Potsdam

Potsdam, Restaurant "Minsk" (Bildquelle: Architektur der DDR 28, 1979, 10)

Das Minsk soll zum Museum werden

Wie die „Märkische Allgemeine“ heute abend überraschend meldet, soll das ehemalige Terrassenrestaurant am Potsdamer Brauhausberg zum Museum umgenutzt werden. Die Hasso-Plattner-Stiftung hat demnach genkündigt, das ostmoderne Gebäude äußerlich originalgetreu wiederherzurichten. Im Inneren soll, am passenden Ort, ostmoderne Kunst präsentiert werden. Die „Märkische Allgemeine“ beruft sich auf die Erklärung eines Stiftungsbevollmächtigten „im nichtöffentlichen Teil des Potsdamer Hauptausschusses“. Die nach Hasso Plattner – Begründer von SAP und Potsdamer Ehrenbürger – benannte Stifung engagiert sich u. a. finanziell für den Wiederaufbau des museal genutzten Palais Barberini, dessen Sammlung auch bedeutende Werke der DDR-Kunst umfasst.

Der ostmoderne Bau „Minsk“ wurde 1977 – zum 60. Jahrestag der Oktoberrevolution – am Brauhausberg eröffnet. Mit dem gestaffelten Flachdachbau ergänzte der Architekt Karl-Heinz Birkholz (mit Wolfgang Müller) die ebenfalls von ihm geplante geschwungene, inzwischen abgerissene Schwimmhalle aus dem Jahr 1971. In den vergangenen Jahren war auch die Existenz des 2005 geschlossenen Ausflugsziels „Minsk“ lange umstritten und mehrfach bedroht. Im Januar diesen Jahres dann war ein Erhalt in Aussicht gestellt worden: aufgestockt und ergänzt um einen Neubau. Ein Kompromiss, der vielfach kritisiert wurde. Nun scheint sich eine für den Bau noch vorteilhaftere Lösung abzuzeichnen – das nähere Umfeld des Terrassenrestaurants soll unbebaut bleiben. (kb/db, 27.3.19)

Potsdam, Restaurant „Minsk“ (Bildquelle: Architektur der DDR 28, 1979, 10)

Kalenderblatt 2019 (Bild: Siebdruckkollektiv Studio 114, Potsdam)

Noch ein Kalender? Ja!

Natürlich können Sie das jeweils aktuelle Datum auch vom Handy ablesen, aber Stil ist etwas anderes. So spricht vieles für einen analogen Wandkalender (und noch einen und noch einen), zumindest für solche wie vom Siebdruckkollektiv Studio 114 aus Potsdam. Nach der Ostmoderne steht 2019 nun ganz im Zeichen des Bauhaus-Jahres. Unter dem Motto „Zwischenmoderne“ werden vierzehn Potsdamer Bauten der Zeit zwischen 1919 und 1933 kunstvoll aufs Kalenderblatt gebracht.

Unter den Monatsbildern finden sich bekannte Bauten wie der Einsteinturm von Erich Mendelsohn (1922) ebenso wie Alltagsschönheiten. Da wäre z. B. die Wohnanlage in der Großbeerenstraße 128-152 (W. Kuhnert/K. Pfeiffer, 1927), nennen. Für die Motive wurden Fotos bearbeitet oder Ansichten mittels Computer- oder Handzeichnung neu in Szene gesetzt. Die einzelnen Motive wurden dann in 3-farbigen Abzügen im Siebdruckverfahren von Hand gedruckt. Damit soll mehr entstehen als schöner Wandschmuck. Im besten Fall wird dem Betrachter über das Jahr deutlich, wie gewachsen und bunt die Architekturlandschaft von Potsdam eigentlich ist – und dass jede Baugattung und Stilform davon der Erhaltung würdig ist. Der Kalender und limitierte Einzeldrucke sind unter hello@studio114.de erhältlich. (kb, 14.11.18)

Titelmotiv: Kalenderblatt 2019, Siebdruckkollektiv Studio 114, Potsdam

Güstrow, Alain aus der Schweiz, Ken aus den USA und Katica aus Jugoslawien (Foto: Ken Mayer, CC BY 2.0, 24 Juli 1988)

Sozialismus als Erfahrung

War Kapitalismus siegreich war oder erhielt der Sozialismus nie eine wirkliche Chance? Ähnliche Fragen mögen in politischen Debatten von Interesse sein, für die Zeitgeschichtler war der Sozialismus schlicht eine Realität: Für einige Jahrzehnte lebten Menschen in Systemen, die sich selbst als sozialistisch verstanden. Diese Erfahrungen von Einzelnen und Gruppen sind vor allem mit dem bevorstehenden Jubiläum der Umwälzungen von 1989 wieder in aller Munde.

Vor diesem Hintergrund sucht das 16. Potsdamer Doktorand_innenforum zur Zeitgeschichte – Potsdam für die Tagung „Sozialismus als Erfahrung und Erinnerung. Junge Forschung im etablierten Feld“, die vom 21. bis 22. Februar 2019 in Potsdam (Zentrum für Zeithistorische Forschung, ZZF) stattfinden soll, noch nach Themenvorschlägen. Promovierende der Zeitgeschichte oder einer Nachbardisziplin sind aufgerufen, ihre Arbeiten anhand erster Ergebnisse vorzustellen. Die wissenschaftliche Tagung behandelt die Epoche des sowjetisch geprägten Sozialismus im Europa der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – mit einem Blick bis in die Gegenwart. Einsendungen (ein Abstract mit maximal 500 Wörtern auf Deutsch oder Englisch sowie ein knapper akademischer Lebenslauf) sind willkommen bis zum 31. Oktober 2018. Organisation/Kontakt: Christopher Banditt, Nikolai Okunew, Henrike Voigtländer,  doktorandenforum@zzf-potsdam.de. (kb, 4.9.18)

Güstrow, Alain aus der Schweiz, Ken aus den USA und Katica aus Jugoslawien (Foto: Ken Mayer, CC BY 2.0, 24. Juli 1988)

Potsdam, Haus Alexander (Bild: A. Fiedler, CC BY SA 4.0, 2016)

Tipps zum TofD: Das Bauhaus steht in Berlin

Bereiten Sie sich doch in der Hauptstadt auf das Bauhaus-Jahr vor: Zum TofD wird am 8. (!) September um 13, 14, 15, 16 und 17 Uhr durch das Haus Dittmar (Am Baltenring 25, Berlin-Marzahn-Hellersdorf Hellersdorf) geführt. 1932 ließ sich der Architekt Edmund Dittmar hierfür vom Bauhaus ebenso inspirieren wie vom Expressionismus. Treffpunkt ist am Eingangstor, die Teilnehmerzahl ist auf 8 Personen begrenzt, eine Anmeldung möglich bis zum 7. September: Ute Linz/Peter K. Bachmann, 0172 2478192, linz-bachmann@online.de. Ein weiterer Zeuge des Neuen Bauens, das St.-Antonius-Hospital (Köpenicker Allee 39-57, Berlin-Lichtenberg (Hohenschönhausen) Lichtenberg), entstand 1930 nach Plänen von Felix Angelo Pollack. Heute dient der Bau als Standort der Katholischen Hochschule für Sozialwesen. Am 8. (!) September wird um 10 Uhr eine Führung angeboten (Treffpunkt: Haupteingang, Kontakt: Martin Wrzesinski, Katholische Hochschule für Sozialwesen, 030 50101014, verwaltung@khsb-berlin.de).

Eine kurze ÖPNV-Fahrt weiter versteckt sich in Potsdam ein Geheimtipp der Zwischenkriegszeit: Das Alexander-Haus (Am Park 2, Potsdam) entstand 1927 als erstes Sommerhaus am Groß Glienicker See für den jüdischen Arzt Dr. A. Alexander. Nach dessen Flucht 1936 wohnten hier vier Familien, darunter der Komponist Will Meisel. Hier, wo später die Berliner Mauer durch den Garten führte, soll ein Zentrum für Bildung und Versöhnung entstehen. Interessierte können das Haus am 9. (!) September von 12 bis 18 Uhr besuchen, Führungen gibt es um 12.30 (Kinderführung), 13 und 15 Uhr. (kb, 31.8.18)

Potsdam, Haus Alexander (Bild: a.fiedler, CC BY SA 4.0)

Berlin, Juni 1924: Vorbereitung zur Eröffnung der Großen Berliner Kunstausstellung, Novembergruppe (Bild: 183-S29554, CC BY SA 3.0)

Umkämpfte Wege der Moderne

In der idyllischen Hohenzollernresidenz Potsdam, blitzte 1918 symbolisch die Moderne auf: Hier dankte der deutsche Kaiser Wilhelm II ab. Die damit entbrennenden Machtkämpfe spalteten die Gesellschaft in verschiedene Lager, heizten das politische und kulturelle Klima auf. Dieser Umbruch wurde auch in Potsdam und in der Partnergemeinde Nowawes, dem heutigen Stadtteil Babelsberg, sichtbar. Mit der Novemberrevolution traten progressive, moderate und konservative Akteure einander gegenüber. Sie nutzen die privaten und öffentlichen Lebenswelten, um ihre politischen, sozialen und künstlerischen Deutungsmuster zu zementieren. So z. B. in der 1918 formierten Novembergruppe, die als „Vereinigung der radikalen Künstler“ einen Weg in die Moderne beschritt.

Die Tagung „Umkämpfte Wege der Moderne. Perspektiven auf Gesellschaft und Kunst im Deutschen Reich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ findet vom 12. bis 14. Oktober in Potsdam (Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Am Alten Markt 9) satt. Damit sollen auch zwei große Sonderausstellungen 2018/19 im Potsdam Museum vorbereitet werden: einmal zum Schweizer Künstler und Mitbegründer der Novembergruppe Wilhelm Schmid, einmal zu den gesellschaftlichen Entwicklungen in Potsdam und Babelsberg in der Zeit der Weltkriege. Anmeldungen zur Tagung sind noch bis zum 9. Oktober möglich unter: museum-geschichte@rathaus.potsdam.de. (kb, 29.9.17)

Berlin, Juni 1924: Vorbereitung zur Eröffnung der Großen Berliner Kunstausstellung, Novembergruppe (Bild: 183-S29554, CC BY SA 3.0)

Potsdam rekonstruiert sich wieder

Potsdam, Gewölbebogen der Heilig-Kreuz-Kapelle, rekonstruiert im Frühjahr 2005 (Bild: Florian S., CC BY SA 3.0, 2006)
2005 errichteten die Potsdamer Wiederaufbau-Befürworter symbolisch einen Bogen der Heilig-Kreuz-Kapelle (Bild: Florian S., CC BY SA 3.0)

Der Fortsetzungsroman „Potsdam rekonstruiert sich“ hat das nächste Kapitel aufgeschlagen. Wie immer geht es um die Grundsatzfrage, wem die Stadt gehört, welche Geschichte man da wiederauferstehen lassen will und wer das Ganze bezahlen soll. Ein Bürgerbegehren gegen den geplanten Abriss der ostmodernen Bauten Staudenhof, Fachhochschule (FH) und Mercure-Hotel (Inter-Hotel) hatte 2016 zwar die notwendige Stimmenzahl übererfüllt. Die Stadt jedoch konterte formaljuristisch (man habe zu unklar formuliert), so dass der Fall am Donnerstag vor dem Verwaltungsgericht entschieden wurde – zugunsten der Stadt.

Der langdiskutiere Wiederaufbau der barocken Garnisonskirche (der Turm wurde 1968 von DDR-Seite gesprengt) wird zeitgleich konkreter: Der Bund bestätigte nun offiziell, 12 Millionen Euro für diesen Zweck bereitzustellen. Zuvor hatten EKD und Landeskirche zinslose Darlehen für das (liberalisierte) Projekt zugesagt. Im Herbst sollen die Bauarbeiten beginnen, voraussichtlich mit einem abgespeckten Turm ohne Glockenspiel. Dort, wo die Rekonstruktivisten das Kirchenschiff sehen, steht (noch?) das ostmoderne Rechenzentrum. Dessen kreativ-künstlerische Nutzung könnte sich verlängern – vielleicht (übergangsweise?) neben dem Turm. Am 12. März gründet sich auf dem Alten Markt ab 11 Uhr das neue Bündnis „Stadtmitte für alle“ mit vertrauten Forderungen: Rechenzentrum, Staudenhof und FH erhalten, keine weiteren Rekonstruktionen. (kb, 6.3.17)