Friedrichsdorf: Die Bonifatiuskirche tropft

In Friedrichsdorf wurde die katholische Kirche St. Bonifatius 1993 nach Plänen des Darmstädter Architekten Rolf Hoechstetter (* 1944) fertiggestellt. Nach seinem Studium in Darmstadt und Stuttgart hatte Hoechstetter 1974 ein eigenes Büro in Darmstadt eröffnet, lehrte später u. a. an der Hochschule in Trier. Die mehrfach ausgezeichnete Friedrichskirche umfängt mit Festsaal, das Pfarrhaus und Campanile programmatisch eine vielfach nutzbare Freifläche. Im Inneren wurden viele Ausstattungsdetails zur Bauzeit vom Aachener Bildhauer Ulrich Hahn gestaltet.

Jetzt steht – wie die Frankfurter Neue Presse berichtet – die Dachsanierung des postmodernen Kirchenbaus an, deren Kosten sich auf insgesamt 150.000 Euro belaufen sollen. Grund ist Sickerwasser am Oberlicht über dem Altarraum. Erschwert werden die geplanten Arbeiten durch den Dachaufbau: Der Ausbau der Steinwolle (zwischen einer dünnen Aluminiumschicht sowie der Dachhaut und Bitumen) muss mit hohen Sicherheitsvorkehrungen begleitet werden, um die Beteiligten vor möglicherweise krebserregenden Stoffen zu schützen. Zudem müsse das Aluminiumband am Dachrand verbreitert werden, um möglichen Wasserschäden an den Außenmauern vorzubeugen. Die Gemeinde hofft auf die Fertigstellung der Maßnahme Ende diesen Jahres. (kb, 25.4.20)

Friedrichsdorf, St. Bonifatius (Bild: foerderverein-bonifatius.de)

Bonn: Landesvertretung Niedersachsen fällt

Der Abriss läuft bereits: Gegenüber vom Post-Tower, wo die Fritz-Erler- auf die Kurt-Schumacher-Straße trifft, wurde in der Bundeshauptstadt 1990 die Landesvertretung Niedersachsen eingeweiht. In Bonn erhielten die Bundesländer je eine Art Botschaft, eben jene Landesvertretung. Für Niedersachsen entstand bis 1990 ein Neubau, der auf der Spitze des tortenstückförmigen Grundstücks in einer markanten Rotunde von 11 Metern Höhe auslief. Darüber hinaus punktete das postmoderne Ensemble mit einer Bibliothek und einer Friesenstube. Dem Vorhaben war ein Architektenwettbewerb vorausgegangen, aus dem das Büro Christa Sommerfeld-Lambart mit dem zweiten Preis hervorging – und mit der Umsetzung beauftragt wurde. Nachdem die Landesvertretung 2000 endgültig nach Berlin umgezogen war, vermietete man den Bau an die Post, um 2008 von einem neuen Eigentümer mit einem Bürohaus nochmals überbaut zu werden.

Zunächst hatte man für die Landesvertretung Niedersachsen eine weitere Aufstockung geplant, bevor man sich letztlich für einen Neubau entschied. Auf dem jetzt freiwerdenden Grundstück Fritz-Erler-/Kurt-Schumacher-Straße soll, so plant es der Bonner Immobilienmakler Marc Asbeck, bis 2022 ein neues Bürohaus entstehen. Dieses rund 100 Millionen teure „Greengate“ ist vorgesehen für 750 Arbeitsplätze auf bis zu neuen Stockwerken. In direkter Nachbarschaft zur Landesvertretung Niedersachsen war 2019 bereits die Landesvertretung Schleswig-Holstein niedergelegt worden. (kb, 21.4.20)

Bonn-Gronau, Landesvertretung Niedersachsen (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild-F086837-0029, CC BY SA 3.0, Foto: Arne Schambeck, 1991)

PoMo FfM

Bevor die Neue Altstadt die Gemüter bewegte, hatte im späten 20. Jahrhundert bereits die Postmoderne Frankfurts Geschichte fest im Blick. Mit dem Buch „Ein neues Gesicht für Frankfurt“ umreißt Leonie Köhren, Denkmalpflegerin aus Mainz, „die Bedeutung der Postmoderne für die Wiederentdeckung des Stadtraums und einer identitätsstiftenden städtischen Architektur im ausgehenden 20. Jahrhundert“. Damit legt sie zugleich ihre Dissertation vor, die sich im Kern um die Bereiche Dom-Römerberg, Museumsufer und Messegelände dreht.

Köhren nähert sich den postmodernen Entwicklungen der 1980er Jahre über den „eiligen Wiederaufbau“ der 1950er, den „funktionalistischen“ Bauboom der 1960er und die Identitätssuche der 1970er Jahre. „Man akzeptierte die vorhandene Stadt wieder“, so Köhren über die postmodernen Ansätze für Frankfurt. Nach ihrer Analyse wählte man für Einzelbauten Lösungen zwischen Entkernung des Bestands und ornamental dekorierten, farbig aufgewerteten Fassaden. Vor allem im Städtebau sei der Beitrag der Postmoderne für Frankfurt zukunftsweisend: mit ihrer geschichtsbewussten Dichte, ihrer erzählerisch-identitätsstiftenden Baukunst. Das Buch ist bei digital frei verfügbar, zugleich als Druckausgabe über den Buchhandel erhältlich. (kb, 27.3.20)

Köhren, Leonie, Ein neues Gesicht für Frankfurt. Die Bedeutung der Postmoderne für die Wiederentdeckung des Stadtraums und einer identitätsstiftenden städtischen Architektur im ausgehenden 20. Jahrhundert, arthistoricum.net, Heidelberg 2019.

Frankfurt am Main, Saalgasse (Bild: Dguendel, GFDL oder CC BY SA 3.0, 1992)