Halle: Schalendom-Initiative wehrt sich

Halle: Schalendom-Initiative wehrt sich

Halle, Planetarium (Bild: Ralf Lotys (Sicherlich), CC BY 3.0)
Soll bald fallen: das Planetarium in Halle (Bild: Ralf Lotys (Sicherlich), CC BY 3.0)

„Die Entscheidung für den Abriss des Planetariumsbaus auf der Peißnitz ist gefallen. Das Landesverwaltungsamt als Obere Denkmalschutzbehörde hat der Wegnahme unter der Bedingung der Errichtung eines neuen Planetariums (auf dem Holzplatz) zugestimmt.“ Mit dieser Nachricht eröffnet die „Denkmalinitiative Schalendom“ ihre Erklärung vom 8. Juli 2016.

Es geht um das Sigmund-Jähn-Planetarium aus dem Jahr 1978. Für die futuristische Bauform zeichnete der Ingenieur Herbert Müller verantwortlich, der vielerorts DDR-Funktionsbauten unter eine oder gleich mehrere „hyperbolischen Halbschalen“ setzte. Mehrere Hochwassereinbrüche schädigten den Bau, so dass die Stadt Halle den Abriss beschloss. Mit der Auflage, dass der rund 8 Millionen Euro teure – ebenso wie der Abriss teils aus Fluthilfemitteln zu finanzierende – Neubau erfolgt. Dabei hatte sich rasch Protest geregt, vor Ort ebenso wie in Fachkreisen. Die „Initiative Schalendom“ zeigt sich in ihrer Erklärung enttäuscht: „Ob der Vorschlag der Denkmalinitiative Schalendom, das Denkmal als Denkmal auch ohne Nutzung zu bewahren und eine Patenschaft für die bauliche Unterhaltung zu übernehmen, dem Bau eines neuen Planetariums wirklich zwingend entgegengestanden hätte, bleibt für uns weiter fraglich.“ Zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals will man das abrissgeweihte Planetarium aber noch einmal mit einer Ausstellung würdigen. (kb, 9.7.16)

Planetarium: Abriss genehmigt

Planetarium: Abriss genehmigt

Halle, Planetarium (Bild: Ralf Lotys (Sicherlich), CC BY 3.0)
Idyllisch gelegen und futuristisch geschwungen: das ehemalige Sigmund-Jähn-Planetarium auf der Peißnitz-Insel (Bild: Ralf Lotys (Sicherlich), CC BY 3.0)

Benannt ist der geschwungene Bau auf der Peißnitz-Insel nach dem ersten Deutschen im Weltall. Das Sigmund-Jähn-Planetarium wurde 1978 eingeweiht. Für die Technik sorgten die Carl Zeiss-Werke Jena mit dem hochmodernen Projektor „Spacemaster DP2“. Für die futuristische Bauform zeichnete der Ingenieur Herbert Müller verantwortlich, der vielerorts DDR-Funktionsbauten unter eine oder gleich mehrere „hyperbolischen Halbschalen“ setzte.

Die malerische Insellage machte dem Planetarium zu schaffen. Mehrere Hochwassereinbrüche, zuletzt 2013, schädigten zuerst den Bau und schließlich auch den Projektor. Vor diesem Hintergrund hatte sich die Stadt Halle entschlossen, das Planetarium auf der Peißnitz-Insel aufzugeben und an einem anderen Standort einen Neubau zu errichten. Seit 2013 steht der Bau leer und Ende April 2015 wurden Gelder für den Abriss eingestellt, nun wurde der Abriss auch formell genehmigt. Mit der Auflage, dass der rund 8 Millionen Euro teure – ebenso wie der Abriss teils aus Fluthilfemitteln zu finanzierende – Neubau eines Planetariums im Gasometer am Holzplatz erfolgt. Damit ist auch das Angebot eines Patenschafts-Vertrags durch die Initiative „Schalendom“, die das denkmalgeschützte Peißnitz-Planetarium als prägenden Bau der Ostmoderne erhalten sehen will, abgelehnt. Noch fehlt der Baubeschluss für den Planetariums-Neubau. (kb, 26.6.16)

Halle: Denkmalschutz fürs Planetarium

Halle: Denkmalschutz fürs Planetarium

Das hochwassergeschädigte Planetarium auf der Peißnitzinsel in Halle (Saale) steht seit Juni 2015 unter Denkmalschutz (Bild: Knut Mueller)
Das hochwassergeschädigte Planetarium auf der Peißnitzinsel in Halle (Saale) steht seit Juni 2015 unter Denkmalschutz (Bild: Knut Mueller)

Das Planetarium auf der Peißnitzinsel in Halle (Saale) steht seit dem letzten Hochwasser vor zwei Jahren leer und seitdem auch zur Disposition: Denn auf dem Weg zum höchstmöglichen Fördermittel-Budget für ein neues Planetarium am Holzhof, das als Initialzündung für die Revitalisierung der Saline-Insel fungieren soll, hatte die Stadt Halle den Abbruch des Vorgängers bislang fest eingeplant. Daher schien das Schicksal des futuristischen Bauwerks (seitdem der Fluthilfefonds die Übernahme der Abrisskosten bewilligt hat) besiegelt.

Dieses 1976-78 errichtete Raumflugplanetarium ist jedoch – neben seinen Qualitäten als Zeitzeugnis der ostdeutschen Weltraumbegeisterung – auch noch ein weitestgehend unverändertes Anschauungsmodell der verschiedenen vom Hallenser Bauingenieur Herbert Müller („Schalenmüller“) entwickelten Betonschalen, die für viele der lokalen Sonderbauten der DDR-Zeit geradezu charakteristisch sind. Daher stellte das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt die mehrteilige Anlage im Juni 2015 als Baudenkmal unter Schutz. Dies ergibt für den weiteren Erhalt des Planetariums nun völlig neue Perspektiven. Die Stadt scheint jedoch um jeden Preis an den Abbruchplänen festhalten zu wollen: Die Kulturdezernentin Judith Marquardt spricht nun von einem „denkmalgerechten Abriss“ … (ts, 10.7.15)