Plauen: Rathaus-Wandbild gerettet

250 Quadratmeter schönste Ostmoderne: In Plauen schufen die Künstler Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht 1975/76 am dortigen Rathaus ein großformatiges Wandbild. Das Ergebnis war für ein Kunstwerk im öffentlichen Raum zur DDR-Zeit außergewöhnlich: ein Mosaik in patentierter Keramikgranulat-Technik in abstrakter Formensprache. Bei der aktuellen Rathaussanierung und -erweiterung wurde in Plauen leidenschaftlich diskutiert: Sollte das Kunstwerk – ganz oder ein Teil davon – erhalten bzw. wiederhergestellt werden? Die dafür notwendigen Freilegungs- und Sanierungskosten wurden auf 100.000 bis 150.000 Euro geschätzt.

Im Juni diesen Jahres sprach sich der Stadtrat grundsätzlich zugunsten des Wandbilds aus. Heute abend meldet die Freie Presse nun den entscheidenden Schritt zur sicheren Rettung des Kunstwerks: Philip Kurz, Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung, und Ralf Oberdorfer, Oberbürgermeister von Plauen, gaben bekannt, dass die Stiftung die Erhaltung des Wandbilds im Rahmen ihres Denkmalprogramms unterstützen wird. Dies bedeutet konkret, dass die Stadt das Vorhaben in die Rathaussanierung einbezieht. Die Wüstenrot Stiftung wird die Arbeiten am Wandbild fachlich begleiten und die Restaurierungskosten tragen. (kb, 16.7.19)

Plauen, Rathaus-Wandbild (Bild: Martin Maleschka)

Ebay vs. Denkmalpflege?

Ebay vs. Denkmalpflege?

Plattenbaumodule im Angebot (Bild: ebay.de)
Bald sehr kostbar? „Unverfälschte“ Plattenbaumodule im Angebot (Bild: ebay-kleinanzeigen.de)

In diesen Tagen kursiert via Facebook eine Ebay-Kleinanzeige der ostmodernen Art: „Betonplatten vom DDR Plattenbau zum Haus- Garagen o. Hallenbau“ zu verkaufen. Im sächsischen Plauen warten 81 Seitenteile und 26 Deckenplatten auf einen neuen Besitzer. (Ein Kran kann gegen Aufpreis organisiert werden.)

Durch den medialen Nachhall auf das eigentlich schon länger bestehende Angebot sind nun auch Fachleute auf den Betonfund aufmerksam geworden. Kevin Schachtschnabel, Heimatforscher und seinerzeit Bauingenieur bei VEB Hochbauprojektierung Plauen, schlug bei moderneREGIONAL Alarm: „Heute können Sie das gar nicht mehr in dieser Qualität fabrizieren“, fehlten doch inzwischen Produktionsstraßen und Know-how. Daher müsse man frühzeitig Plattenbau-Ersatzteile sichern, wie es sich seit den 1980er Jahren etwa im Fachwerkbau bewährt hat. Schachtschnabel denkt mit Engagierten über die Gründung einer Initiative nach, um einen „Ausverkauf“ ostmoderner Kulturzeugnisse zu verhindern. Die Pressestelle der sächsischen Denkmalpflege äußerte sich gegenüber moderneREGIONAL verhalten: Mit der Demontage und Einlagerung bereits geschützter Systembauten habe man (sh. Dresden) leider schon Erfahrung. Aber ob hier der Status eines „mobilen Denkmals“ begründbar sei? Das Schicksal des sächsischen Plattendepots scheint also weiter ungewiss. Bis dahin bleibt es wohl der effektivste Weg, die bereits „zusammengesetzten“ Plattenbauten in Ehren zu halten … (kb, 1.4.17)