Plattenbaubuch

Zugegeben, die Alliteration ist nicht ganz gelungen, dafür aber das gemeinte Buch von Mathias Körner: eine Dresden-Chronik über Plattenbauten. Sie erklärt am Beispiel der Großwohnsiedlung Dresden-Gorbitz, wie der Plattenbau und das DDR-Wohnungsbauprogramms entstanden sind. Es geht um Erkenntnisse wie, “dass […] das Kabel des Roten Telefons von Ost-Berlin über Gorbitz, Prag nach Moskau lief“.

Die Publikation “Gorbitzer Höhenpromenade. Dresdens vergessener Schatz” würdigt eine bislang unbeachtet gebliebene architektonische und stadtplanerische Leistung. Die Entstehung des Plattenbaugebiets Dresden-Gorbitz wird stellvertretend für die Wohngebiete von Rostock-Lütten-Klein über Berlin-Marzahn bis Halle-Neustadt, mit teilweise unveröffentlichten Bildern und Grafiken, erlebbar. Die “Gorbitzer Höhenpromenade” bildete mit seiner prägnanten Anlage als Fußgängerpassage das kulturelle und architektonische Herz von Gorbitz. Für Körner steht Neu Gorbitz in der Tradition des Bauhauses – und könnte damit, so hofft er, in Zukunft auch für die Denkmalpflege mehr als interessant werden. (kb, 7.6.15)

Körner, Mathias, Gorbitzer Höhenpromenade. Dresdens vergessener Schatz, Verlag winterwork, 2015, 454 Seiten, 14,8 x 21 cm, ISBN 978-3-86468-906-2.

In seinem neuen Buch “Gorbitzer Höhenpromenade” schaut Mathias Körner auch auf die Entstehung des Dresdener Plattenbauviertels (Bild: Winterwork-Verlag)

Drei Tage Heimat in Eisenhüttenstadt

#HEIMATLOS (Bild: M. Maleschka)
#HEIMATLOS – Sie können der Veranstaltung auch über die sozialen Medien folgen (Bild: M. Maleschka)

Heimat kann man anschauen, zumindest zwischen den Jahren. Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls zeigt der Architekt und Fotograf Martin Maleschka eine Ausstellung zum Thema “Schrumpfende Städte”. Maleschka machte sich in den letzten Monaten einen Namen durch Projekte zur Architektur und architekturbezogenen Kunst der Ostmoderne in Weimar, Erfurt und London. Mit seiner neuen Ausstellung rückt er nun die Plattenbaugebiete Eisenhüttenstadts in den Mittelpunkt.

Schon während, aber nicht nur wegen seines Architekturstudiums war Maleschka nach Eisenhüttenstadt gezogen. Er begann, die seine “baulich immer schneller verschwindende Heimat” fotografisch zu dokumentieren. Der Beschluss, am traditionsreichen Industriestandort die erste deutsche – “sozialistische Stadt” zu errichteten, war 1950 gefallen. In der Folge entstanden markante Plattenbausiedlungen, die man nach dem Mauerfall veränderte und teils wieder “rückbaute”. Maleschkas Blick auf diese Umbrüche sind nun an drei Tagen, vom 25. bis zum 28. Dezember 2014 in einem leerstehenden Geschäft (Straße der Republik 37) in Eisenhüttenstadt jeweils von 10 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Die Vernissage findet am 25. Dezember 2014 um 17 Uhr statt. (kb, 16.12.14)

Hoyerswerda

Hoyerswerda (Bild: Jovis-Verlag)
“Schrumpfende Stadt” (Bild: Jovis-Verlag)

Zu Wendezeiten ging der Name Hoyerswerda für seine rassistischen Übergriffe durch die Presse. Dabei war die sächsische Kreisstadt einst eine Vorzeigesiedlung der DDR. Seit 1957 entstand in Großblock- und Plattenbauweise die sog. Zweite Sozialistische Stadt: zwischen 1955 und 1959 rund 2.000 Wohnungen an den Altstadträndern, zwischen 1957 und 1965 die ersten rund 1.200 Wohnungen der Neustadt Elster, zwischen 1966 und 1975 zwei dichter bebaute Komplexe mit rund 6.000 Wohnungen, in den ausgehenden 1980er Jahren nochmals rund 2.000 Wohnungen am Rand der Neustadt.

Heute wirkt das von Plattenbauten geprägte Hoyerswerda wie eine sterbende Stadt. Im einst kinderreichsten Ort der DDR werden die Folgen der gesellschaftlich-städtebaulichen Umbrüche im wiedervereinten Deutschland besonders greifbar. Stefan Boness fängt in seinen Fotografien aus Hoyerswerda-Neustadt die gespenstische Atmosphäre der verlassenen Wohnhochhäuser ein. Ihr Verfall verweist auf die Veränderungen, die – im Zeitalter der Megacities oft unbemerkt – längst weite Teile Europas und der USA betreffen. (kb, 6.10.14)

Hoyerswerda. Die schrumpfende Stadt. Fotografien von Stefan Boness, Jovis-Verlag, Berlin 2013, gebunden, 96 Seiten, 57 Farbabbildungen, 28,5 x 21 cm, 978-3-86859-196-5.