Cantianstadion im Jahn-Sportpark wird abgerissen

In Berlin ist wieder einmal der Abriss eines herausragenden Großbaus der Ostmoderne beschlossen worden: Das Cantianstadion in Prenzlauer Berg – oft nach der umgebenden Gesamtanlage nur Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark genannt – wurde 1950/51 anlässlich der III. Weltfestspiele der Jugend nach Plänen des Bauhaus-Schülers Rudolf Ortner erbaut. Ähnlich wie beim nahegelegenen (und längst beseitigten) Walter-Ulbricht-Stadion wurde der Kessel der Zuschauerränge in eine begrünte Trümmerschutt-Topographie integriert, wodurch es sich sanft in den Stadtraum einfügte und viele verschiedentlich nutzbare wie grüne Freiräume kreierte. Damit steht das Cantianstadion als einer der wenigen verbliebenen Bauten für die früheste Phase der DDR-Architektur, noch bevor der Stalinistische Klassizismus zur Staatsdoktrin wurde. Pünktlich zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 kam dann wohl fotogenste Stück Ostmoderne hinzu: Ein mehrstöckiges tiefrotes Tribünengebäude mit weit auskragendem Dach und Auffahrtsrampen zur VIP-Lounge sowie im Stadtraum weithin sichtbare und stark geneigte, fächerförmige Flutlichttürme. Entworfen wurden diese postmodernen Ergänzungen durch ein Baukombinat aus der ČSSR. Zuletzt 2015 (!) teilsaniert und 1998 durch knallbunte Sitzschalen ergänzt, sollte das Stadion ursprünglich bis 2023 durch einen „Inklusionssportpark“ ersetzt werden. Dieser Hallenkomplex – so wird befürchtet – soll vor allem aus einer zweitligatauglichen und abgeriegelten (Fußball-) Arena bestehen. Nach Protest von verschiedenen Akteur:innen wie dem Bund Deutscher Architektinnen und Architekten sowie einer wortmächtigen Anwohner:inneninitiative wurden die Abrisspläne 2020 zunächst aufgeschoben. Ein „partizipatives Werkstattverfahren“, in dem auch der Nicht-Abriss als eine Option dargestellt und von vielen Teilnehmer:innen favorisiert wurde, fand 2021 statt.

Nun scheint die Zerstörung der nach wie vor (trotz offensichtlicher Denkmaleigenschaften) formal nicht geschützten Baulichkeiten im Jahn-Sportpark aber nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Ein Gremium des Berliner Senats um Sportsenatorin Iris Spranger und Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt hat den Abriss beschlossen und diesen sogleich in wohlklingendes Vokabular gepackt: „Vor dem Hintergrund der Wirtschaftlichkeit, dem Raumprogramm, der städtebaulichen Rahmenbedingungen und den besonderen Anforderungen an ein Inklusionsportstandort hat das Lenkungsgremium entschieden, das Stadion unter Einbeziehung der wesentlichen identitätsstiftenden Merkmale des Jahnsportparks neu zu bauen.“ Zur Beruhigung Aller wird dann im Rahmen des avisierten Abriss-Wettbewerbes auch noch zur Spolienarchitektur aufgefordert, zu übernehmende Merkmale der heutigen Anlage könnten „struktureller, topografischer oder architektonischer Natur“ sein und als Zitate oder Reminiszenzen erhalten werden. (fs, 27.2.2022)

Berlin, Jahnstadion (Bild: Eisern2009, CC0)

Berlin: Stadtbad wird wiedereröffnet

Berlin: Stadtbad wird wiedereröffnet

Berlin-Prenzlauer Berg, Stadtbad (Bild: Magadan, GFDL oder CC BY SA 3.0)
Der Zustand vor der Sanierung: das Stadtbad in Berlin-Prenzlauer Berg (Bild: Magadan, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Vor über 100 Jahren, am 1. Februar 1902 wurde im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg ein neues Stadtbad im Stil der Neurenaissance eröffnet. Die Pläne hatte Stadtbaurat Ludwig Hoffmann geliefert, das Skulpturenprogramm schuf der Bildhauer Otto Lessing. Zwei Weltkriege hatte das Stadtbad fast unbeschadet überstanden. Kleinere Eingriffe erfolgten 1937 mit der Überdachung der Lichthöfe und 1977 mit dem Einbau einer Sauna. Doch 1986 musste das Stadtbad aus Sicherheitsgründen geschlossen werden – durch eine neue Schornsteinanlage war die Statik aus dem Lot geraten.

Die notwendigen Sanierungsarbeiten wurden immer wieder verschoben, eine Bürgerinitiative gegründet, der Bau wechselte mehrfach den Besitzer, diente immer wieder als Kultur- und Veranstaltungsort. Nun befindet sich das ehemalige Stadtbad in Privatbesitz und wurde im Zusammenhang mit dem angrenzenden neu eröffneten Hotel Oderberger erschlossen. Zu den Restaurierungskosten von rund 18 Millionen Euro trugen auch der Senat Berlin und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz eine Fördersumme bei. Ab dem 17. Oktober 2016 um 14 Uhr können die ersten Schwimmer wieder ihre Bahnen im historischen Ambiente ziehen. Künftig soll das Bad fünf Tage die Woche zum Schwimmen und Erholen offen stehen, zwei weitere Tage kann der Raum für Events angemietet werden. (kb, 18.8.16)