Potsdam: Kein „kein Ausverkauf“?

Potsdam: Kein „kein Ausverkauf“?

Potsdam, Mercure-Hotel (Bild: Botaurus, gemeinfrei)
Kühle Stimmung in der Potsdamer Mitte (Bild: Botaurus, gemeinfrei)

Die Debatte um das Stadtzentrum von Potsdam läuft schon seit Monaten. Die Stadtverwaltung würde gerne zurück zum Stadtbild aus der Zeit von Friedrich dem Großen. Dagegen wehrt sich die Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“, die sich für den Erhalt des ehemaligen DDR-Interhotels Mercure, der Fachhochschule und weiterer Nachkriegsgebäude einsetzt. Knapp 15.000 Unterschriften hatte sie für das Bürgerbegehren „Kein Ausverkauf der Potsdamer Mitte“ gesammelt. Die Forderung: Die Bauten sollen weder verkauft noch mit öffentlichen Mitteln abgerissen werden. Die erfolgreiche Initiative hätte nun in einem nächsten Schritt einen Bürgerentscheid herbeiführen können.

Doch die Stadtverordnetenversammlung kippte das Bürgerbegehren im September als rechtlich unzulässig: Die Fragestellung sei irreführend gewesen. Denn weder das geforderte Verkaufsverbot für die Bauten noch der Verzicht auf den Einsatz von Fördermitteln führten zwangsläufig dazu, dass die Stadt auf den geplanten Abriss verzichten müsse, darum sei es ungültig. Die Potsdamer Neuesten Nachrichten kommentierten: „Die Stadtverwaltung hätte gleich zu Beginn des Bürgerbegehrens zur Potsdamer Mitte prüfen müssen, ob es zulässig ist. Nicht erst, nachdem die Unterschriften abgegeben waren. Denn jetzt ist der Schaden immens, für alle Beteiligten.“ Nun hat die Initiative beim Verwaltungsgericht geklagt: Es bleibt also spannend. (ps, 21.10.16)

Ist das Stadt oder kann das weg?

Ist das Stadt oder kann das weg?

"Ist das Stadt oder kann das weg" (Bild: Musenkuss Potsdam)
Der Zettel zeigt – in Anspielung auf das surrealistische Pfeifenbild von René Magritte – übersetzt: „Das ist kein Käse.“ (Bild: Musenkuss Potsdam)

Die Debatte um das „Neugestalten“ oder „Neudenken“ der Potsdamer Mitte ist bekannt – und wird aktuell per Bürgerbegehren ausgetragen. Nun nähert sich ein Ausstellungsprojekt der Frage, wie mit dem ostmodernen Erbe der Stadt umzugehen ist, auf kreative Weise. Unter dem schönen Titel „Ist das Stadt oder kann das weg? Zum Innehalten in der Stadtmitte Potsdams“ will es das fünfköpfige Kuratorenteam „neudeuter“ aus Berlin, Potsdam und Argentinien möglich machen, „am Ort der anstehenden Veränderungen in neue Blickwinkel einzutauchen“.

12 Potsdamer sind gebeten, aus einem Stück Beton des ostmodernen Fachhochschulgebäudes ihr eigenes Kunstwerk zu schaffen. Bei ihrem Treiben und Tun filmen sich die Akteure und diese Sequenzen werden in der Ausstellung zu sehen sein. Ob sie den Beton bebrüten, besingen, an die Wand werfen oder zerreiben, bleibt jedem selbst überlassen. In den Werkstätten, zu denen „Potsdamer Mitte neu denken“ eingeladen hatte, wurden Bürger gebeten, ihr Vorstellungen in Bilder umzusetzen. Das Projekt kann am 28. und 29. Mai 2016 im Schaufenster der ehemaligen Fachhochschule im ZEM (Brandenburgisches Zentrum für Medienwissenschaften, hinterm Stadtschloss/Neuer Landtag, Friedrich-Ebert-Straße 4, Potsdam) bestaunt werden. (kb, 22.5.16)