Stern im Exil

Fast 70 Jahre stand er auf dem Turm des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Dorthin gebracht wurde er sogar noch mit einem Pferdefuhrwerk (!). Doch bald ist der große Mercedes-Stern Baujahr 1952 erstmal weg: Im Rahmen des heftig umstrittenen Projekts Stuttgart 21 wird nun der Bonatz-Bau, bzw. das, was davon übrig ist, umgestaltet und saniert. Dafür muss das Werbelogo seinen Platz verlassen, weil auch im Inneren des Turms an tragenden Strukturen eingegriffen wird. Doch wird dieser Abschied nicht auf ewig sein: 2025 soll der wie der Bahnhof selbst denkmalgeschützte Stern wieder montiert werden – nachdem er selbst ebenfalls saniert wurde.

Bis dahin kann das symbolträchtige Markenlogo mit dem wenig bescheidenen Durchmesser von fünf Metern aber weiterhin besichtigt werden. In den kommenden Wochen soll es einen vorübergehenden Platz vor dem Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart-Bad Cannstadt erhalten. Immer in Tuchfühlung zu bekannten Architekten – von Paul Bonatz´Hauptbahnhof zu Ben van Berkels Museum – das auch schon wieder 15 Jahre auf dem geschwungenen Buckel hat … (db, 19.3.21)

Stuttgart, Hauptbahnhof Juni 1952 (Bild: Daimler AG)
Transport des Mercedes-Sterns, Juni 1952 (Bild: Daimler AG)

Titelbild: Turm des Hauptbahnhofs im März 2021 (Bild: Daimler AG)

Knabbern an der Rodenkirchener Brücke?

Die Rodenkirchener Brücke bei Köln war die erste Autobahnbrücke über den Rhein. Ihre Urform als „Adolf-Hitler-Brücke“ entstand von 1938-41 nach Plänen von Paul Bonatz und den Ingenieuren Karl Schaechterle und Fritz Leonhardt. Im Januar 1945 wurde die Hängebrücke bei einem Luftangriff zerstört, den Wiederaufbau von 1952-54 leitete der Bauingenieur Hellmut Homberg. Hierbei wurden unter anderem die Bonatz´schen Pylonen weiterverwendet. 1990-94 hat man das Bauwerk aufgrund des Verkehrsaufkommens auf der A4 an seiner Nordseite gedoppelt, ohne dass das architektonische Erscheinungsbild spürbar verändert wurde. Die 567 Meter lange Brücke ist längst Wahrzeichen Rodenkirchens und steht unter Denkmalschutz.

Der könnte womöglich vergebens sein, denn neue Verkehrsplanungen sehen sehr wahrscheinlich den Ersatz des Bauwerks vor: Der Landesbetrieb Straßen NRW plant im Zuge der neuen „Rheinspange“ A553 , dass die A4 zwischen den Autobahnkreuzen Köln-Süd und Köln-Gremberg über eine Länge von 5,5 Kilometern ausgebaut werden soll. Das betrifft auch die Rodenkirchener Brücke, die man bereits jetzt als überlastet ansieht. Und die nach einer erneuten Verbreiterung aufgrund des Alters etlicher Bauteile nicht allzu lange im Betrieb sein dürfte – wenn sie ihm überhaupt gewachsen sei. Der Vorsitzende der Bürgervereinigung Rodenkirchen hat bereits verlauten lassen, dass er strikt gegen einen Abriss der in „Adenauer-Grün“ gestrichenen Flussquerung ist. (db, 25.3.20)

Köln, Rodenkirchener Brücke (Bild: ToLo46 CC BY-SA 4.0)

Terrasse als Prinzip

Heute ist sein Name nicht mehr sehr geläufig, doch Ende der 1920er Jahre zählte Richard Döcker zu den prominentesten deutschen Vertretern des Neuen Bauens. Als technischer Leiter der Weissenhofsiedlung ist er für den Bau der meisten Häuser verantwortlich und steuerte auch zwei eigene Entwürfe bei. Anläßlich Döckers 125. Geburtstags ist nun im Haus Mies van der Rohe am Weissenhof die Ausstellung „Terrassentyp als Prinzip – Richard Döcker (1894-1968) – Architekt des Neuen Bauens“ zu sehen – auch um seine bemerkenswerten Entwürfe wieder einem breiteren Publikum zu zeigen.

Die Ausstellung legt einen Schwerpunkt auf die Bauten und Projekte der zweiten Hälfte der 1920er Jahre und stellt neben dem 1959 abgerissenen Kreiskrankenhaus Waiblingen das Haus Kilpper (Foto) im Stuttgarter Osten, die beiden zerstörten Häuser in der Weissenhofsiedlung sowie das Lichthaus Luz an der Stuttgarter Königstraße ins Zentrum. Es gibt auch Führungen mit der Kuratorin Inken Gaukel: am Sonntag, 17. November und Sonntag, 8. Dezember 2019 jeweils um 13 und 14 Uhr. (db, 5.11.19)

oben: Blick in die Ausstellung „Terrassentyp als Prinzip – Richard Döcker (1894-1968)“ im Haus Mies van der Rohe am Stuttgarter Weißenhof (Bild: Peter Liptau, 2019); unten: Waiblingen, Kreiskrankenhaus ca. 1930 (Bild: Freunde der Weißenhofsiedlung)