endete jeder Urlaub unweigerlich mit einem Foto-Album oder einem Dia-Abend. Für ein Forschungsprojekt sucht die Universität Greifswald jetzt Ihre privaten Israelfotografien: analoge Aufnahmen (Papierabzüge, Dias, Alben, bebilderte Reisetagebücher) der Kulturlandschaft Palästina (Israel, Palästina, Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten) der Jahre 1850 bis 1992. Die 1920 vom Palästinakundler Gustaf Dalman in Greifswald begründete Sammlung birgt rund 20.000 historische Fotografien der Kulturlandschaft Palästina. Diese Aufnahmen werden in einem Forschungsprojekt ausgewählten Reisefotografien der Zeit nach der Gründung des Staates Israel (1948) gegenübergestellt. Teils können dafür die Bestände von Archiven wie WDR Digit herangezogen werden.

Aber immer noch fehlen aussagekräftige Aufnahmen vor allem der Jahre 1948 bis 1992. Die Ergebnisse der Forschungen, vielleicht auch Ihre Fotografien, sollen 2020 in einem Buch und einer kleinen Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wenn Ihre Aufnahmen für die Projektbeteiligten interessant sind, werden diese abgeholt oder das Porto für den Versand erstattet. Selbstverständlich werden Fotografien nur nach ausdrücklicher Rücksprache mit den Bildgebern verwendet. Nach Abschluss des Projekts erhalten Sie Ihre Fotografien zurück – und als Dankeschön hochwertige Scans der schönsten Aufnahmen daraus für Ihr privates digitales Fotoarchiv. (kb, 29.6.19)

Wenn Sie eigene Aufnahmen haben oder über die Aufnahmen Ihrer Eltern/Großeltern verfügen, melden Sie sich bis zum 15. August 2019 bei: Dr. Karin Berkemann, Kustodin der Dalman-Sammlung, dalman@uni-greifswald.de oder 0179 7868261. Oder Sie posten Ihr Israelfoto unter #israelretrofoto.

Titelmotiv: Mizpa, Straßenszene, 1992 (Bild: Dalman-Institut, Greifswald)

Israel und das Rheinland und Neue Bauen

Spätestens seit die Weiße Stadt 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben wurde, reißen die Ausstellungen und Bildbände zum Thema nicht ab. Zum Bauhaus-Jahr rückt nun ein besonderer Aspekt dieser deutsch-istaelischen Geschichte in den Mittelpunkt: Die Architekten Josef Rings (1878–1957) und Erich Mendelsohn (1887–1953) stehen beispielhaft für die deutsche Architekturmoderne. Beide setzten ihr Wirken im (unfreiwilligen) Exil in Palästina mit renommierten Projekten fort.

Die Ausstellung „Neues Bauen im Rheinland und in Palästina – Erez Israel: Josef Rings und Erich Mendelsohn“ ist im Gewölbe des NS-Dokumentationszentrums (NS DOK) Köln vom 17. Mai bis zum 14. Juli 2019 zu sehen. Die Ausstellung zeigt einige der Bauten der beiden Architekten im Deutschen Reich – insbesondere im Rheinland und im Ruhrgebiet – sowie ihr Wirken im damaligen Mandatsgebiet Palästina. Das Projekt wurde kuratiert von Dr. Micha Gross (Tel Aviv) und Dr. Ines Sonder (Potsdam). Ausstellung und Katalog bilden das Ergebnis einer Kooperation des Bauhaus Centers Tel Aviv, der Alten Synagoge Essen und des Moses Mendelssohn Zentrums Potsdam. Zum Begleitprogramm gehören z. B. Öffentliche Führungen (20. Mai 2019, 17 Uhr, 5. Juli 2019, 15 Uhr, 14. Juli 2019, 14 Uhr). (kb, 21.4.19)

„Neues Bauen im Rheinland und in Palästina – Erez Israel: Josef Rings und Erich Mendelsohn“ (Bild: NS DOK Köln, Titelmotiv der Ausstellung)