Das Garagenmanifest

Die langen Garagenreihen waren in der DDR Lebensraum – nicht nur fürs Auto, auf das man oft jahrzehntelang warten musste. Hier wurde geparkt, gehätschelt, geschraubt. Und hier war auch Ort des sozialen Austauschs, ein Teil Alltagskultur, der nach der Wiedervereinigung langsam verblasste. Bereits vor einigen Jahren haben Luise Rellensmann und Jens Casper das Seminar „Preservation Studio: Das Garagen Manifest“ am Fachgebiet Denkmalpflege der BTU Cottbus-Senftenberg abgehalten. Hier wurden Studierende angehalten, Ideen und Konzepte für eine mögliche Nachnutzung dieser ortsbildprägenden Garagensiedlungen, welche oft noch im Originalzustand erhalten sind, zu entwickeln. 2017 fand eine begleitende Ausstellung in der Architektur Galerie Berlin statt.

Im März erscheint nun endlich die dazugehörige Publikation bei Park Books. „Das Gara­genmanifest“ bietet erstmals eine Aufarbeitung dieses viel­schichtigen DDR-Erbes: Neun mit Schwarz-Weiss-Fotografien, Zeichnungen und Lageplänen illustrierte Fallstudien geben Ein­blicke in die Bauart und Planungsweise verschiedener Anlagen. Ein vertiefender Essay beschäftigt sich mit den Ursprüngen der Bautypologie und den Bedrohungen, denen dieses Stück DDR-Kultur heute ausgesetzt ist. Und schließlich werden auch denkmalpflegerische Aspekte behandelt. Abgerundet wird das Buch durch einen Bildessay von unserem liebsten Ostmoderne-Chronisten Martin Maleschka. (db, 21.1.21)

Luise Rellensmann, Jens Casper (Hrsg.): Das Garagenmanifest, Park Books (Zürich) 2021, ca. 160 Seiten, ca. 13 farbige und 35 sw Abbildungen, 24 Zeichnungen und Lagepläne; ISBN 978-3-03860-240-8

Bild: Martin Maleschka

Pioniere des Brückenbaus

Brücken sind äußerst nützlich (man kann mit ihnen die Seiten wechseln),  technisch anspruchsvoll (wie überspannt man eine möglichst große Strecke mit möglichst wenig Material) und im besten Fall auch schön (kann man nicht erklären, muss man sehen). Die beiden Ingenieure Ernst Schmidt (1914-90) und Albert Schmidt (1923-2007) sorgten für viele dieser guten Fälle: Ab 1948 verwirklichten sie herausragende Brücken wie die Johanniterbrücke in Basel, das Lopperviadukt in Stansstad, den Viaduc du lac de la Gruyère sowie andere Großprojekte in der Schweiz, in Deutschland, Brasilien und Süditalien.

Als eines der ersten Ingenieurteams wandte das Brüderpaar den Spannbeton und das sogenannte Freivorbauverfahren an. Sie entwickelte innovative  Brücken mit weit auskragenden Querrippen. Und sie schufen markante Hochbauten wie die St. Jakobshalle in Basel mit ihrem 90 Meter weit gespannten Hängedach aus Leichtbeton. Das neue, von Wendelin Schmidt herausgegebene Buch im Züricher Park-Books-Verlag würdigt erstmals umfassend die ingenieurtechnischen Leistungen der Brüder Schmidt – mit detaillierten Erläuterungen und zahlreichen historischen Fotografien, Zeichnungen, Plänen und Skizzen. Als Autoren konnten Lukas Abt, René Czechowski, Michel Donzel, Rolf Plattner und Wendelin Schmidt gewonnen werden. (kb, 21.2.15)

Schmidt, Wendelin (Hg.), Ernst und Albert Schmidt, Ingenieure. Pioniere des Brückenbaus, hg. von der Gesellschaft für Ingenieurbaukunst, Park Books, Zürich 2014, 300 Seiten, 403 Farb- und Schwarzweiß-Abbildungen, 30 x 24 cm, ISBN 978-3-906027-59-3.

Die Brücken der Brüder Schmidt: funktional, technisch innovativ und nicht selten von großer Eleganz (Bild: Park Books)