Schach dem Beton

Zu DDR-Zeiten gab es auf der Peißnitzinsel in Halle (Saale) eine umfangreiche Freizeitlandschaft. Der “Parkteil der aktiven Erholung” wurde zu Zeiten des Sozialismus sukzessive im seit 1888 existierenden Naherholungsgebiet errichtet. Hier befand sich auch das 1978 eröffnete, denkmalgeschützte “Raumflug-Planetarium Siegmund Jähn”, das trotz Protesten 2018 aufgrund Hochwasserschäden abgerissen wurde. Viele andere Bauteile aus den 1970er/80er Jahren befinden sich ebenfalls in schlechtem Zustand oder liegen komplett brach. So auch eine Gruppe von Freiluft-Schachtischen aus Beton, die nun demontiert wird.

Doch keine Sorge, diesen Bauten droht nicht das Schicksal des Planetariums – nicht nur, weil sie seit 2019 ebenfalls unter Denkmalschutz stehen. Die Stadt Halle lässt im Bereich der Anlage derzeit Sturmschäden beseitigen. Für die Dauer der Aufbereitung bleiben die Betonteile eingelagert, sollen hernach wieder aufgestellt werden. Eine der insgesamt fünf Sitzgruppen wurde beim Sturm im März diesen Jahres ohnehin beschädigt und wird nun instandgesetzt. Die Arbeiten bereiten eine folgene Neugestaltung des Areals zwischen Birkenallee und westlichem Parkweg durch die Stadt Halle vor. Als Teil des geplanten Generationenspielplatzes soll der Bereich mit Schachtischen und Pavillon originalgetreu rekonstruiert werden. (db, 6.12.21)

Halle, Schachtische Peißnitzinsel (Bild: Enrico Seppelt/Dubisthalle)

Halle: Schalendom-Initiative wehrt sich

Halle: Schalendom-Initiative wehrt sich

Halle, Planetarium (Bild: Ralf Lotys (Sicherlich), CC BY 3.0)
Soll bald fallen: das Planetarium in Halle (Bild: Ralf Lotys (Sicherlich), CC BY 3.0)

“Die Entscheidung für den Abriss des Planetariumsbaus auf der Peißnitz ist gefallen. Das Landesverwaltungsamt als Obere Denkmalschutzbehörde hat der Wegnahme unter der Bedingung der Errichtung eines neuen Planetariums (auf dem Holzplatz) zugestimmt.” Mit dieser Nachricht eröffnet die “Denkmalinitiative Schalendom” ihre Erklärung vom 8. Juli 2016.

Es geht um das Sigmund-Jähn-Planetarium aus dem Jahr 1978. Für die futuristische Bauform zeichnete der Ingenieur Herbert Müller verantwortlich, der vielerorts DDR-Funktionsbauten unter eine oder gleich mehrere “hyperbolischen Halbschalen” setzte. Mehrere Hochwassereinbrüche schädigten den Bau, so dass die Stadt Halle den Abriss beschloss. Mit der Auflage, dass der rund 8 Millionen Euro teure – ebenso wie der Abriss teils aus Fluthilfemitteln zu finanzierende – Neubau erfolgt. Dabei hatte sich rasch Protest geregt, vor Ort ebenso wie in Fachkreisen. Die “Initiative Schalendom” zeigt sich in ihrer Erklärung enttäuscht: “Ob der Vorschlag der Denkmalinitiative Schalendom, das Denkmal als Denkmal auch ohne Nutzung zu bewahren und eine Patenschaft für die bauliche Unterhaltung zu übernehmen, dem Bau eines neuen Planetariums wirklich zwingend entgegengestanden hätte, bleibt für uns weiter fraglich.” Zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals will man das abrissgeweihte Planetarium aber noch einmal mit einer Ausstellung würdigen. (kb, 9.7.16)

Planetarium: Abriss genehmigt

Planetarium: Abriss genehmigt

Halle, Planetarium (Bild: Ralf Lotys (Sicherlich), CC BY 3.0)
Idyllisch gelegen und futuristisch geschwungen: das ehemalige Sigmund-Jähn-Planetarium auf der Peißnitz-Insel (Bild: Ralf Lotys (Sicherlich), CC BY 3.0)

Benannt ist der geschwungene Bau auf der Peißnitz-Insel nach dem ersten Deutschen im Weltall. Das Sigmund-Jähn-Planetarium wurde 1978 eingeweiht. Für die Technik sorgten die Carl Zeiss-Werke Jena mit dem hochmodernen Projektor “Spacemaster DP2”. Für die futuristische Bauform zeichnete der Ingenieur Herbert Müller verantwortlich, der vielerorts DDR-Funktionsbauten unter eine oder gleich mehrere “hyperbolischen Halbschalen” setzte.

Die malerische Insellage machte dem Planetarium zu schaffen. Mehrere Hochwassereinbrüche, zuletzt 2013, schädigten zuerst den Bau und schließlich auch den Projektor. Vor diesem Hintergrund hatte sich die Stadt Halle entschlossen, das Planetarium auf der Peißnitz-Insel aufzugeben und an einem anderen Standort einen Neubau zu errichten. Seit 2013 steht der Bau leer und Ende April 2015 wurden Gelder für den Abriss eingestellt, nun wurde der Abriss auch formell genehmigt. Mit der Auflage, dass der rund 8 Millionen Euro teure – ebenso wie der Abriss teils aus Fluthilfemitteln zu finanzierende – Neubau eines Planetariums im Gasometer am Holzplatz erfolgt. Damit ist auch das Angebot eines Patenschafts-Vertrags durch die Initiative “Schalendom”, die das denkmalgeschützte Peißnitz-Planetarium als prägenden Bau der Ostmoderne erhalten sehen will, abgelehnt. Noch fehlt der Baubeschluss für den Planetariums-Neubau. (kb, 26.6.16)