Würzburg: Rettung für die Army-Tankstelle?

Zugegeben, es mag in Deutschland noch schnittigere 1950er-Jahre-Tankstellen geben. Diese hier allerdings bedeutet offenbar einer nicht zu kleinen Gruppe von Menschen etwas, und so wurde nun eine Petition zu ihrem Erhalt gestartet. Die Rede ist von der 1952 errichteten Zapfstation der ehemaligen Leighton-Barracks der US-Army in Würzburg. 2008 gaben die Amerikaner den Standort auf, und seither wird hier der neue Stadtteil Hubland errichtet. Bis Anfang Oktober fand zudem die Landesgartenschau auf dem 25 Hektar großen Areal statt. Mitten im grünen Treiben stand die Tankstelle als letztes übriggebliebenes Gebäude der einstigen Kasernen – farblich aufgefrischt und hübsch dekoriert als „American Diner“. Doch nach dem Ende der Gartenschau soll nun auch sie abgerissen werden.

Unter anderem die Siedlervereinigung Würzburger Sieboldshöhe und die Kunsthistorikerin Dr. Antje Hansen, Vorsitzende des Vereins der Würzburger Gästeführer, möchten nun den Verlust des Zeitzeugens verhindern. Auch eine Dokumentation zur Geschichte des Leighton-Barracks-Geländes würde der Bereinigung zugunsten einer Grünanlage zum Opfer fallen. Als Abriss-Argumente führt die Stadt Würzburg die schlechte Bausubstanz und vermeintlich kontaminierten Boden an – einer Nutzung während der Landesgartenschau stand dies freilich nicht im Weg. Mittlerweile fordert auch die Würzburger SPD-Stadtratsfraktion in einem Eilantrag den Erhalt der Tankstelle und die Suche nach einer geeigneten Nutzung. (db, 9.10.18)

Würzburg, Army-Tankstelle (Bild: lgs Würzburg)

Denk-MAL-Prora

Denk-MAL-Prora

Prora (Steffen Löwe, CC0)
Der Architekt Clemens Klotz machte seinem Namen alle Ehre: das kolossale KdF-Strandbad auf Rügen (Bild: Steffen Löwe, CC0)

Der „Koloss von Prora“ ist ein gigantischer Erinnerungsort: Gebaut wurde er ab 1936 als riesiges KdF-Seebad auf Rügen, später war er die größte Kaserne der DDR. Zur Zeit entstehen in den Blocks Ferienwohnungen – daher kämpft die Initiative Denk-MAL-Prora in einer Petition um den Erhalt der letzten Geschichtsspuren.

Unter den Nazis sollten in der 4,5 Kilometer langen Ferienanlage bis zu 20.000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen können. Der moderne Bauplan wurde auf der Weltfachausstellung Paris 1937 mit einem Grand Prix ausgezeichnet, dann aber nicht mehr komplett fertiggestellt. Ab 1950 war die hermetisch abgeriegelte Anlage die größte Militärkaserne der DDR. In den 80er Jahren wurden im Block V auch Bausoldaten stationiert, die den Ort zu einer „Brutstätte oppositioneller Gedanken“ machten. Eben dieser Block ist heute noch als einziger in öffentlicher Hand: Hier sind eine Jugendherberge und ein Bildungszentrum untergebracht, das die Spuren der Vergangenheit erhalten soll. Die übrigen Blöcke wurden inzwischen zu Ferienwohnungen ausgebaut. Am 2. Mai wird der Landkreis darüber entscheiden, ob auch dieser Block V privatisiert werden und in eine Ferienanlage umgewandelt werden soll. Die Initiative warnt: „Endgültig verloren ginge der Charakter des Mahnmals zweier Diktaturen.“ (ps, 17.4.16)

Petitionen fürs ICC Berlin

Petitionen fürs ICC Berlin

Das Berliner ICC schließt seine Pforten (Bild: Avantique)
Gleich mehrere Petitionen – von ICOMOS bis zur Online-Initiative – setzen sich für das Internationale Congress Centrum (ICC) in Berlin ein (Bild: Avantique)

„In Berlin aufgewachsen, war mir von klein auf bewusst, dieses gigantische Bauwerk ist etwas Besonderes.“ Mit diesen Worten wendet sich Michael Stekowski mit einer Online-Petition an die Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Er fordert darin nicht weniger als „Denkmalschutz für das ICC Berlin“.

Das ICC, dessen Anfänge bis in die 1960er Jahre zurückreichen, wurde – nach Plänen der Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte errichtet – 1979 feierlich eingeweiht. Aktuell befindet sich die Anlage im funktionalen Umbruch. Für die Online-Petition verdient das das monumentale Gesamtkunstwerk ähnlich wie seine großen Geschwister – das Klinikum Aachen und das Centre Pompidou in Paris – daher besondere Fürsorge. Oder, wie es Kerstin Wittmann-Englert in ihrem Leitartikel zum moderneREGIONAL-Sommerheft 2014 über das ICC ausdrückte: „Der Ruf nach Denkmaleintragung, getragen von Institutionen wie der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger, der Architektenkammer Berlin und dem Landesdenkmalrat Berlin, wird immer lauter. Ihm sollte man folgen, denn das ICC ist […] als Unikat ein über alle Maßen gelungenes Zusammenspiel von zeitgemäßer Konstruktion und Materialität, gestalterischer Qualität, baukünstlerischem Ausdruck und erwiesener Funktionalität.“ Bereits die ICOMOS Generalversammlung in Florenz hatte sich im November 2014 für das ICC stark gemacht, wie der ICOMOS-Präsidenten Gustavo Araoz in seinem Schreiben an den Regierenden Bürgermeister von Berlin unterstrich. Wenn sich die Fachwelt schon einmal so einig ist … (kb, 23.3.15)