Förderung für Saarlands Nachkriegsmoderne

Die europäische Kommission hat das kommende Jahr zum Europäischen Kulturerbejahr erklärt. Auf dem ganzen Kontinent sollen 2018  die gemeinsamen kulturellen Wurzeln der Länder der EU gefeiert werden. Deutschland will sich dabei besonders der Baukultur widmen und hat sich zum Ziel gesetzt, „das Europäische im Lokalen zu entdecken“. Ein Bundesland scheint für solche Entdeckungen besonders vielversprechend: das Saarland. Der Bund gab kürzlich bekannt, die saarländischen Aktivitäten zum Kulturerbejahr mit 200.000 Euro zu fördern.

Die Bewohner des Saarlandes musste sich im 20. Jahrhundert mehr als einmal mit der Frage nationaler Zugehörigkeit herumschlagen. Nach dem Ersten Weltkrieg stand die Region unter dem Mandat das Völkerbunds, bei einer Volksabstimmung 1935 entschieden sich die Saarländer fatalerweise für die Losung „Heim ins Reich“. Auf den Zweiten Weltkrieg folgte die französische Besatzung, eine kurze Zeit der Autonomie und schließlich der Beitritt zur Bundesrepublik. Diese Geschichte hat sich besonders in nachkriegsmodernen Bauten wie der französischen Botschaft von Georges-Henri Pingusson oder dem Langwellensender „Europe 1“ manifestiert. 2018 werden zahlreiche Veranstaltungen, Fachtagungen und Sonderausstellungen der Geschichte dieser und anderer Bauten nachgehen. (jr, 5.8.17)

Saarbrücken, ehemalige französische Botschaft (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)

Pingusson bleibt auf der Agenda

Pingusson bleibt auf der Agenda

Ehemalige franzoesische Botschaft in Saarbrücken, Architekt: Georges-Henri Pingusson. (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)
Zukunft nach wie vor ungewisse: der Pingusson-Bau in Saarbrücken (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)

Die Zukunft der ehemaligen französischen Botschaft in Saarbrücken ist nach wie vor ungewiss. Die denkmalgeschützte, 1954 eröffnete Hochhausscheibe des französischen Architekten Georges-Henri Pingusson steht seit 2014 leer. Kürzlich befasste sich der saarländische Ministerrat erneut mit dem Bau. Grundlage ist ein vom saarländischen Finanzministerium in Auftrag gegebenes Gutachten, das bereits 2015 zu dem Schluss kam, dass eine Sanierung des Baus möglich ist. Die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme wird aber nach Aussage der saarländischen Staatskanzlei derzeit noch geprüft.

Sollte die Sanierung beschlossen werden, gäbe es mehrere Möglichkeiten der Nutzungsoptionen. Möglich wäre eine Rückkehr des Bildungsministeriums, das bis 2014 im Pingusson-Bau saß. Offenbar erwägt man aber auch die Nutzung durch andere Behörden. Eine von der Landesregierung eingesetzte Kommission eruiert derzeit verschiedene Konzepte, im April 2016 will das Kabinett auf deren Grundlage über die zukünftige Nutzung entscheiden. Die Opposition im Landtag meldete gegenüber dem Saarländischen Rundfunk Bedenken an, das Projekt könne auf die lange Bank geschoben werden. Die jüngsten Informationen der Landesregierung böten wenig Neues und erweckten den Anschein, lediglich die Debatte um den Bau beruhigen zu wollen. (jr, 17.3.16)

Publicity für Pingusson

Ehemalige franzoesische Botschaft in Saarbrücken, Architekt: Georges-Henri Pingusson. (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)
Zukunft weiterhin ungewiss: die ehemalige französische Botschaft in Saarbrücken (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)

In Saarbrücken geht die Debatte um die Zukunft der ehemaligen französischen Botschaft weiter. Der Bau entstand 1951-1954 nach Plänen des französischen Architekten Georges-Henri Pingusson während der Zeit der nationalstaatlichen Unabhängigkeit des Saarlandes nach dem 2. Weltkrieg. Nun ist womöglich ein weiterer Schritt hin zu seiner Rettung getan: Ein neuer Sammelband rund um das Bauwerk garantiert zumindest öffentliche Aufmerksamkeit.

Neben Aufsätzen zur Baugeschichte und historischen Fotos enthält er – mit Grußworten des französischen Generalkonsuls in Saarbrücken, Frédéric Joureau und des saarländischen Kultusministers Ulrich Commerçon – zwei prominente Plädoyers für den Erhalt. Das Buch ist für deutsche und französische Leser durchgängig zweisprachig gestaltet. Er knüpft damit an die Gedanken an, den Bau zum Symbol für die deutsch-französische Freundschaft und die europäische Integration zu machen. Diese Idee hatte auch ein internationaler Expertenkongress stark gemacht, den der saarländische Werkbund 2014 in dem leerstehenden Gebäude veranstalte. (jr, 28.1.15)

Die ehemalige Französische Botschaft in Saarbrücken von Georges-Henri Pingusson, hg. vom Deutschen Werkbund Saarland und vom Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Verlag St. Johann GmbH, Saarbrücken 2014, 128 Seiten, ISBN 3-938070-90-9.